Neben dem Wow-Effekt spricht aus Henzes Sicht aber auch ein anderer Faktor für die Digitalisierung im Garten: „Das erleichtert die Gartenpflege enorm. Beregnung oder Rasenmähen sind einfach lästig. Das sind Kundenwünsche, auf die sich die Industrie eingestellt hat.“ Insbesondere Gartenneulinge und Senioren könnten von den Innovationen profitieren, meint Henze. Dadurch werde der Garten wieder mehr in den Mittelpunkt der Gesellschaft gerückt. Trotzdem sieht der Experte aktuell auch noch Grenzen für den Smart Garden. Zum einen lassen sich die unterschiedlichen Systeme nur schlecht miteinander verknüpfen. Henze würde sich eine App wünschen, mit der sich alle Geräte steuern lassen. Zum anderen „gibt es zum Beispiel noch nichts für Bäume oder Sträucher. Da muss man immer noch einen grünen Daumen haben und wissen, wie man Gehölze schneiden kann“, so Henze. „Noch steckt das ganze in den Kinderschuhen.“

Der Schweizer Philipp Bolliger will dem Smart Garden beim Erwachsenwerden helfen. Er kommt selbst aus der Start-up Szene: 2009 gründete er Koubachi, „schlicht aus eigenem Bedarf heraus. Ich hatte mir eine große Pflanze fürs Büro gekauft und war mit der Pflege überfordert.“ Warum kann eine Pflanze nicht einfach sagen, was sie braucht? Aus dieser Frage entstand die Gründungsidee, einen Pflanzenpflege-Assistenten zu entwickeln. Bereits 2010 kam die erste App heraus: Basierend auf einer Pflanzenbibliothek und einer Kalibrierung durch den Nutzer berechnet die Software die sogenannte Wasserzyklusdauer – und sendet Push-Benachrichtigungen, wenn gegossen oder gedüngt werden sollte.

Gleichzeitig entwickelte Bolliger mit seinem Team einen Sensor, der direkt an der Pflanze Bodenfeuchtigkeit, Umgebungstemperatur und Lichteinfall messen konnte. In Kombination mit der App entstanden dadurch noch genauere Pflegehinweise. „Damit waren wir den großen Playern auf dem Markt meilenweit voraus“, sagt der Gründer. Inzwischen verkauft Koubachi keine eigenen Produkte mehr – Bolliger hat sich dem Branchenriesen Gardena angeschlossen. Das Ziel der Zusammenarbeit: „Ein komplett smartes System.“ Gemeint ist eine vollautomatische  Steuerung des heimischen Gartens.