Dabei ist die Digitalisierung im Gesundheitswesen das erklärte Ziel des zuständigen Bundesministers Hermann Gröhe von der CDU. Im Januar sagte er anlässlich eines Besuchs beim Digitalverband Bitkom: „Wir wollen neuen Ideen für das Gesundheitswesen nach Kräften Rückenwind geben.“ Das erste Ergebnis dieser Bemühungen ist das sogenannte E-Health-Gesetz, das am 1. Januar 2016 in Kraft getreten ist.

Inhalt ist unter anderem die Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte, auf der sich Patientendaten speichern lassen. Außerdem sollen Ärzte und Kliniken in Zukunft über sichere Datenautobahnen miteinander vernetzt werden.

Gründer Nicolas Schulwitz hat sich intensiv mit dem Gesetz auseinandergesetzt: „Wir waren an einer Stellungnahme der IHK Schleswig-Holstein zu einer früheren Version des E-Health-Gesetzes beteiligt.“ Mit seinem Start-up Patientus bietet Schulwitz Arztsprechstunden per Video-Konferenz an, Patienten können sich bequem von zu Hause aus mit dem Arzt unterhalten. „Kurz gesagt: Wir sind Skype für Ärzte, allerdings optimiert für den medizinischen Bereich und besonders datensicher“, sagt Schulwitz.

Zusätzlich zum Arztbesuch

Ersetzen soll Patientus die normalen Arztbesuche aber nicht. Das Angebot richtet sich vor allem an Bestandspatienten, erklärt der Gründer. Immer, wenn keine physische Untersuchung notwendig ist, zum Beispiel bei Nachsorgeterminen, chronischen Krankheiten oder zur Besprechung von Untersuchungsergebnissen, erspart Patientus lange Anfahrtswege und unnötige Wartezeiten im Vorzimmer.

Trotz der Vorteile: „Die digitale Arzt-Patienten-Kommunikation stand im ersten Entwurf des E-Health-Gesetzes gar nicht drin“, erinnert sich Schulwitz. Die Stellungnahme der IHK Schleswig Holstein hat aber zumindest etwas bewirkt: Ab Juli 2017 soll die Online-Video-Sprechstunde in die „vertragsärztliche Versorgung aufgenommen werden“. Konkret bedeutet das: Krankenkassen müssten dann die Kosten für Angebote wie Patientus übernehmen. Bisher machen die Ärzte auf eigene Kosten mit, um den Service für die eigenen Patienten zu verbessern.

Für Nicolas Schulwitz ist das neue Gesetz eine Chance, aber kein Grund zum Jubeln: „Wir können auf jeden Fall profitieren, denn da stehen jetzt Timelines drin. Wir hoffen sehr, dass diese eingehalten werden.“ Immerhin seien jetzt die wichtigen Akteure, allen voran die Krankenkassen, gezwungen, sich mit Abrechnungsmodalitäten für Angebote aus der Digital Health Szene auseinander zu setzen.