Attraktive Förderprogramme, enge Netzwerke – Flynex ist recht zufrieden mit dem Ökosystem in Leipzig. Doch die Bürokratie bleibt ein Gegner des Drohnen-Start-ups.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge berichten Start-ups, die sich in den über das ganze Land verteilten Digital Hubs engagieren, aus ihrem Ökosystem. Heute berichtet Michael Petrosjan von Flynex, das Software für Drohnenflüge entwickelt. Das junge Unternehmen ist Teil des Smart Infrastructure Hubs in Leipzig. Petrosjan lobt die gute Unterstützung vor Ort – aber wünscht sich bessere Hilfen des Bundeslandes Sachsen. 

Ihr seid Teil des Smart Infrastructure Hubs in Leipzig. Warum?
Wir wurden 2017 in den SpinLab Accelerator aufgenommen. Was uns besonders hilft, ist die enge Verbindung und der einfache Zugang zu anderen Start-ups, aber auch zu Mittelständlern und Konzernen, also potenziellen Kunden. Diese sind ja ebenfalls Partner im Hub und sind natürlich an den neuesten Innovation der Start-ups interessiert. Der Kontakt kommt vor allem über Events zustande, aber oft auch über eine direkte Vermittlung, zum Beispiel wenn ein Unternehmen mit einem Problem auf den Hubmanager zugeht und er dann Start-ups mit Lösungen anbieten kann.

Was gefällt euch am Ökosystem vor Ort? Was sind die Stärken der Region?
Leipzig ist nicht ohne Grund die am schnellsten wachsende Stadt in Deutschland. Die Lage ist super: Es gibt ein großes Einzugsgebiet und eine gute Anbindung an große Städte wie Berlin. Dadurch ergibt sich ein sehr guter Zugang zu Menschen, die eine Idee mit dir teilen. Außerdem ist die Stadt selbst sehr innovativ. Die Wirtschaftsförderung Leipzig initiiert selbstständig Projekte, setzt neue Technologien ein, um die Region weiterzuentwickeln und probiert auch mal was aus. Zudem bietet die Stadt und Kommune sehr attraktive Förderprogramme für Start-ups, das kenne ich in der Form nicht von vielen anderen Städten.

Woran mangelt es im Moment?
Die Förderung der Kommune ist wie gerade erwähnt super. Die Förderlandschaft des Bundeslands Sachsen könnte noch besser auf Start-ups zugeschnitten sein. Sachsen ist sehr innovativ und hat viele Förderprogramme, das zeichnet das Bundesland aus. Bei den Prozessen ist da aber sicherlich noch Aufholbedarf, dass wirklich alle Start-ups die Förderung nutzen können.

Wie hat sich die Nähe zu anderen Gründern im Hub ausgezahlt?
Ein Austausch zu spezifischen Problemen ist immer förderlich, man muss Fehler ja nicht zwei Mal machen. Wenn andere Start-ups im Reifegrad schon etwas weiter sind, kann man deren Erfahrung einsammeln, was jeweils gut und schlecht lief. Zudem gibt es im Hub Workshops zu übergeordneten Themen wie Marketing, Vertragsgestaltung oder Krisenmanagement. Hier hilft es sehr, wenn man sich nicht nur in seinem eigenen Kosmos bewegt, sondern sich austauscht und so schneller Probleme lösen kann. Durch den Hub und den Branchenfokus adressieren die meisten Start-ups ja ähnliche Problemfälle.

Wie leicht findet ihr in eurer Region Mitarbeiter?
Ich bin da wirklich sehr zufrieden. Im Vergleich zu anderen haben wir da relativ wenig Probleme. Es hängt natürlich davon ab, was man für Profile sucht. Entwickler und Programmierer sind schon sehr umkämpft. Wir haben da den Vorteil, zwei Standorte zu haben: Leipzig und Hamburg. So können wir aus diesen beiden großen Ballungsräumen schöpfen. Außerdem hilft uns die gute Reputation und die eigene Stellenbörse des Hubs, in der sich Mitarbeiter mit ihren Profilen eintragen können, sehr weiter.

Und wie steht es in eurem Ökosystem um den Zugang zu Kapital?
Recht gut, wir haben bereits Investoren gewinnen können, zum Beispiel den Technologiegründerfonds Sachsen, der sich ja ganz auf die Region und damit natürlich auch die Start-ups im Smart Infrastructure Hub im Blick hat. Der Hub bietet auch spezielle Events an, wo man sich vor Investoren, auch internationalen, präsentieren kann. Das ist eine große Stütze für uns. Zudem herrscht an dem Thema Drohnen und unbemannte Luftfahrtsysteme großes Interesse.

Wie gut gelingt die Zusammenarbeit mit Mittelständlern und Konzernen?
Die gelingt gut. Natürlich unterscheiden sich Start-ups und Mittelständler oder große Konzerne in gewissen Dingen. Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, wenn Probleme klar artikuliert werden und mit dem Start-up auf Augenhöhe kommuniziert wird. Beide haben Vor- und Nachteile: Start-ups sind in gewissen Teilbereichen schneller und haben sich auf bestimmte Themenfelder konzentriert; Konzerne sind oft langsamer, dafür aber breiter aufgestellt und verfügen über mehr Ressourcen. Das ergänzt sich und das muss man nutzen. Wir bekommen auch deutlich mehr Anfragen für eine Zusammenarbeit als früher, die Bereitschaft ist also definitiv da. Die Innovationsabteilungen leisten gute Arbeit, Innovationen zu scouten und gewinnbringend einzusetzen.

Würdet ihr euch von – lokalen oder regionalen – Behörden und Verwaltungen mehr Unterstützung wünschen?
Lokal bin ich echt super zufrieden, das sind kurze Wege, das macht Spaß. Regional würden wir uns wünschen, dass die Digitalisierung der Prozesse, vor allem was Regulierungen und Genehmigungen angeht, besser läuft. Wir haben eine digitale Lösung, Drohnen in die Luft zu bekommen und auch die Schnittstelle zur Behörde. Wenn ein Unternehmen Drohnen einsetzen will, muss es aber trotzdem Anträge ausfüllen und per Post oder PDF einreichen. Das ist ein langwieriger Prozess. Das könnte man definitiv vereinfachen.

Das ist die dritte Folge dieser Serie. Zuvor berichteten bereits Living Brain aus dem Digital Health/Chemistry Hub im Rhein-Neckar-Gebiet sowie Nautiluslog aus dem Digital Hub Logistics in Hamburg.