Das Start-up will Gebäude und Nutzer großflächig miteinander vernetzen. Die Branche ist konservativ, die Konkurrenz groß – aber Investoren glauben  an den anspruchsvollen Bauplan der Gründer.

Der Würfel wächst: Das Neubauprojekt Cube Berlin, in das in wenigen Monaten die ersten Mieter ziehen könnten, sorgt aber bereits vor seiner Fertigstellung für Aufmerksamkeit. Nicht nur wegen der markanten Architektur. Gebäude, Innenausstattung und Nutzer sollen zukünftig über ein „Brain“ vernetzt sein, wie Projektentwickler CA Immo schreibt.

Zu dieser Schaltzentrale für Gebäudetechnik und mehr trägt auch ein Start-up entscheidende Software bei. Thing-it entwickelt eine digitale Plattform, die Informationen aus Sensoren, Baudatenprogrammen und den Eingaben von Nutzern zusammenbringen will. Die Visionen eines „Smart Buildings“ sollen so umgesetzt werden können: Wenn bestimmte Büros wenig oder kaum genutzt werden, kann dort Licht und Wärme heruntergeregelt werden. Bucht ein Mieter einen Konferenzraum für ein Meeting, könnte über die App in Zukunft auch ein Caterer benachrichtigt werden – der dann auch rechtzeitig und automatisch Zugang zum Gebäude erhält, um die Häppchen abzuliefern.

IT für die Interaktion von Immobilien und Nutzern

Neben Neubauten wie dem Cube oder dem von den Fond-of-Machern initiierten Projekt The Ship in Köln zielt Thing-it auch auf Bestandsimmobilien. Zu Kunden zählen auch bereits ECE, die Einkaufszentren entwickelt und betreibt. Oder die auf Dienstleistungen rund um Immobilien spezialisierten Unternehmen Piepenbrock oder Wisag.

„Man merkt, dass die Interaktion mit dem Gebäude immer wichtiger und intelligenter wird“, sagt Mitgründer Marc Gille-Sephri. Gemeinsam mit Klaus Berberich hat er vor drei Jahren mit dem Programmieren der Software im New Yorker Stadtteil Brooklyn begonnen, heute sitzt der Großteil des Teams in hessischen Bad Homburg. Insgesamt 30 Mitarbeiter arbeiten aktuell für das Start-up.

4,2 Millionen für die Vertriebsoffensive

Nun steht die Software bereit – der traditionell konservative Immobilienmarkt muss aber noch überzeugt werden. Wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfuhr, erhält Thing-it dafür nun eine erste Wachstumsfinanzierung in Höhe von 4,2 Millionen Euro. Neu als Investor dazu kommt der auf die Immobilienbranche spezialisierte Fonds Proptech 1 Ventures. Der Risikokapitalgeber hatte im Frühjahr neues Geld für Start-up-Investitionen eingesammelt – und ist etwa an Architrave oder Buildingradar beteiligt.

Zudem investiert der in Köln ansässige Fonds Coparion, hinter dem unter anderem Fördergelder aus dem ERP-Sondervermögen sowie von der staatlichen Förderbank KfW stecken. Erneut Geld zugeschossen haben zwei Business Angels: Multi-Aufsichtsrat Hermann-Josef Lamberti und E-Shelter-Gründer Rupprecht Rittweger hatten Thing-it bereits beim Anschub geholfen.

In einer ganzen Reihe von Gebäuden läuft das Programm nach Angaben von Thing-it bereits. Eingesetzt etwa von Konzernen, die mehrere Standorte angemietet haben. Und sowohl die eigene Verwaltung der Gebäude als auch den Alltag von Mitarbeitern zu vereinfachen.

Visionen von der großen Vernetzung

Die Visionen der Gründer sind groß: Einzelne Gebäude sind ein Anfang, denkbar sind für die beiden jedoch auch ganze Stadtviertel, in denen Immobilien und Nutzer miteinander verbunden werden. „In den kommenden Jahren wird bei der Nutzung von Flächen viel Disruption zu sehen sein“, sagt Gille-Sephri. Statt unterschiedlicher Programme für jeden Anwendungsfall solle die eigenen Plattform alles unterstützen – als eine Art „softwaretechnischer Bebauungsplan“, wie der Unternehmer formuliert.

Klar ist jedoch: Um den potenziellen Milliardenmarkt des „Smart Buildings“ werben zahlreiche Unternehmen mit ihren Lösungen. In Deutschland arbeitet sich etwa das Berliner-Start-up Sensorberg in einem ähnlichen Bereich vor. IT-Cisco fokussiert auch auf die Vernetzung von Sensoren und Software, um Bürogebäude schlauer zu steuern. Die Lösungen profitieren dabei von einem Netzwerkeffekt: Je mehr Gebäude, je mehr Fläche von einem Programm genutzt wird, umso mehr Daten stehen zur Auswertung zur Verfügung – und umso mehr Nutzer haben die passende App irgendwann vielleicht schon auf dem Handy. In den kommenden Jahren dürfte es daher auch darauf ankommen, welchem Anbieter es gelingt, einen soliden Kundenstamm aufzubauen.