In unserer Kolumne berichten Digital Hubs von ihrer Arbeit. Heute spricht Michael Kaiser über Erfolge und zukünftige Herausforderungen.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge berichten Vertreter der über das ganze Land verteilten Digital Hub Initiative in einem standardisierten Fragebogen, wie es um das Start-up-Ökosystem in den jeweiligen Schwerpunktbranchen steht. Heute spricht Michael Kaiser vom Smart Systems Hub Dresden über die Vorteile des Standorts, die Frequenz-Versteigerung für 5G und die Herausforderung vernetzte, autonome Systeme auf die Straße zu bringen.

Was läuft im Ökosystem dieses Hubs besser als gedacht?
Besonders zufrieden sind wir mit der Zusammenarbeit von Partnern, die oft auch Wettbewerber sind. Die läuft sehr gut, auch über Organisationsgrenzen hinweg. In unserem Hub bringen wir die drei Komponenten Hardware, Software und Connectivity zu einer Plattform zusammen, etwa im Bereich der dezentralen Energieversorgung. Hier arbeiten in sogenannten Co-Innovationsformaten des Hubs SAP, das Softwareunternehmen Itelligence, das Start-up Exelonix und die Dresdner Stadtwerke an einem gemeinsamen Projekt GreenScore zusammen. Ziel ist es einen neuen Service zur Energiekostenminderung bei gleichzeitiger Lastspitzenoptimierung durch einen Gamificationansatz zu schaffen. Wir sehen, dass Industriepartner großes Interesse an diesen Co-Innovationsformaten zeigen und sich daher auf Jahre als Kooperationspartner an den Hub binden – auch finanziell.

Und was läuft schlechter als erhofft?
Das Ganze hat natürlich Zeit gebraucht. Die Verhandlungen waren anfangs recht zäh, bis wir die ersten vier Partner an Bord hatten. Da war viel Vertrauensarbeit notwendig: Was kann ein Hub wirklich leisten und wo ist er sinnvoll? Das dauerte länger als wir zuerst gedacht hatten, aber nun haben wir diese Durststrecke überwunden.

Warum ist dieser Hub ausgerechnet an diesem Ort?
Dresden ist der größte Mikroelektronikstandort in Europa. Zudem ist Dresden der führende Entwicklungsstandort für den neuen Mobilfunkstandard 5G. Das 5G Lab Germany sitzt zum Beispiel in Dresden. Und die Softwarebranche ist die am stärksten wachsende Branche in der Region. Und genau diese drei Komponenten braucht es, um smarte Systeme für das Internet der Dinge zu entwickeln.

Und auf welchen Ort/welche Region blicken Sie neidisch?
Wir blicken nicht neidisch, sondern interessiert auf andere Standorte. Karlsruhe ist sehr stark im Bereich KI, was für das Internet der Dinge und vernetze Systeme natürlich eine sehr wichtige Rolle spielt. Und in Frankreich gibt es den Digital Innovation Hub “minaSmart”, ein Standort für Mikroelektronik, der ebenfalls sehr gut auf der Forschungsebene ist. Mit diesem Hub haben wir daher auch eine Kooperation geschlossen. Vereinbart wurden Maßnahmen zur Verbesserung der grenzüberschreitenden Forschungs- und Entwicklungs-Dienstleistungen insbesondere im Bereich Hardware für smarte Systeme.

Regulierung: Welches neue Gesetz würde helfen? Oder welches bestehende Gesetz müsste weg (oder sich ändern)?
Die Frequenz-Versteigerung für 5G liegt gerade bei 5,5 Milliarden Euro und steigt noch weiter an. Dabei wäre es wichtig, wie in Österreich, den Fokus nicht auf Erlösmaximierung für das Staatsbudget zu setzen, sondern auf den raschen flächendeckenden Ausbau: Je mehr Geld hier seitens der Netzbetreiber reinfließt, desto mehr fehlt später im Ausbau. Der rasche Aufbau von 5G ist unabdingbar, wenn Deutschland bei der Digitalisierung mithalten will. Außerdem schauen wir sehr interessiert darauf, ist, dass bestimmte 5G-Lizenzen der Industrie für sogenannte Campus Netzwerke frei zur Verfügung  gestellt werden können. Hier fehlt noch der gesetzliche Rahmen. Es würde sehr helfen, dass die Industrie schon frühzeitig das Potenzial von neuen 5G Anwendungen nutzen kann. Insbesondere im Bereich der Industrieautomatisierung, der Interaktion zwischen Mensch und Roboter entstehen durch den 5G Mobilfunk mit sehr geringen Latenzzeiten und hoher Datenbandbreite ganz neue Möglichkeiten.

Kooperationen: Sind Mittelständler und Konzerne eher Freund oder Feind?
Für eine Plattform im Bereich IoT und Smart Systems ist es egal wer welchen Baustein liefert  – also ob die Software beispielsweise von einem Start-up oder einem großen Konzern kommt. Wichtig ist aber, dass alle Player dabei sind, etwa das Start-up, das die innovative Idee einbringt, und der Konzern, der bei der Skalierung hilft, so dass wir wissen, dass die Lösung auch bei anderen Großunternehmen funktionieren kann.

Was wird das nächste große Ding in diesem Themenbereich (des Hubs)?
Vernetzte, autonome Systeme auf die Straße zu bringen. Ein Beispiel sind Gabelstapler, die sich autonom in einem Lager rasch bewegen, oder das Regal, das anzeigt, dass etwas entnommen wurde und eigenständig Ware nachbestellt. In einer speziell dafür gebauten Umgebung funktioniert das schon, aber das muss nun in die breite Praxis überführt werden. Herausforderungen entstehen hier insbesondere bei der Integration in schon bestehende Infrastruktur, sowohl physisch als auch in die vorhandenen IT-Systeme. Hierzu arbeiten wir im Hub mit einer Vielzahl an spezialisierten, hochinnovativen Technologiepartnern zusammen.