Mit Künstlicher Intelligenz berechnet das Start-up aus Kamera- und Sensordaten einen sicheren Flugpfad. Eine Millionenfinanzierung soll die Thüringer nun auf den Schirm großer Konzerne bringen.

Von Strommast zu Strommast, von Solarpanel zu Solarpanel: Drohnen können bei Kontroll- und Wartungsflügen enorm die Effizienz erhöhen. Doch autonom lassen die meisten Flottenbetreiber die Fluggeräte ungern aufsteigen – immer wieder drohen gefährliche oder kostspielige Kollisionen. Ein erster Anwendungszweck, auf den sich das Thüringer Start-up Spleenlab stürzt: Das Team entwickelt eine Software, die aus allen verfügbaren Sensordaten – Kamera, Radar oder Laserscanner – in Echtzeit den Flugpfad kontrolliert. Die Berechnung findet dabei direkt auf dem unbemannten Fluggerät selbst statt.

Mitgründer Stefan Milz hatte vorher ähnliche Berechnungen bei Automobilzulieferern angestellt. „Da ist die Idee entstanden, die Konzepte der KI-basierten Autonomie auch in die dritte Dimension zu bringen“, sagt Milz. Gemeinsam mit Tobias Rüdiger und Sebastian Süß startete der promovierte Physiker vor knapp zwei Jahren mit der Entwicklung der Software. Erste Demonstratoren stehen bereit – und das Team sieht zahlreiche und unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten für sein Produkt. „Wir stehen relativ weit hinten in der Zulieferkette“, sagt Rüdiger, „das eröffnet uns einen recht breiten Markt.“

Millionenfinanzierung soll beim Abheben helfen

Bei den Startversuchen hilft nun eine Finanzierung in Millionenhöhe. Wie WirtschaftsWoche Gründer erfahren hat, hat Spleenlab vor wenigen Wochen einen siebenstelligen Betrag erhalten. Das Geld stammt von dem regionalen Investor Beteiligungsmanagement Thüringen (BM.T), dem Risikokapitalgeber Apex Ventures sowie dem Business Angel Carlo Velten. „Für neue Mobilitätskonzepte in Verbindung mit Künstlicher Intelligenz sehen wir ein riesiges Potential”, sagt BM.T-Managerin Katja Butzmann. Die neuen Gesellschafter wurden vom in München ansässigen Netzwerk BayStartUP zusammengebracht.

Im Blick hat Spleenlab im ersten Schritt die Hersteller von Drohnen sowie die Betreiber von großen Drohnenflotten. Die modular aufgebaute Software soll das Betriebssystem der unbemannten Fluggeräte nicht ersetzen, sondern ergänzen. Je nach Einsatzzweck könnte so die Standortbestimmung oder die Flugpfadberechnung verbessert werden. Geht es um Flüge über Kraftwerke oder Menschenmengen, kann das Programm für eine zusätzliche Sicherheitsebene sorgen. Ermöglichen soll die Künstliche Intelligenz jedoch auch das autonome Fliegen – damit könnten auch die Lufttaxi-Anbieter als Abnehmer interessant werden.

Software kommt in Sensor-Würfel

Aktuell arbeitet das aktuell etwa zehnköpfige Team daran, die Software in einem mit Sensoren gespickten Würfel zu verpacken. Das weniger als ein Kilogramm schwere Paket soll dann einfacher an bestehende Maschinen angedockt werden können. „Wir haben dann ein vollkompaktes System, was die Performance eines selbstfahrenden Autos haben kann“, sagt Rüdiger. Neben traditionellen Flugzeug- und Hubschrauberherstellern rückt so auch wieder die Autobranche ins Visier.

Mit ihrem Produkt reiht sich das Spleenlab-Team ein in die Reihe der deutschen Start-ups, die sich rund um den stetig wachsenden Drohnenmarkt positionieren. Dort finden sich Hersteller, wie etwa Frachtdrohnen-Spezialist Wingcopter. Aber auch die Projektmanagement-Software Flynex oder die Flugvermittlungsplattform Fairfleet. Und das in Kassel gegründete Dedrone ist weltweit im Einsatz, um Drohnen von schützenswerten Bereichen fernzuhalten.

Team setzt auf Thüringen

Spleenlab hat seinen Sitz in Saalburg-Ebersdorf – und damit grob auf halbem Weg zwischen Jena und Bayreuth. Die drei Gründer sind dort aus Heimatverbundenheit gestartet. Sehen jedoch auch große Standortvorteile: „Wir bauen auf die, die in dieser Region bleiben oder hierhin zurückkehren wollen“, sagt Mitgründer Süß. Auf der Suche nach KI-Spezialisten sticht das Start-up in den Breitengeraden heraus. In Berlin oder München etwa wären sowohl Angebot als auch Nachfrage um ein Vielfaches größer.

Dazu kommt: Im Umkreis von etwa 100 Kilometern finden sich zahlreiche Universitäten und Hochschulen. Darunter etwa die Optik-Hochburg Jena oder die Technische Hochschule Ilmenau, die in Forschung und Ausbildung nah dran sind an der Arbeit von Spleenlab. Solange es möglich ist, geht es für das Start-up dennoch immer wieder weit raus in die Welt: Bei einem Drohnen-Wettbewerb von Microsoft in Rahmen der KI-Konferenz NeuRIPS in Vancouver steuerte die Spleenlab-Software ein Fluggerät auf den dritten Platz. Von insgesamt 120 Teilnehmern.