Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche tritt heute die Gründerin von Sentryc, Nicole Hofmann, an. Ihr Start-up kontrolliert Webseiten auf unerlaubte Kopien. Wie urteilt Investor Frank Thelen?

Nicole, du hast eine Minute im Fahrstuhl mit einem möglichen Geldgeber. Wie lautet dein Elevator Pitch?
54 Prozent aller Produktfälschungen gelangen über Onlinehändler und soziale Netzwerke zum Käufer. Mehr als 70 Prozent aller produzierenden Unternehmen haben damit schon Erfahrungen machen müssen. Unsere Software spürt automatisch verdächtige Fälle auf – mit einer Trefferquote von 94 Prozent. Unser lernender Algorithmus sucht dazu Schlüsselwörter, wertet Bilder und Produktbeschreibungen aus. Fälschungen, derzeit vor allem jede Menge fehlerhafte Schutzmasken, meldet er an die Unternehmen. Die können sie mit einem Klick von den Plattformbetreibern entfernen lassen, was meist binnen 36 Stunden geschieht.

Wie bist du auf die Idee gekommen?
In meinem früheren Start-up haben wir Fitnessprodukte produziert und Kontakte nach China knüpft, um sie dort zu vertreiben. Als potenzielle Partner bei uns waren, haben die alles fotografiert. Kurz darauf wurde unser Produkt von irgendwem in China als Marke angemeldet. Ärgerlich, aber es hat mich motiviert, so etwas zu bekämpfen.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Unseren Dienst gibt es im Abo – ab 600 Euro pro Monat. Der Preis steigt je nach Anzahl der Produkte und Märkte.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) …Uns eint unser ausgeprägter Sinn für Ehrlichkeit und Transparenz. Und wir sind auch etwas nerdig.

Wie sieht es mit Vielfalt in deinem Unternehmen aus?
Bei uns arbeiten in Berlin, Barcelona und Stettin Menschen aus neun Nationen täglich zusammen.

Was war euer größter Rückschlag?
Wir sind seit Januar online. Die ersten drei Monate liefen super, dann kam Corona. Die Kundenprozesse am Laufen zu halten ist herausfordernd.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann haben wir eine Million Verkäufer von Fälschungen von E-Commerce-Plattformen geworfen und sind diesen Piraten immer noch mindestens einen Schritt voraus.

Fakten zum Start-up

Kunden: Modemarken, Schreibwaren- und Schmuckhersteller, Anlagenbauer und Baustoffhersteller
Finanzierung: Eigenmittel und Privatinvestoren
Gründung: 2019 in Berlin
Mitarbeiter: 24

Würde der Profi investieren?

Idee: 3/5
Geschäftsmodell: 3/5
Timing: 4/5

Urteil: „Produktfälschungen werden immer ein Problem bleiben, für Unternehmen und Kunden. Vielleicht lässt sich das Geschäft dahingehend ausweiten, auch Kunden den Schutz vor Fälschungen anzubieten.“
Frank Thelen, Gründer der Wagniskapitalfirma Freigeist, einstiger Investor bei MyTaxi und Wunderlist

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