Start-ups bringen die digitale Revolution auf Bauernhöfe. Manche wollen nicht nur Kosten senken und Erträge steigern, sondern nebenbei die Welt retten.

Von Susanne Schwarz
Wer Pflanzen anbauen und ernten will, ist vom Klima abhängig – und stellt sich permanent eine Menge von Fragen. Wann ist der richtige Zeit, um anzubauen, zu düngen und zu ernten? Das Würzburger Start-up Green Spin hat dafür das Software-Tool Mofato entwickelt. Bauern können ihre Felder auf einer Online-Karte einzeichnen und angeben, was genau dort in den vergangenen Jahren angebaut wurde.
Dann arbeiten die Server: Green Spin zieht von deutschen, europäischen und internationalen Behörden zahlreiche Daten, etwa zu Wetter und Klima. Diese sind zwar öffentlich zugänglich, Mofato koordiniert das Sammelsurium allerdings und analysiert die Äcker, aufgeteilt in kleine Teilbereiche.
„Vor allem für Bauern, die mehrere Hektar Land bewirtschaften, ist das hilfreich, denn so große Flächen kann man durch bloßes Hingucken nicht überblicken“, sagt Gunther Schorcht, einer der drei Gründer. Mofato gibt Empfehlungen, wo auf dem Feld alles gut läuft, wo gedüngt werden muss, wo eine Bodenprobe fällig ist. Außerdem liefern Satelliten aktuelle Daten, die genau abbilden, wo auf dem Acker sich gerade wie viel Biomasse bildet.
In Zukunft soll die Software auch Lösungen für Akutfälle liefern. „Dann könnte Mofato zum Beispiel vor einem Extremwetterereignis noch schnell Bescheid geben: Sofort ernten!“, sagt Schorcht. Im Idealfall soll man mit Mofato seine Ernte verbessern und vielleicht sogar Dünger einsparen können. Das lässt das Firmenkonto besser dastehen und auch die Klimabilanz.
Die Beziehung zwischen Landwirtschaft und Klimawandel ist kompliziert. Die Branche leidet unter dem Klimawandel, gehört aber auch zu seinen großen Antreibern. Insgesamt sind Ackerbau und Viehzucht für rund sieben Prozent des Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich. Deshalb wollen manche Start-ups den Klimawandel bekämpfen.
Beim Ackerbau geht es zum Beispiel darum, weniger Stickstoff-Dünger einzusetzen. Das Cloppenburger Start-up Wilhelms Best will ihn teilweise überflüssig machen. Es stellt eine Mischung aus speziellen Pilzen und Bakterien her, die Bauern ihrem Saatgut beigeben sollen. Der Clou: Die Pilze wachsen in die Wurzeln von Pflanzen hinein und lösen viel mehr Nährstoffe und Wasser aus dem Boden als Mais, Soja oder Weizen. Im Gegenzug bekommen sie von den Pflanzen Kohlenhydrate – eine klassische Symbiose.
Einen anderen Zugang hat das junge Unternehmen Fodjan aus Dresden gefunden. Dessen Gründer beraten Bauern bei der Ernährung ihrer Rinder. „Es ist ähnlich wie bei Menschen auch: Man kann tausend verschiedene Dinge essen, aber nicht alle sind gesund“, sagt Geschäftsführer Carsten Gieseler. Er hatte die Idee zu Fodjan bereits während seines Agrarwirtschaftsstudiums.
Mit seinem Team hat er eine webbasierte Software entwickelt, die auf der Basis von mehr als 30 verschiedenen Faktoren die perfekte Futtermischung für die jeweiligen Bedürfnisse der Bauern errechnet.
Ursprünglich ging es darum, dass die Tiernahrung gesund und effizient sein soll. Mittlerweile soll sie aber auch das Klima schützen. Denn inzwischen ist bekannt, dass bei der Verdauung der Tiere Methan entsteht. Weil eine Kuh ungefähr alle 40 Sekunden rülpst, lässt sie am Tag bis zu 230 Liter des Treibhausgases entweichen. Fodjan berechnet daher mögliche Futtermischungen. Vorschreiben will Gieseler den Bauern aber nichts – ein bisschen Raum fürs Bauchgefühl bräuchten sie auch noch.