Ob Stundenplan oder Elternbrief: Die App digitalisiert die Kommunikation an Schulen – kein einfaches Unterfangen. Doch Investoren entdecken das Potenzial der Anwendung.

Die App kam vor dem Abitur: Um die Kommunikation zwischen Lehrern, Schülern und Eltern zu digitalisieren, entwickelten Daniel Zacharias und Jan Micha Kroll vor fünf Jahren eine Anwendung. „Bevor wir über das digitale Lernen nachdenken, müssen wir lernen, digital zu kommunizieren“, sagt Zacharias (im Bild in der Mitte). Aus der Idee wurde ein Jugend-forscht-Projekt – und daraus ein Start-up mit mittlerweile 30 Mitarbeitern.

Heute ist Sdui nach eigenen Angaben bereits an etwa 1000 Schulen in ersten Gesprächen, im Testbetrieb oder im regulären Einsatz. Die App will dabei alle möglichen Anwendungsfälle aus dem Schulalltag abdecken: Sie spielt die individuellen Stundenpläne auf die Smartphones der Schüler, gibt Lehrkräften einen zentralen Kanal für Nachrichten ebenso wie einen Überblick über den eigenen Einsatzplan – und will auch das Klassenbuch oder den Mensaplan integrieren.

Zielgruppe: Neun Millionen Menschen

Damit zielt das Start-up auf enorm große Zielgruppe: Etwa 32.000 Schulen, etwa die Hälfte davon Grundschulen, gibt es allein in Deutschland. Mehr als 8,3 Millionen Schüler und Schülerinnen werden dort von fast 700.000 Lehrkräften unterrichtet. Die Eltern sind dabei noch gar nicht mitgezählt Doch einfach ist dieser Markt nicht zu erreichen. Es gehe im ersten Schritt darum, die Zielgruppen überhaupt von den Vorteilen einer schulspezifischen App zu überzeugen, sagt Zacharias: „Unsere größte Konkurrenz ist WhatsApp – obwohl das aus datenschutzrechtlichen Gründen eigentlich gar nicht mehr erlaubt ist.“ Sdui setzt auf Server in Deutschland sowie auf Details in der Kommunikation. So können Lehrer beispielsweise den Nachrichtenkanal für bestimmte Zeiten sperren oder für Antworten sperren, um nicht 24 Stunden am Tag reagieren zu müssen.

Mit einer intensiven Betreuung gerade zu Beginn einer Zusammenarbeit will Sdui die Nutzer langsam an die Vorteile gewöhnen. Man lege zudem viel Wert auf die Integration von anderen Programmen, so Zacharias. Die bislang genutzte Software zur Schul- oder Lernverwaltung soll möglichst einfach unter der Oberfläche an Sdui angeschlossen werden.

Fahnden nach den Budgets der Schulen

Daneben wartet jedoch noch eine zweite Hausaufgabe für die Schul-App: Wie gelingt es, Budgets an Schulen für eine solche Software aufzutun? Sdui setzt auf ein nutzerabhängiges Modell – pro registriertem Schüler oder Lehrer verlangt Sdui 1,45 Euro pro Jahr. So will man Schulen direkt als Kunden gewinnen. „In manchen Fällen bringt sogar der Förderverein die Gebühr auf“, berichtet Zacharias.

Vielversprechender ist der Gang über die Schulträger – in der Regel die Kommunen. Sind die überzeugt, erweitert sich der Nutzerkreis stark. Die Stadt Solingen etwa setze nach einer zweijährigen Testphase nun komplett auf Sdui, vermeldet das Start-up: „Da kommen dann Schritt für Schritt 40 Schulen dazu“, sagt Zacharias. Ein weiterer Vorteil: Das vor exakt zwei Jahren offiziell gegründete Start-up profitiert vom Digitalpakt Schule, für den der Bund von 2019 bis 2023 insgesamt fünf Milliarden Euro bereitstellt. „Das bringt viele Schulträger dazu, nun zu agieren“, sagt Zacharias.

Zwei Millionen Euro von Investoren

Auch Investoren haben das mögliche Potenzial der Anwendung entdeckt: In einer Finanzierungsrunde zum Anschub hat Sdui insgesamt rund zwei Millionen Euro eingesammelt, wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfahren hat. Für den allerersten Schwung sorgte der Accelerator Pando Ventures mit Sitz in Wiesbaden. Danach kamen die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz sowie Udo Schloemer, Gründer der Factory Berlin als Gesellschafter dazu. Ganz frisch sind nun auch der halbstaatliche Frühphaseninvestor High-Tech Gründerfonds sowie die privaten Investoren Martin Ostermayer und Dirk Freise eingestiegen.

Zacharias und Kroll, beide gerade Anfang 20, mussten dabei den Spagat meistern: Zum einen hilft ihnen das junge Alter, die Schul-Software noch voll mit eigenen Erfahrungen zu gestalten. Zum anderen stehen viele Verhandlungen mit Investoren und Verwaltungsexperten an. „Die Investoren haben das Feuer in uns brennen sehen“, sagt Zacharias, „aber sie gaben uns auch den Tipp, erfahrene Leute mit an Bord zu holen.“