Bei „Die Höhle der Löwen” konnte das Start-up zwar nicht punkten. Doch die aktuellen Schulschließungen befeuern die Nachfrage nach dem Kommunikations-Tool.

Der Auftritt der drei Gründer von Sdui ließ die Investoren bei „Die Höhle der Löwen“ ein wenig sprachlos zurück – was vor allem an der hohen Bewertung lag, die das Start-up für sich beanspruchte: Eine Million Euro für gerade einmal 12,5 Prozent der Firmenanteile forderten Daniel Zacharias, Jan Micha Kroll und Timo Stosius. Auch das Thema schien den Löwen nicht besonders nah: die Digitalisierung von Schulen. 

Die Gründer, selbst alle erst Anfang 20, wollen die digitale Kommunikation zwischen Lehrern, Schulleitung, Eltern und Schülern verbessern – und bieten dafür mit ihrer Plattform eine datenschutzkonforme Lösung an. Per App können Lehrer beispielsweise Nachrichten an Eltern verschicken oder mit ihren Schülern chatten. Die Verwaltung kann über Stundenausfälle oder Raumänderungen informieren. Und auch ein Cloud-Speicher für Hausaufgaben und Lernmaterial gehört zum Funktionsumfang.  

Auf die Zurückweisung der Löwen reagieren die Gründer gelassen. Warum das so ist und wie sich die Nachfrage während der Corona-Krise entwickelt, berichtet Co-Gründer Daniel Zacharias im Interview.

Herr Zacharias, in Ihrem Pitch boten Sie 12,5 Prozent Ihrer Firmenanteile für eine Million Euro. Die Löwen reagierten alles andere als begeistert. Bereuen Sie die hohe Bewertung?
Überhaupt nicht! Natürlich barg diese Strategie das Risiko, dass wir die Löwen abschrecken. Aber wir wussten um das Potential von Sdui: Der Gang in die Höhle der Löwen war ja nicht unser erster Kontakt mit Investoren. Wir hatten zuvor schon Wagniskapital in Höhe von 600.000 Euro eingesammelt und wussten daher, dass die Bewertung nicht übertrieben ist. Ende letzen Jahres haben wir die Finanzierungsrunde dann auf zwei Millionen Euro erweitert – unter anderem mit dem High-Tech Gründerfonds (HTGF) und Factory-Gründer Udo Schloemer.

Ging es Ihnen bei Ihrem Auftritt als mehr darum, Sdui bekannt zu machen, als um das Einwerben von Geld?
Es war eine Mischung aus beidem. Wir hatten natürlich auf ein Investment gehofft und darauf, die Expertise der Löwen zu bekommen. Unabhängig davon sind wir dankbar dafür, dass wir Sdui – und damit das Thema Digitalisierung von Bildung – einem breiten Publikum bekannt machen konnten.

Als Zuschauer hatte man den Eindruck, dass die Löwen nicht wirklich wussten, wie es um die Digitalisierung an deutschen Schulen steht.
Da geht es ihnen wie den meisten anderen Leuten auch. Es wird ja sehr viel über das Thema geredet und man liest in den Medien darüber, dass die Bundesregierung über den Digitalpakt ein paar Milliarden Euro zur Ausstattung mit Laptops und iPads bereit stellt. Dann denkt man, dass wir auf einem guten Weg sind.

Aber das stimmt nicht?
Es wird seit Jahren über das Thema gesprochen und diskutiert, in der Praxis ist jedoch viel zu wenig passiert. Wir sind im europäischen Vergleich gerade mal im Mittelfeld. Es gibt sicherlich einige wenige herausragende Schulen, aber die allermeisten – ich gehe von 90 Prozent aus – sind noch auf dem Stand von vor 10, 15 Jahren. Sie arbeiten mit veralteter Technik und veralteter Software. In manchen Schulen hängt tatsächlich noch das Schwarze Brett, das es schon in den 80er und 90er-Jahren gab. Elternbriefe werden per Post versendet und wenn eine Stunde ausfällt, erfahren das die Schülerinnen und Schüler erst, wenn sie schon im Gebäude sind – per Aushang hinter einem Glaskasten. Wenn mal digitale Kommutation stattfand, dann erfolgte das in der Vergangenheit allenfalls per WhatsApp, einem Angebot, das mittlerweile aus Datenschutzsicht in keiner Schule mehr vertreten sein sollte.

Woher kommt der Rückstand in Sachen Digitalisierung?
Leider gilt für viele Schulleiter und Lehrer immer noch die Devise: Wer schreibt, der bleibt – und zwar auf Papier, bitte. Daraus spricht eine große Verunsicherung und ein Mangel an Mut, Neues anzugehen. Und Unwissen. Wir merken das aktuell besonders, da wegen der Corona-Krise kein Präsenzunterricht möglich ist. Da kommen dann vorsichtige Anfragen von Direktorinnen und Direktoren, die wissen wollen, wie viele Wochen es dauert, bis sie Sdui nutzen können, wenn sie es jetzt bestellen.

Und wie lange dauert es?
30 Minuten (lacht).

Haben Sie durch die Krise mehr Schulen für sich gewinnen können?
Wir wachsen aktuell so stark wie nie zuvor, bekommen bis zu 20 Mal mehr Anfragen pro Tag. Bei all dem Schlechten, das die Corona-Pandemie mit sich bringt, gibt es jetzt eine Chance, die Digitalisierung von Schulen voranzutreiben. Jetzt gibt es keine Alternative mehr, wenn der Unterricht weiter laufen soll. Beispielsweise können Lehrer über die App Lernmaterial teilen, das die Schüler dann abrufen können.

Aber nicht alle Schülerinnen und Schüler und auch nicht alle Eltern haben ein mobiles Endgerät.
Das stimmt. Und diese Personen müssen die Materialien und Infos natürlich auch bekommen. Der Vorteil von Sdui ist, dass die Lehrer direkt sehen können, wer was heruntergeladen hat und wen die Infos nicht erreicht haben. Diese Möglichkeit der Überprüfung gibt es ja nicht, wenn das Material per E-Mail oder gar per Post versendet wird. So können die Lehrer rechtzeitig eingreifen und bei der Familie nachfragen. Im Zweifel können Sie dann für diese Kinder Unterlagen ausdrucken lassen.

In „Die Höhle der Löwen“ haben Sie gesagt, dass Sie Sdui eventuell mit Werbung ausstatten wollen. Kam es dazu?
Die Aufzeichnung der Sendung erfolgte bereits vor einem knappen Jahr. Anschließend haben wir dieses Geschäftsmodell noch einmal durchdacht und uns dagegen entschieden. Schulen und Kommunen sind unsere Kunden – über sie verdienen wir unser Geld und das soll auch so bleiben.

Wie geht es für Sdui weiter?
In Deutschland gibt es 38.000 Schulen, etwa tausend haben wir mittlerweile erreicht. Es bleibt also noch viel zu tun.

Vielen Dank für das Gespräch.