Das Start-up aus Amsterdam will Menschen zu ruhigeren Nächten verhelfen – und vertreibt seine Produkte an Firmen. Die profitieren gleich mehrfach von fitten Fachkräften.

Zu kurz, zu unruhig: Der perfekte Schlaf bleibt für die meisten Menschen nur ein Traum. Im Arbeitsleben gelten möglichst wenige Ruhestunden manchmal sogar als Statussymbol. Aus seinem Berufsleben als Berater kannte Jöran Albers diese Probleme: „Da gab es super smarte Menschen, die sich auf Fitness und gesunde Ernährung konzentriert haben – aber das Thema Schlaf spielte keine Rolle.“ Seit 2016 bastelt er mit der niederländischen Neurowissenschaftlerin Els van der Helm an einer Lösung, die das Thema Schlaf ausgeruht ins Arbeitsleben bringen soll.

Das daraus entstandene Start-up Shleep besteht aus einer App und einer Plattform. Über das Smartphone werden zu Beginn die grundlegenden Daten zum Schlafrhythmus abgefragt – und dann jeden Morgen ein Schlaf-Tagebuch geführt. Je nach Schlaftyp schlägt das Start-up dann passende Tipps und Tools vor. Das können beruhigende Töne sein, die beim Einschlafen helfen sollen, oder speziell entwickelte Atemübungen und Meditationen. Wer zusätzliche Hilfe benötigt, kann sich über die Plattform mit Schlafexperten verabreden. Nach einem ähnlichen Prinzip, aber mit dem Fokus auf eine umfassende psychische Gesundheit, funktionieren Apps wie Headspace.

Firmen-Abo für besseren Schlaf

Für die Dienstleistung lässt sich Shleep bezahlen – allerdings nicht von den übermüdeten Mitarbeitern selbst. Das Start-up verkauft seine Anwendung an Unternehmen, die das Programm dann wiederum ihren Angestellten bereitstellen. „Über eine App nur für Privatnutzer erreichen Sie nur die Menschen, die wirklich Probleme haben“, sagt Albers. „Aber das ist nur ein sehr kleiner Teil der Leute, die zu wenig schlafen – den meisten ist es nicht bewusst.“

Die Beratung Deloitte, die Online-Zeitung Huffington Post und der Streaming-Anbieter Spotify lassen sich bereits als Referenzkunden nennen. Bei den Mitarbeitern, die die App nutzen, will Shleep bereits einen verbesserten Schlaf und mehr Produktivität festgestellt haben.

Über den individuellen Schlafryhthmus ihrer Angestellten erfahren die Firmen dabei nichts, versichert Albers: „Wir teilen niemals individuelle Schlafdaten mit dem Arbeitgeber.“ In aggregierter Form erhalten die Firmen aber Einblicke in die gesammelten Daten – von den Mitarbeitern, die mitmachen wollen.

Schlaf und Start-up skalieren

Ein Vorteil für Shleep: Über die Geschäftskunden lässt sich das Thema guter Schlaf schneller skalieren, weil je nach Unternehmen gleich mehrere hundert oder gar tausend Mitarbeiter für das Programm freigeschaltet werden. Statt teurer Werbung um App-Downloads verhandeln die Start-up-Vertriebler zwar länger mit den Geschäftskunden – verkaufen dann aber umfangreiche Lizenzpakete. Viele Firmen suchen in Zeiten des Fachkräftemangels nach besonderen Extras, die sie ihren Mitarbeitern bieten wollen. Davon profitieren auch Start-ups wie die Fitness-Flatrate Urban Sport Club oder die Coachingplattform Coachhub.

Investoren glauben auch an das Modell des Schlafhelfers Shleep. Mit 1,4 Millionen Euro unterstützen Risikokapitalgeber jetzt das Start-up, das von Amsterdam aus arbeitet. Das Geld stammt unter anderem von Global Founders Capital, hinter dem die Samwer-Gründer stecken, sowie dem niederländischen Fonds Health Innovations. „Corporate Wellbeing ist ein schnellwachsendes Segment, bei dem unserer Beobachtung nach Schlaf eine prominente Rolle einnimmt“, sagt Partner Linze Dikstra.