Herr Weber, welchen Wert haben solche anonymisierten Daten für Sie?
Eckhardt Weber: Sie könnten zum Beispiel dafür sorgen, dass ich Mitarbeiter einsparen kann. Das sehe ich aktuell aber noch nicht. Am Ende sind Risikokapitalinvestitionen ein People Business: Man vertraut seinen Kontakten und hat Zugänge zu Leuten. Es gibt Deals, die finden auch in Frühphasen nur hinter verschlossenen Türen statt. Es besteht also die Möglichkeit, dass nicht alle Deals auf der Plattform landen und die Masse an Deals darum am Ende kleiner ist, als wenn man ein starkes Netzwerk vor Ort hat. Deswegen würde ich selbst dann, wenn ich ein starkes Start-up auf Capmatcher finde, in der Realität nochmal gucken, ob es da andere, stärkere Teams gibt.

Wären Sie bereit für diesen Screening-Service zu zahlen?
Eckhardt Weber: Momentan fühle ich mich sehr wohl mit dem Team und dem Ansatz, den wir aufgestellt haben. Da wir speziell im Medizin- und Gesundheitsbereich unterwegs sind gibt es ein paar Sonderkriterien, die in den Kriterien von Capmatcher wahrscheinlich gar nicht enthalten sind. Da müsste man genau schauen, ob es noch Deals gibt, die wir screenen sollten. Bisher wurde bei uns der Dealflow sehr gut abgearbeitet. Inwieweit wir das bei Heartbeat Labs nutzen würden, hängt davon ab, wie es im Vergleich zu unserem eigenen Dealflow abschneidet. Ich glaube schon, dass es Kunden für den Service gibt, die nicht den Zugang, die Teams oder das Netzwerk haben … 

Boris Hardi: Angenommen Heartbeat will nächste Woche einen Term Sheet unterschreiben und angenommen Sie schauen kostenlos in unsere Datenbank, filtern und sehen: Da sind ja zwei und die sind ganz ähnlich zu dem, was wir nächste Woche unterschreiben wollen …

Eckhardt Weber: … genau, das ist der Punkt: Competition, Marktanalyse. Insoweit ist die Transparenz für uns interessant. Aber wir nutzen da auch unser Netzwerk, um zu schauen, ob es Konkurrenz gibt. Competition ist aber auch nicht immer der alleinentscheidende Faktor, gerade in unserer Nische, wo andere Themen relevanter sein können. Was mich umtreibt: Wir haben eine schöne Entwicklung in Deutschland, es gibt mehr Start-ups und Unternehmer, mehr Geld, mehr Business Angels. Aber das führt auch zu einem ungemein großen Dealflow. Am Ende ist die Kunst, die Perlen herauszupicken und ich glaube, da ist das Netzwerk ganz wichtig. Für mich ist Capmatcher Zusatz, ein Hilfstool. Am Ende zählt aber auch das Bauchgefühl. Kurz: Ich würde das Tool bisher nicht nutzen. Wie viele Deals sind denn schon herausgekommen? 

Boris Hardi: Sechs Monate nachdem sich die Start-ups bei uns angemeldet haben, werden wir die Daten überprüfen, aktualisieren und in Revision gehen. Der erste Sechs-Monats-Zyklus in wenigen Wochen, dann kann ich auch sagen, wer mit wem gematcht hat. Unser Claim ist: No start-up remains without funding. Wir haben gerade im Seed-Bereich eine extrem zeitkritische Gründungssituation: Wenn Start-ups nicht schnell ein Funding bekommen, scheitern sie. Was passiert mit den Zielen und Ideen dieser Gründer? Wir möchten diesen Start-ups helfen, dass das Set-up stimmt. 

Welche Set-up-Kriterien sind für Heartbeat Labs relevant? 
Eckhardt Weber: Immer das Team. Da sollte jemand mit Gründungserfahrung dabei sein. Interdisziplinäre Teams halt ich für sehr gut, weil sich das stark befruchtet. Dann Product-Market Fit, insbesondere im schwer zugänglichen deutschen Gesundheitsmarkt. Nur weil ich ein Produkt überzeugt, heißt das noch nicht, dass das Geschäftsmodell passt. Gerade in der Frühphase begeistert ein Produkt schnell. Und ein Produkt und Team können noch so toll sein, man muss bis ans Ende denken, an Punkte wie die Anschlussfinanzierung oder den Wettbewerb im Markt. Wenn ich einmal investiert habe, komme ich nicht so schnell wieder raus. 

Zu welchem Zeitpunkt spielt das Gründungsteam in die Entscheidung rein?
Eckhardt Weber: Sehr früh. Papier ist am Ende Papier, da steht oft nicht drin wie die Idee entstanden ist. Das findet man heraus, wenn man mit den Leuten spricht. Wenn ich auf unser Investmentportfolio der letzten zwei Jahre blicke, haben wir die meisten Investments stark Team-getrieben gemacht. Teilweise haben wir zuerst auf das Pitchdeck geschaut und gesagt, das passt nicht. Aber weil es strategisch interessant war, haben wir das Gespräch gesucht. Dann kommt häufig das Bauchgefühl dazu. 

Endet da der Service von Capmatcher, Herr Hardi? 
Boris Hardi: Es geht nicht darum Analysten einzusparen, aber wir wollen 80 Prozent des Weges digitalisieren. Das Kennenlernen ist natürlich analog, das muss auch so sein. Zurzeit gibt es drei Wege, wie VCs ihre Deals akquirieren: Rund 50 Prozent laufen über das Netzwerk. Ungefähr 25 Prozent sind Inbound, die anderen 25 Prozent Outbound, zum Beispiel durch Pitch-Veranstaltungen. Capmatcher soll der vierte Weg sein: Wir wollen Transparenz schaffen und den Outreach erhöhen. Zum Beispiel können bei uns mehrere Investoren ein Konsortium bilden, um gemeinsam in ein Start-up zu investieren. So entstehen auch neue Kontakte unter den Geldgebern. 

Auf einer Skala von 1 bis 10, wobei 10 unverzichtbar bedeutet: Wie hilfreich schätzen Sie Capmatcher nach diesem Gespräch für Ihre Arbeit ein, Herr Weber? 
Eckhardt Weber: Ich gebe sieben von zehn Punkten. Die Plattform bietet Mehrwert für den Teil des Ökosystems, der noch nicht besteht – zum Beispiel außerhalb von Start-up-Hochburgen. Gerade für Universitätsstädte, Hidden Champions oder Angel-Investoren, die mal mehr sehen wollen. Ob es Einzug in mein professionelles Umfeld findet, dazu gebe ich gern in Zukunft ein Update.