Die Gründer des Social-Impact-Start-ups sorgten bei Medienunternehmer Georg Kofler für einen Wutanfall. Warum sie ihren Auftritt dennoch nicht bereuen.

So aufgeregt hatte man Georg Kofler noch in keiner Folge gesehen. Der Medien-Unternehmer reagierte geradezu aggressiv auf die Präsentation von Raphael Fellmer und Martin Schott, Gründer des Social-Impact-Start-ups SirPlus, in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“: Die Bewertung sei unverschämt, die Berliner seien Moralapostel und Heuchler.

Was hatte das Jury-Mitglied so erzürnt? Mit SirPlus wollen Fellmer und Schott auf Lebensmittelverschwendung aufmerksam machen: „50 Prozent aller Lebensmittel in Deutschland werden unnötigerweise weggeworfen, obwohl sie eigentlich noch bedenkenlos gegessen werden könnten“, so die Gründer. Schuld daran sei unter anderem die weit verbreitete Fehlinterpretation, dass ein Produkt automatisch abgelaufen sei, wenn es das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten habe. 

Um diesem Problem Einhalt zu gebieten, setzen die Berliner auf sogenannte „Rettermärkte“ und einen eigenen Onlineshop, in dem sie abgelaufene Lebensmittel sowie Gemüse und Obst mit Schönheitsfehlern verkaufen. Weil sie die Lebensmittel direkt bei Produzenten und Großhändlern beziehen, können sie diese günstiger als in einem herkömmlichen Supermarkt anbieten.

Um dieses Konzept in ganz Deutschland auszurollen, boten sie sechs Prozent der Firmenanteile für eine Kapitalspritze von 700.000 Euro. Warum es zu keinem Deal kam und wie die Gründer ihren Auftritt rückblickend bewerten, erzählt Raphael Fellmer im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer.

Raphael, verlief euer Auftritt in der Löwenhöhle anders als ihr es euch vorgestellt habt?
Das kann man wohl sagen. Ehrlich gesagt hatten wir uns mehr Zuspruch von der Jury erwartet, sogar mit dem Investment mindestens eines Löwen hatten wir gerechnet. In erster Linie dachten wir an Frank Thelen, der ja in der Vergangenheit bereits in Social-Impact-Start-ups investiert hatte, aber er war bei unserer Aufzeichnung leider nicht zugegen. Wir hatten trotzdem ein gutes Gefühl, denn in der Vergangenheit gab es ja andere Start-ups mit ähnlichen Missionen, wie die Anti-Lebensmittelverschwendungs-App Too Good To Go, deren Gründer ja sehr viel Zuspruch erfuhren.

Nach eurer Präsentation schienen die Löwen zunächst interessiert an SirPlus. Dann drehte Georg Koffer plötzlich vollkommen durch. Ihr wirktet angesichts der harten Kritik ziemlich gefasst…
Seine Kritik und auch die der anderen Löwen hat uns schon getroffen, aber ich bin es aus meiner Zeit im Geldstreik gewohnt, angegriffen zu werden. Ich habe gelernt, darauf nicht zu reagieren und ruhig zu bleiben. Ich fand es aber sehr schade, dass keiner der Löwen in eine Verhandlung mit uns gegangen ist, wir wären gerne bereit gewesen, über unsere Firmenbewertung zu diskutieren.

Konntest du die Kritik nachvollziehen?
Nein, wir hatten den Eindruck, dass die Löwen die Idee eines Social-Impact-Start-ups gar nicht verstanden haben. Der Vorwurf, dass wir unter dem Deckmantel etwas Gutes zu tun nur Geld verdienen wollen, ist absurd. Wir haben sogar erklärt, dass wir 80 Prozent unserer Einnahmen in soziale Projekte und andere nachhaltige Start-ups stecken und dass wir Gründer selbst uns aktuell mit je 2.500 Euro kein besonders üppiges Gehalt zahlen. Leider wurden beide Infos aus der Sendung rausgeschnitten, aber die Löwen haben es gewusst.

Kam Georg Kofler oder einer der anderen Löwen nach dem Pitch noch einmal zu euch?
Nein, niemand, nach der Aufzeichnung sind wir sofort gegangen. Jemand hat uns aber gesagt, dass Herr Kofler wohl einen schlechten Tag hatte.

Bereut ihr, dass ihr euch für die Sendung angemeldet habt?
Wir hatten im Vorfeld lange mit uns gerungen, weil wir unsicher waren, wie unsere Kunden auf die Idee reagieren. Die Rückmeldungen – auch in den sozialen Netzwerken – waren aber durchweg positiv. Auch im Nachhinein bereuen wir unsere Entscheidung nicht, denn ich gehe davon aus, dass unser Auftritt unserer Message große Aufmerksamkeit bescheren wird. Die Lebensmittelverschwendung ist eines der größten und drängendsten Probleme unserer Zeit und wenn wir auch nur ein paar Leute auf das Thema stoßen konnten, hat es sich schon gelohnt.

Wie ging es für euch nach der Aufzeichnung vor einem halben Jahr weiter?
Wir haben zusätzlich zu unserem Business Angel aus der Solarbranche, der uns von Beginn an finanziell unterstützt hat, mit Ecosia-Business-Angel Tim Schumacher, Benjamin Otto, Enkel des gleichnamigen Versandhaus-Gründers, und juwi-Gründer Matthias Willenbacher, drei neue Investoren an Bord geholt, die zu dritt eine hohe sechsstellige Summe in SirPlus investiert haben – also in etwa das, worum wir auch „Die Höhle der Löwen“ gebeten hatten.

Wie stehst du heute zum Thema Geld?
Für mich ist Geld wie ein Messer – man kann damit die köstlichsten Gerichte zubereiten und anderen somit etwas Gutes tun. Und man kann damit verletzen und Leid zufügen. Geld hat eine enorme Kraft und ich musste akzeptieren, dass wir es für das Voranbringen unserer Mission brauchen – es in die richtigen Kanäle zu stecken, ist nun unserer Hauptaufgabe.