Genug Raum zum Wachsen und Skalieren ist da – ein paar mehr Business Angels dürften aber noch dazukommen. Watttron berichtet aus dem Ökosystem des Smart Systems Hubs in Sachsen.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge erzählen Start-ups, die sich in den über das ganze Land verteilten Digital Hubs engagieren, aus ihrem Ökosystem. Heute berichtet Marcus Stein, Mitgründer von Watttron, das innovative Heizsysteme entwickelt. Das junge Unternehmen ist Teil des Smart Systems Hub in Dresden. 

Ihr seid Teil des Smart Systems Hub Dresden. Warum?
Ein großer Vorteil ist die Bekanntheitssteigerung. Reputation zu erhalten ist als junges Unternehmen mit das Schwierigste. Da hilft es, Teil eines Netzwerks zu sein und so mehr Sichtbarkeit zu bekommen. Außerdem ist natürlich der regelmäßige Erfahrungsaustausch sehr hilfreich, der über den Hub angeboten und organisiert wird. Zur Zeit läuft das natürlich noch viel mehr über persönliche Kontaktvermittlung als über Events.

Was gefällt euch am Ökosystem vor Ort?
Die großen Stärken sind die Querschnittskompetenzen, die man hier findet. Wir sind eines der großen Forschungszentren in Deutschland mit einer Universität, die viele Talente hervorbringt. Außerdem hatten wir das Glück, dass wir, wenn auch nicht hier direkt in Dresden, hier in der Region viel Fläche gefunden haben. Dadurch haben Unternehmen hier in der Region eine gute Möglichkeit zu skalieren, mit zunehmend steigenden aber noch vergleichsweise guten Personalkosten. Ich denke, das ist in anderen Teilen Deutschlands so nicht möglich.

Woran mangelt es noch – und warum?
Unternehmertum ist hier noch am Entstehen. Bisher gibt es kaum erfahrene Unternehmer, die als Business Angels aktiv sind. Das Ökosystem wächst immer mehr, beispielsweise haben sich die High Tech Venture Days etabliert, zu denen über 180 Investoren nach Dresden kommen. Aber es gibt noch nicht so viel direkt vor Ort. In München gibt es wahrscheinlich Business Angels Clubs sogar in einzelnen Stadtteilen.

Was konntet ihr von anderen Gründern in der Region lernen? Wie hat sich die Nähe zu anderen Gründern ausgezahlt?
Zum einen waren wir nicht die ersten, die aus dem Lehrstuhl ausgegründet haben. Wir konnten also sehen, dass es sich lohnt, den Schritt zu gehen. Zudem hilft der Austausch mit anderen Gründern. Es mag komisch klingen, aber als Gründer steht man ziemlich schnell alleine da. Das Verständnis, was genau man macht, haben nur wenige Leute. Da hilft es, Gleichgesinnte zu treffen und Ängste und Sorgen besprechen zu können.

Wie leicht findet ihr in eurer Region Mitarbeiter?
Sehr unterschiedlich. Man merkt, dass große Unternehmen wie Bosch in die Region investiert haben. Jedoch kann aus dem Pool der Uni-Absolventen vergleichsweise gut fischen. Zudem haben wir ein recht großes Mitarbeiterpotenzial an Rückkehrern, also Leuten, die in die Heimatregion zurückkommen. Internationale Talente finden ist sehr schwierig, da gibt es andere Standorte in Deutschland, die sicherlich attraktiver sind, wie zum Beispiel Berlin.

Und wie steht es in eurem Ökosystem um den Zugang zu Kapital?
Wer Geld braucht, der findet es auch. Es gibt nun so viele Plattformen, wie zum Beispiel FutureSax. Es gibt zudem einen eigenen Start-up-Fonds in Sachsen, den Technologie- und Gründerfond (TGFS). Auch über das HighTech Startbahn Netzwerk gibt es Zugang. Schwieriger ist bei allem, was nicht-technisch ist, da es hier nur sehr wenig privaten Investoren und Family Offices gibt. Da fehlt noch die Zeit, damit das Ökosystem mehr wachsen kann.

Wie gut gelingt die Zusammenarbeit mit Mittelständlern und Konzernen?
Es funktioniert insgesamt gut. Die Innovationsabteilungen in den großen Konzernen haben viele Probleme erkannt und reagieren darauf, zum Beispiel laufen viele Prozesse nun viel schneller. Bei den Mittelständlern sind natürlich die Entscheidungswege viel kürzer und transparenter. Was aber dort immer wieder vergessen wird, ist, dass Geld allein nicht alles ist. Ich brauche auch die zeitlichen Ressourcen von den Leuten, mit denen ich dann zusammenarbeite. Mittelständler haben keine eigenen Innovationsabteilungen wie die Konzerne. Daher ist mein Mantra bei einer Kooperation immer: Ich möchte mit dem reden, mit dem ich schlussendlich auch zusammenarbeiten werde.

Würdet ihr euch von – lokalen oder regionalen – Behörden und Verwaltungen mehr Unterstützung wünschen?
Den oft gehörten Satz, es sei in Deutschland so kompliziert ein Start-up zu gründen, kann ich nicht unterschreiben. Jemand, der in Amerika war, weiß, wie viel Bürokratie es dort gibt. Wo ich allerdings absolut Verbesserungspotenzial sehe, ist bei den KfW-Förderprogrammen für Gründer. Das Hausbankprinzip funktioniert so einfach nicht. Die KfW müsste das Geld direkt oder über Förderbanken vergeben.

Die letzten Folgen

Digital Mobility Hub München: „Es muss schneller gehen, Leute aus dem Ausland einzustellen“

Digital Health Hub Nürnberg/Erlangen: „Manche Förderanträge werden nur per Fax angenommen“

Digital Hub Logistics Dortmund: „Mehr Selbstbewusstsein würde der Region nicht schaden“

InsurTech Hub München: „Der Wettbewerb um Talente ist extrem hoch“

Smart Infracstructure Hub Leipzig: „Man muss Fehler ja nicht zwei Mal machen“

Digital Health/Chemistry Hub Ludwigshafen/Mannheim: „Im Medizinbereich sind die Hürden recht hoch“

Digital Hub Logistics Hamburg: „Bei vielen Logistikern herrscht noch ein Silodenken“