Wird im Ausbildungsbereich mehr für junge Leute getan, die sich selbstständig machen wollen?

Definitiv ja! Das Thema Entrepreneurship spielt schon in den Schulen eine größere Rolle als in Deutschland. Vergleicht man zum Beispiel die Berufswünsche von jungen Leuten in beiden Ländern, stehen in Deutschland immer noch größtenteils traditionelle Arbeitgeber auf der Liste ganz weit oben – zum Beispiel Unternehmensberatungen oder Autoherstelller. In Schweden dagegen träumen viele von einer Selbstständigkeit.

Den Deutschen fehlt häufig der Mut zum Risiko. Sie gehen lieber auf Nummer sicher, beziehen ihr Gehalt und hoffen, dass es der Staat es im Notfall schon irgendwie richtet. In einer Bitkom-Studie wurde herausgefunden, dass die Schweden weniger Angst haben als die Deutschen zu scheitern. In Schweden sind es nur 33 Prozent, in Deutschland 42. Dieses emotionale Hemmnis darf man nicht unterschätzen. Mut zum Scheitern gehört zum Gründen dazu.

 Trägt auch der schwedische Staat zum Erfolg seiner Gründer bei?

Der Staat kümmert sich vor allem um eine hervorragende digitale Infrastruktur. Schnelles Internet und eine tolle Netzabdeckung sind selbstverständlich. Über einen flächendeckenden Breitbandzugang, wie er in Deutschland gerade diskutiert wird, hat man in Schweden bereits vor zehn Jahren gesprochen. 26 Prozent der Schweden haben Glasfaseranschluss, in Deutschland sind es nur 0,7 Prozent. Hinzu kommt, dass die Schweden viel früher mit Computern in Kontakt gebracht und zum Coden angeregt wurden. Das Problem mit MINT-Fächern, wie es es in Deutschland gibt, kennt man in Schweden nicht in so beunruhigendem Maße. In den 90er Jahren gab es in Schweden ein Förderprogramm, das landesweit dafür sorgte, dass nahezu jeder Schwede einen PC zu Hause hatte. Langfristig hat das dazu beigetragen, dass Schweden heute ein Tech-Standort und ein europäischer Gründer-Hotspot ist.

Trotz der guten Bedingungen in ihrer Heimat siedeln sich immer öfter schwedische Start-ups in Berlin an? Wie kommt das?

Dahinter stecken zwei Punkte: Im Vergleich zu Stockholm sind die Mieten finanzierbar und die Lebenshaltungskosten niedriger. Und, was noch wichtiger sein dürfte: Die Stadt bietet Zugang zu sehr gut ausgebildeten Arbeitskräften. Viele Talente im Digitalbereich siedeln sich in Berlin an, weil der Standort für sie attraktiv ist und das ist wiederum interessant für die Start-ups, die dort einfacher talentierte Mitarbeiter rekrutieren können. Viele davon kommen dabei auch aus dem Ausland.