Viele Frauen, so Freund, wollten sich heute selbstverwirklichen und wie Männer Karriere machen, anstatt nach dem Studium direkt Kinder zu kriegen. Das führe dazu, dass die Frauen erst sehr viel später schwanger werden. Biologisch gesehen, so Freund, sollte man seine Kinder aber schon in den frühen Zwanzigern bekommen. Nur entspreche dies nicht mehr den gesellschaftlichen Entwicklungen.

Ähnlich sieht das Peter Sydow. Er ist leitender Arzt des Kinderwunschzentrums Praxisklinik Sydow, in der er auch Social Freezing anbietet. Zu ihm kommen Frauen, wenn sie Schwierigkeiten haben, Kinder zu bekommen. Seine Patienten sind im Schnitt 37 Jahre alt. Vor zehn Jahren habe man noch organische oder hormonelle Probleme bei Frauen behandeln müssen, sagt Sydow. „Bei den Frauen, die heute kommen, steht das Lebensalter im Mittelpunkt.“ Die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit sinke unter anderem durch die Abnahme der Eizellzahl und deren Qualität einfach zu weit. „Das ist vielen Frauen nicht klar.“

„Ich wollte mir den Druck nehmen“

Pia Poppenreiter hat sich vor kurzem für den Eingriff entschieden. Sie ist Mitgründerin von mehreren Start-ups, darunter Peppr, einer App zum Buchen von erotischen Dienstleistungen. „Ich wollte mir einfach den Druck nehmen und als Frau nicht benachteiligt sein gegenüber männlichen Gründern“, sagt die 28-Jährige.

Zudem ist sie Single: Neben dem Wunsch nach einer Karriere, fehlt ihr wie vielen Frauen, die sich für Social Freezing entscheiden, auch der richtige Partner. Mehrere tausend Euro muss Poppenreiter für die Entnahme der Eizellen und ihre Aufbewahrung zahlen. Die spätere künstliche Befruchtung ist da noch nicht dabei. Trotzdem, findet sie, habe sich der Eingriff gelohnt.

Freund will bis Ende des Jahres mit bis zu zehn Praxen kooperieren, die die Entnahmen durchführen und bei ihm einlagern. Realistisch, glaubt Freund. Denn die Nachfrage steigt.