Kein Start-up, sondern ein „Smart-up”: Für seine befahrbaren Solarzellen erhielt Donald Müller-Judex viel Lob im TV. Doch der Weg ist noch weit für das junge Unternehmen.

„Ich würde gerne mit Ihnen auf die Überholspur“: Donald Müller-Judex kam mit großen Plänen in die „Höhle der Löwen“. Sein Start-up Solmove produziert Solarzellen, die als Straßenbelag dienen können. Radfahrer, Autos oder Lkws rollen so über einen Untergrund, der mehr als nur Energie erzeugen kann. Noch sind die Umsätze des Start-ups bescheiden, die Vision ist jedoch groß. Beim TV-Casting bot Müller-Judex 10 Prozent der Firmenanteile für 500.000 Euro. Carsten Maschmeyer („Das ist ein Smart-up, kein Start-up“), Nico Rosberg und Dagmar Wöhrl lobten den Gründer nicht nur, sondern machten auch gemeinsam ein Angebot. Müller-Judex schlug ein. Wie ging es nach der Aufzeichnung weiter – und wie nah ist die Vision heute bereits an der Wirklichkeit?

Eine Solarzelle, auf der man fahren kann. Das klingt nach einem komplizierten Vorhaben. Was steckt dahinter?
Die grundsätzliche Idee ist ziemlich einfach: Wir wollen vorhandene und versiegelte Flächen mehrfach nutzen. Das können Straßen, Parkplätze, aber auch Dachterrassen sein. Unser Solarteppich erzeugt Wärme und Strom, kann Verkehrszeichen anzeigen oder einfach die Straße beleuchten. Wir verbauen in dem Belag Sensorik – und können so etwa den Verkehr zählen oder freie Parkplätze anzeigen. Es wird auch irgendwann möglich sein, Elektroautos induktiv über unseren Belag wieder aufzuladen.

Die Idee hatten Sie 2009, richtig losgelegt haben Sie mit Solmove 2016. Wie weit sind Sie denn heute mit den Plänen?
Ob Schmutz, Belastung oder Effizienz: Im Ansatz haben wir das ganz gut gelöst, aber wir sind noch lange nicht fertig. Aus technischer Sicht sind wir zufrieden. Aber aus wirtschaftlicher Sicht steht die Technologie-Entwicklung noch ganz am Anfang. Da ist sie immer noch sehr teuer – es lohnt sich dann, wenn es groß wird.

Kann man heute schon auf den Solarwegen fahren?
Ein Radweg über 90 Meter in Erftstadt war 2018 unsere erste Anlage. Da haben wir viel Aufmerksamkeit bekommen – leider auch, als dort 20 der 500 Anschlussdosen durchgeschmort sind. Technisch war das nur ein kleines Problem, organisatorisch und politisch durchaus ein großes. Aber wir haben viel aus der Phase gelernt. Aktuell läuft eine baugleiche Anlage in Gelsenkirchen, das ist unser Vorzeigeprojekt. Und wir haben zahlreiche Anfragen für große Projekte. In einem geht es um einen Radweg in der Türkei, der mehrere Millionen Euro einbringen kann. Wenn solche Aufträge gelingen, kriegen wir den Preis auch deutlich runter.

Sie müssen im Vertrieb häufig Städte und Behörden überzeugen. Ist das nicht mühsam?
Das ist natürlich ein Thema, das man richtig einschätzen muss. Der Nachteil ist sicher, dass die öffentliche Hand sehr träge sein kann. Der große Vorteil ist aber: Wenn es einmal läuft, dann mit einer hohen Kontinuität. Bevor Asphalt bestellt wird, wird auch nicht mehr groß nachgefragt. Wenn wir es schaffen, unsere Module als einen sinnvollen und innovativen Straßenbelag zu etablieren, dann können wir die Module wie geschnitten’ Brot verkaufen.

In der Höhle der Löwen sagten Ihnen nach ein wenig Geschacher schließlich Rosberg, Wöhrl und Maschmeyer 500.000 Euro zu und Hilfe bei der Vorfinanzierung zu – forderten aber 25 Prozent der Anteile. Wie ging es weiter?
Die Löwen waren sich schon bei der Aufzeichnung einig, dass unsere Mission ein dickes Brett ist. Fünf Wochen danach sind Nico Rosberg, Dagmar Wöhrl und Carsten Maschmeyer dann zu der Erkenntnis gekommen, dass ihnen unser Unterfangen zu lange dauert. Manche Konsumentenprodukte aus der Höhle der Löwen brauchen nur einige Wochen oder Monate, bis sie in den Regalen stehen. Wir brauchen ein paar Jahre.

Gerade Konsumentenprodukte – wie etwa plastikfreie Kaugummis – tauchen häufig in der „Höhle der Löwen“ auf. Warum wollten Sie als Hardware-Start-up mit langen und teuren Entwicklungszeiten überhaupt die Chance nutzen?
Die Motivation war ganz klar, Nico Rosberg zu gewinnen. Er verkörpert alles, was wir gebrauchen können. Er ist auch Teilhaber der Formel E – und das wäre für uns natürlich ein optimales Innovationsumfeld. Man könnte auf den Flächen der Rennstrecke den Strom erzeugen, den man für die Fahrzeuge braucht.

War die Enttäuschung dann sehr groß, dass der Deal gescheitert ist?
Bei der Aufzeichnung hat man nur eine kurze Zeit, um unser sehr komplexes Produkt zu erklären. Mit uns wird die Straße zum Zentrum eines Ökosystems für die Elektromobilität. Wir glauben immer noch, dass Nico Rosberg mit seinem Engagement für nachhaltige Innovationen eine spannende Referenz wäre. Wir werden da sicher dranbleiben.

Aktuell läuft ein Crowdinvesting – im Moment haben Sie knapp ein Drittel der angepeilten 250.000 Euro eingesammelt. Was wollen Sie mit dem Geld erreichen?
Eigentlich war das Crowdinvesting als eine Ergänzung zu der Finanzierung der Löwen vorgesehen. Wir haben zwei staatliche Förderungen zugesagt bekommen. Die können wir jedoch erst dann in Anspruch nehmen, wenn wir eine gewisse Summe an Eigenkapital mitbringen. Das soll nun durch die Crowd zusammenkommen.