Mit künstlicher Intelligenz zur Betrugserkennung greift das Start-up aus Paris auf dem Versicherungsmarkt an. Investoren stecken Millionen in die Expansion – auch nach Deutschland.

Das französisch-amerikanische Start-up Shift Technology hat umgerechnet rund 53 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt. Das frische Kapital aus der Serie-C-Finanzierungsrunde stammt vom Frühphaseninvestor Bessemer Venture Partners sowie den Altinvestoren Accel, General Catalyst und Iris Capital, wie das Unternehmen gestern bekanntgab. Nach eigenen Angaben flossen bereits insgesamt rund 88,3 Millionen Euro an das 2014 gegründete Start-up mit Hauptsitz in Paris.

Shift arbeitet an einer Software, die mit Hilfe von künstlicher Intelligenz (KI) Schadensmeldungen bei Versicherungen unter die Lupe nimmt. Die Millionenfinanzierung soll dabei helfen, den globalen Versicherungsmarkt zu erschließen – bei der Expansion legt das Start-up seinen Fokus auf die USA und Japan. In Boston und Tokio sollen neue Stellen entstehen für Datenwissenschaftler, Entwickler und Vetriebsmitarbeiter. In Europa ist die Firma mit insgesamt 200 Mitarbeitern bereits in Zürich, London und Madrid vertreten. In diesem Jahr soll auch ein Standort in Deutschland dazukommen.

Die von Shift entwickelte Software durchforstet Schadensmeldungen für Versicherungen nach Auffälligkeiten, die auf Betrug hinweisen könnten. So filtert der Algorithmus beispielsweise verdächtige Meldungen heraus, indem er nach Mustern bei den Angaben sucht oder Verbindungen zwischen Antragstellern erkennt. Shift vergibt schließlich eine Bewertung für die eingegangene Schadensmeldung, die nach eigenen Angaben in drei von vier Fällen richtig liegt. Für die Versicherer geht es um hohe Summen: Betrüger verursachen jedes Jahr einen wirtschaftlichen Schaden in Höhe von vier bis fünf Milliarden Euro, hat eine Auswertung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ergeben.

KI soll Fehler reduzieren

Abhilfe will das Pariser Start-up schaffen, indem es künftig die Prozesse bei einem Schadensfall vollständig automatisiert. So sollen die Versicherungen schneller arbeiten sowie ihren Kundenservice verbessern können. „Unsere KI-Technologie verhilft führenden Versicherungskonzernen zu mehr Effizienz und Fehlerfreiheit“, lässt sich Jeremy Jawish, Geschäftsführer und Mitgründer von Shift, in einer Pressemitteilung zitieren. „Wir sind fest davon überzeugt, dass KI in vielen Bereichen der Schadensbearbeitung unterstützen kann.“ Zu den 70 Kunden des Start-ups zählen nach eigenen Angaben unter anderem AXA Spanien, Credit Agricole Pacifica und Liberty Mutual.

Investoren betonen die Bedeutung der Technologie für die Zukunftsfähigkeit der Branche: „Die digitale Transformation ist in der Versicherungsbranche in vollem Gang und Shift wird seinen Kunden dabei helfen, sie zu meistern“, so Charles Birnbaum, Partner bei Bessemer Venture Partners, laut Presseinformation.

Softwareanbieter und Online-Plattformen im Umfeld von Versicherungen und Banken sammeln immer wieder teils hohe Summen ein: Rund 24 Millionen Euro erhielt beispielsweise der Versicherungsmanager Clark mit Sitz in Berlin und Frankfurt Anfang des vergangenen Jahres. Kurz darauf gab es 20 Millionen Euro für das Berliner Insurtech Simplesurance, das eine Plattform betreibt, die Onlineshops, Versicherer und Kunden zusammenbringt.