Hinzu kommt, dass neben den schon in Berlin ansässigen Venture Capitalists auch die Kollegen aus anderen Teilen Deutschlands regelmäßig in die Hauptstadt kommen. Jeder wichtige europäische Kapitalgeber – inklusive der drei größten Accel, Index und Balderton – scheint mindestens ein Portfoliounternehmen in Berlin zu haben und kommt regelmäßig vorbei. Auch die Zahl der Exits steigt langsam, aber stetig, dasselbe gilt für die Zahl der Business Angels, die regelmäßig in Berlin investieren. Unsere – schon etwas ältere, aber immer länger werdende – Liste von Seed-Geldgebern, die in Berlin investieren, spricht eine ähnliche Sprache.

Ab der Series-B-Finanzierung wird es dann jedoch wieder schwieriger, und Start-ups müssen doch nach London reisen, um frisches Kapital zu bekommen. Die gute Nachricht für Berlin: Wenn die Later-Stage-Phase eintritt, ist die Reise ins Ausland auch für britische oder andere europäische Start-ups fast unvermeidbar. Denn dann wird die Kapitalsuche ohnehin internationaler und mobiler. Mit dem Ziel, einen passenden Investor für spätere Phasen und größere Finanzierungsrunden zu finden, reisen Start-ups auch gerne einmal um die halbe Welt, bis sie schließlich fündig werden. Die Tatsache, dass vor allem US-Investoren sehr aktiv an europäischen Later-Stage-Finanzierungsrunden teilnehmen (Series B und später), aber dafür weniger an Seed- und Series-A-Runden, belegt diesen Punkt.

Seed-Finanzierung ist kein Spaziergang

Ich will damit nicht sagen, dass eine frühe Finanzierungsrunde in Berlin ein Spaziergang ist oder dass jeder damit erfolgreich sein wird. Das ist nirgendwo der Fall. Und Geld zu erhalten, ist generell nicht einfach. Ich vertrete auch nicht die Meinung, dass es schon genügend Geldgeber in Berlin gibt – zum Beispiel gibt es in Berlin kaum „klassische“ Venture Capitalists, die einen Millionenscheck ausstellen können (Point Nine investiert bis zu maximal einer Million Euro in der ersten Runde).

Dennoch: Das Finanzierungspotential in Berlin nimmt zu, gerade für Seed- und Series-A-Runden, ohne dass ein Start-up dafür nach London, in andere europäische Metropolen oder gar in die USA fliegen muss. Ich bin mir sicher, dass sich dieser Trend fortsetzt und dass sich die Finanzierungslandschaft in Berlin weiter verbessern wird.

In diesem Sinne: Schaut auf einen Kaffee vorbei, wenn ihr während eures nächsten Fundraising-Trips nach Berlin kommt!