Die Stuttgarter helfen Produktionsbetrieben, den Nachschub bei wichtigen Anlagenteilen im Blick zu behalten. In der Autoindustrie ist das Start-up bereits angekommen – jetzt sollen andere Branchen folgen.

Die Angst vor dem Stillstand ist groß: Produktionsbetriebe fürchten den Ausfall ihrer Anlagen. Die notwendigen Ersatzteile, um im Ernstfall sofort weiterarbeiten zu können, liegen nach den Erfahrungen von Lukas Biedermann daher häufig auf Halde. Der Überblick geht dabei immer wieder mal verloren.

Mit einer digitalen Lösung will das Start-up Sparetech, dass Biedermann mit Martin Weber gegründet hat, hier die Transparenz erhöhen – auch beim Einkauf der teuren, aber notwendigen Bauteile: „Lange Zeit hatten Instandhaltungsthemen nicht die höchste Priorität“, sagt Biedermann, „aber wir glauben, dass das Ersatzteilmanagement und die Fabrikkosten im Allgemeinen ein wesentlicher Faktor im Wettbewerb sind.“

Die Software der Stuttgarter listet alle eingesetzten Bauteile aus der Produktion auf – und zeigt zugleich, wie und wo Ersatz beschafft werden kann. Dafür bereitet Sparetech die Produktdaten von wichtigen Industrie-Zulieferern, wie etwa Siemens, Bosch Rexroth, Festo oder Igus auf. Soll ein zentrales Bauteil etwa nicht mehr hergestellt werden, können Instandhaltungsexperten so rechtzeitig noch Nachschub ordern.

Sparen beim Ersatzteileinkauf

Zudem zeigt Sparetech auch an, zu welchem Preis Hersteller oder Zwischenhändler bestimmte Produkte anbieten. Im margenstarken Ersatzteilgeschäft könnten Produktionsbetriebe so Geld sparen, sagt Biedermann: „Es gibt da eine wahnsinnige Preisdynamik im Markt. Uns geht es darum, ein Stück weit Transparenz in den Markt zu bringen.“ Allerdings will das Start-up nicht selbst als Händler auftreten. Das erhöht die Bereitschaft der Ersatzteil-Hersteller und -Händler, mit Sparetech zusammenzuarbeiten: „Wir liefern ihnen die Möglichkeit, zusätzliches Servicegeschäft zu generieren.“

In der Autoindustrie hat sich Sparetech seit dem Start 2019 bereits vorgearbeitet. Allerdings mit Startvorteil: Die Gründer entwickelten die Idee bei Porsche Consulting und konnten ihr Programm in einem frühen Stadium innerhalb des Volkswagen-Konzerns vorstellen. Der Fokus der Autobranche verschiebt sich Richtung Software. Zum einen, weil über Apps und autonomes Fahren ein Großteil der zukünftigen Wertschöpfung generiert werden könnte. Zum anderen wird intensiv nach Effizienzgewinnen und Einsparmöglichkeiten gesucht. Biedermann ist überzeugt, dass Software auch dabei eine wichtige Rolle spielt: „Das kann auch helfen, um gegenüber Wettbewerbern wie Tesla nicht den Anschluss zu verlieren“.

Digitale Nachholeffekte in der Industrie

Sparetech will sich jedoch auch in weitere Branchen vorarbeiten. Das aktuell etwa 20-köpfige Team hat etwa die Pharma- oder Stahlindustrie im Blick. „Unser Beitrag liegt in der digitalen Vernetzung der Industrie“, sagt Biedermann. Damit sind die Stuttgarter nicht allein: Während auf der einen Seite an der Vernetzung der Industrie und ihrer Produkte gearbeitet wird, basieren auf der anderen Seite noch viele Bestellprozesse auf Excel-Listen und dem persönlichen Wissen von Einkäufern. Auf digitale Nachholeffekte setzen daher eine ganze Reihe an deutschen Start-ups: Laserhub oder Kreatize wollen beispielsweise mit ihren Plattformen die Beschaffung von individuell gefertigten Bauteilen vereinfachen. In dieser Woche beteiligte sich der Branchenverband VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) an dem Start-up Spanflug, dass ebenfalls die Beschaffung von Fertigungsteilen automatisieren will.

Auch Sparetech konnte bereits einige Business Angels von seinem Modell überzeugen. Zu den ersten Investoren gehört etwa Carsten Thoma, der vor acht Jahren sein Unternehmen Hybris an SAP verkaufte und sich seitdem bei mehreren Start-ups engagiert. Auch Kaufda-Mitgründer Christian Gaiser, FAS-AG-Mitgründer Ingo Weber und Mambu-Mitgründer Frederik Pfister zählen zu den Gesellschaftern. Daneben wird Sparetech vom Plug-and-Play-Tech-Center unterstützt. Zwar sei man fast profitabel, sagt Lukas Biedermann. Dennoch könnte im Laufe des Jahres noch eine Finanzierungsrunde bei Sparetech folgen. „Wir wollen auf das Gaspedal treten“, sagt der Gründer. Das Ziel: Die Mitarbeiteranzahl sollen sich im Jahr 2021 verdoppeln, der Umsatz sogar verdreifachen.