Für Estlands Ex-Präsident Toomas Hendrik Ilves, der während seiner Amtszeit die Förderung junger estnischer Unternehmen zur Chefsache machte, hat der Erfolg von Skype eine soziologische Bedeutung. Dass Esten die Technologie entwickelt hätten, habe sich positiv auf das Selbstbewusstsein der Nation ausgewirkt und junge Leute dazu motiviert, eine Karriere im IT-Sektor einzuschlagen.

Viele estnischen Start-ups haben eine Verbindung zu Skype oder Mitarbeiter, die früher dort tätig waren. Darunter ist etwa auch Starship Technologies der beiden Skype-Mitgründer Ahti Heinla und Janus Friis, deren Lieferroboter kürzlich in Pilotversuchen in Deutschland getestet wurden.

„Estland hat vor allem das, was man wirklich für Innovation braucht“, meint der renommierte Wagniskapitalgeber Ben Horowitz, der einst Millionen in Skype und auch das auf günstigere Auslandsüberweisungen spezialisierte Start-up Transferwise investiert hat. Dazu gehörten neben Mentalität und Erfolgswillen auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und das regulatorische Umfeld. Estland biete hierbei gute Voraussetzungen.

Wie kaum ein anderes Land in der EU hat sich der nördlichste der drei Baltenstaaten dem digitalen Wandel verschrieben – in internationalen Rankings gehört Estland regelmäßig zu den führenden Ländern im E-Government. Der Zugang zum Internet gilt als Grundrecht, schon Erstklässler lernen in der Schule Programmieren. Auch sonst ist fast alles online regelbar – Laptop oder Mobiltelefon reichen aus.

Mit seinem eigenen 2011 gegründeten Unternehmen Transferwise sieht sich Hinrikus auf einem guten Weg. Inzwischen transferieren nach Firmenangaben gut eine Million Menschen mehr als 700 Millionen Euro im Monat mit Hilfe des Finanzdienstleisters u?ber Grenzen hinweg. Das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ bezeichnete Transferwise bereits als „Skype for cash“.