Berliner Gründer haben mit ihrer Mixtur bereits Handelsregale erobert – die Mehrheit übernimmt jetzt eine 134 Jahre alte Firma. Das Traditionsunternehmen Dr. Kade ist neugierig auf die digitale Welt.

Sieben Mal besser Einschlafen für 19,90 Euro: Mit diesem Versprechen, abgefüllt in kleine Fläschchen, tritt das Berliner Start-up Daizu an. Der selbst entwickelte Drink Sleep.ink besteht unter anderem aus Hopfen, Melisse und Passionsblume – und dem „von Natur aus Melatonin-haltigem Sauerkirschsaft“, wie es auf der Homepage heißt. Das ungewöhnliche Produktversprechen sorgte nicht nur für zahlreiche Selbsttests in den Medien, auch Handelsketten wie Douglas, Flaconi oder die KaDeWe-Gruppe stellten dem Start-up wertvolle Regalmeter zur Verfügung.

Zweieinhalb Jahre nach dem Verkaufsstart übernimmt jetzt ein Unternehmen mit sehr ausgeruhter Firmengeschichte die Mehrheit an dem Schlafdrink-Start-up. Der 1886 gegründete Pharmahersteller Dr. Kade, das unter anderem Mittel gegen Sodbrennen oder Wärmepflaster im Angebot hat, hat sich 68 Prozent der Anteile gesichert.

Dr. Kade war bei einer Finanzierungsrunde vor gut einem Jahr eingestiegen und kaufte jetzt unter anderem Gesellschafter wie Atlantic Food Labs und einige Business Angels heraus. 32 Prozent der Anteile verbleiben bei den drei Gründern Jakob Repp, Malte Gützlaff und Frieder Damm. Zusätzlich zu der Übernahme – der Kaufpreis wird nicht kommuniziert – investiert der neue Mehrheitseigentümer eine siebenstellige Summe in Daizu.

Kooperation zwischen Mittelständler und Start-up

Geplant ist nun eine enge Kooperation von Traditions-Unternehmen und Start-up. „Viele mittelständische Unternehmen zögern noch hinsichtlich der Zusammenarbeit mit Start-ups“, sagt Dr.-Kade-Geschäftsführer Felix König. „Wir haben uns jedoch bewusst für eine Partnerschaft mit einem innovativen und agilen Team entschieden.“ Neben dem Schlafdrink ist Dr. Kade vor allem auf die digitale Kompetenz neugierig: Über das Netz können Nahrungsergänzungsmittel und nicht apothekenpflichtige Medikamente sehr erfolgreich vertrieben werden – wenn man den Markenaufbau und den dazugehörigen E-Commerce beherrscht.

Mit einem sehr ähnlichen Produkt und Konzept ist etwa Smartsleep unterwegs. Das Start-up vertreibt Kautabletten, die beim Einschlafen helfen sollen – und konnte in „Der Höhle der Löwen“ prominente Investoren gewinnen. Auch Smartsleep setzt sowohl auf den Online-Shop wie auch auf eine Listung im Einzelhandel, etwa bei Rewe.

Von Online-Shop bis Apotheken-Vertrieb

Man bringe in die neue Zusammenarbeit mit Dr. Kade unter anderem „einige Erfahrung aus dem Bereich Online-Marketing mit“, ergänzt Daizu-Mitgründer Gützlaff im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer: „Wir haben in den letzten Jahren versucht zu verstehen, wo wir unsere Kunden am besten erreichen.“ Diese Ansätze könnten jedem Unternehmen bei der zielgerichteten Kundenansprache auf verschiedenen digitalen Plattformen helfen, so Gützlaff.

Gleichzeitig soll das Sleep.ink-Team weiter autark arbeiten können. Die zuletzt 13-köpfige Belegschaft ist im Rahmen der Finanzierungsrunde bereits um sechs neue Mitarbeiter verstärkt worden. Man habe in den vergangenen Jahren bereits „tolle Ergebnisse“ erzielen können, sagt Gützlaff. Warum haben sich die Gründer dennoch entschieden, die Mehrheit abzugeben? Man wolle „nun die wirklich großen Schritte gehen“, so Gützlaff. Das heißt unter anderem: Die Sleep.ink-Flaschen sollen möglichst auch in den knapp 20.000 Apotheken in Deutschland verkauft werden. Produktentwicklung, Vertriebsnetzwerk und rechtliche Unterstützung eines über hundert Jahre alten Pharmaunternehmens helfe dabei, sagt Gützlaff: „Dafür ist nicht nur Kapital notwendig, sondern auch das Know-how.“