Pinkel-Tüte, Stein mit USB-Anschluss und peinliche Pakete: Nicht alle Gründer wollen die Welt verbessern. Wie Spaß-Start-ups Kunden gewinnen wollen.

Gary Dahl hat eine der zahlreichen Gründer-Mantras schon in den 70er-Jahren wiederlegt. So heißt es oft in den Ratgebern: „Erfinde ein Produkt, dass die Menschen wollen oder brauchen.“ Auf Dahls Produkt trifft das nicht unbedingt zu. Seine Erfindung: ein Stein mit Augen. Unter dem Namen „Pet Rock“ – also ein Haustier-Stein – wurde das Produkt zum Verkaufsschlager. Dahl machten die Steine zum Millionär.

In einer wachsenden globalen Start-up-Szene versuchen Gründer mit ihren Ideen, Dahl nachzueifern. Individuelle Mahlzeiten für Hunde oder die Yo-App sind nur zwei Beispiele für ausgefallene Ideen. Einige Journalisten sehen in diesem Trend zum Start-up mit Nonsense-Produkt schon den Beleg für eine Blase. Witzig sind die Ideen allemal.

Wirtschaftswoche Gründer gibt einen Überblick über einige Start-ups, die die Welt nicht braucht.

Die Pinkel-Tüte der Adamus Group. (Foto: Screenshot/Evamus)

Die Pinkel-Tüte der Adamus Group.
(Foto: Screenshot/Evamus)

Adamus und Evamus – eine Pinkel-Tüte

Idee: Eine Tüte als Toilette für zwischendurch. Wer im Stau auf der Autobahn dringend auf Toilette muss, holt einfach schnell das Tütchen raus – bis zu 750 Milliliter Urin passen hinein. Ein geruchshemmendes Gel verhindert, dass es im Auto zu sehr stinkt. Für Männer, Frauen und Kinder gibt es extra Ausfertigungen.

Potential: Auch wenn die Menschen Jahrhunderte ohne eine Pinkel-Tüte ausgekommen sind, ist das Produkt für Rollstuhlfahrer, aber auch für Sanitäter, Trucker und Sportflieger durchaus hilfreich. Marc Collinet, der mit seinem Unternehmen das Patent für mehrere Länder hält, hat in der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ für 150.000 Euro etwas mehr als ein Viertel des Unternehmens verkauft. Eine skurrile Idee mit Zukunft. „Ein Muss für den Mann von heute“ – wie es auf der Internet-Seite heißt – ist es sicherlich nicht.

Smartphone für zwölf US-Dollar. (Foto: Screenshot/NoPhone)

Smartphone für zwölf US-Dollar.
(Foto: Screenshot/NoPhone)

No Phone – das perfekte Smartphone

Idee: Die Idee trifft einen Nerv der Zeit. „The NoPhone is a technology-free alternative to constant hand-to-phone contact that allows you to stay connected with the real world“, heißt es in der Beschreibung. Wer das nicht richtig verstanden hat: Das NoPhone ist ein Stück schwarzes Plastik – in der Form eines Smartphones. In einer Selfie-Version hat es einen Spiegel aufgeklebt.

Potential: Mehr als 18.000 US-Dollar hat das Team aus den Niederlanden und den USA für das NoPhone über Kickstarter eingenommen, lediglich 5.000 wollten sie ursprünglich haben. Für Kunden ist es nun für zwölf Dollar zu kaufen. Was für ein schönes Geschenk für viele der Smartphone-Süchtigen.

Die Penispumpe per Post – die peinlichen Pakete wollen den Empfänger ruinieren. (Foto: Screenshot/Peinliche Pakete)

Die Penispumpe per Post – die peinlichen Pakete wollen den Empfänger ruinieren.
(Foto: Screenshot/Peinliche Pakete)

Die Peinlichen Pakete – Freunde blamieren

Idee: Für Liebhaber von Austin-Powers-Filmen sind die Pakete eine super Sache. Wer sich an seinen Freunden oder Nachbarn rächen will, schickt ihnen ein Paket. Von außen sieht es für den Paketboten und Passanten so aus, als sei etwa eine Penis-Pumpe in dem Paket. In Wirklichkeit sieht nur die Produktbeschreibung auf dem Paket so aus. Wenn der Empfänger bei der Zustellung nicht zuhause ist, erlebt er an der Tür seines Nachbarn eine ebenfalls peinliche Situation.

Potential: Auch Menschen mit schrägen Humor werden nicht allzu viele Peinliche Pakete verschicken, denn die Verpackung für eine Penis-Pumpe 3000 kostet knapp neun Euro. Fast so teuer wie eine echte Penis-Pumpe bei Amazon – und der Auspack-Augenblick mit der Freundin ist dabei sicherlich genauso unbezahlbar.

Briefschatz nach der Hochzeit. (Foto: Screenshot/Dein Briefschatz)

Briefschatz nach der Hochzeit.
(Foto: Screenshot/Dein Briefschatz)

Deinbriefschatz – vor dem verflixten 7. Jahr

Idee: Nach der Hochzeit sollen sich die Partner jeweils einen Liebesbrief schreiben und an das Start-up schicken. Dort werden die Briefe gelagert und fünf Jahre aufbewahrt – mit 24-Stunden-Kameraüberwachung. Erst dann stellt die Post die Briefe zu. Die Paare sollen nach den fünf Jahren noch einmal erkennen, was sie an sich hatten.

Potential: Bei jeglichen Heiratsritualen sitzt bei den Leuten das Geld locker. Die 20 Euro werden die Paare sicherlich zahlen. Wichtiges Feature: Wer sich vorher scheiden lässt, muss einfach nur schnell eine Mail an den Support schreiben. Für On-Off-Beziehungen ist das Produkt auf jeden Fall nicht geeignet.

3D-Porträts von Promis und einem selbst in Miniaturformat für Narzissten. (Foto: Screenshot/Twinkind)

3D-Porträts von Promis und einem selbst in Miniaturformat für Narzissten.
(Foto: Screenshot/Twinkind)

Twinkind – Porträts aus dem 3D-Drucker

Idee: Selbstdarsteller aufgepasst! Das Start-up Twinkind bietet kleine Selbstporträts aus dem 3D-Drucker. Promis wie Rapper Samy Deluxe oder die Fantastischen Vier haben sich bereits ausdrucken lassen.

Potential: Die Nachfrage scheint vorhanden zu sein. Mehrere Dutzend Start-ups haben die Idee von Twinkind-Gründer Timo Schädel kopiert. „Wir haben 800 Anfragen aus aller Welt für Franchise-Verträge bekommen“, sagte der Gründer der „Welt“. Ab 99 Euro lässt sich ein Porträt im Maßstab 1:24 erstellen.

Den Kronkorken knallen lassen – absichtlich. (Foto: Screenshot/Plöpper)

Den Kronkorken knallen lassen – absichtlich.
(Foto: Screenshot/Plöpper)

Plöpper – Kronkorken-Schießer

Idee: Ein Flaschenöffner, der den Kronkorken durch den Raum schießt. Angeblich mit einer Geschwindigkeit von bis zu 127 Stundenkilometer. 15 Meter weit soll der Kronkorken dann mit einem lauten Plöpp fliegen. Sieben Prototypen haben die beiden Gründer in Papas Werkstatt gebastelt, bis es klappte.

Potential: 30 Euro kostet der Plöpper bei Amazon, ein stattlicher Preis für eine Spielerei. In der Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ konnten sie die Investoren nicht überzeugen, dass Deutschland einen Plöpper braucht. Zumindest die beiden Gründer haben Spaß daran – und sind während der Entwicklung auf Wasser umgestiegen.

Pet Rock mit USB

Idee: Der Pet Rock ist zurück. Es gibt den Haustier-Stein mittlerweile mit USB-Anschluss. „Es braucht weder Essen noch Trinken“, heißt es in der Beschreibung. Auch Strom wird keiner verbraucht. Und es funktioniert mit allen Betriebssystemen.

Potential: Fans vom Pet Rock 1.0 werden auch den nutzlosen Pet Rock mit USB lieben.