Die Plattform Capmatcher will das Matching zwischen Start-ups und Investoren digitalisieren. Investor Heartbeat Labs vertraut auf die manuelle Auswahl. Eine Diskussion. 

Von Jule Zentek

Venture Capital ist eine Anlage-Klasse mit hohem Risiko: Investoren stecken ihr Geld in Ideen und Gründerteams. Oft vertrauen die Geldgeber bei der Auswahl auf ihre eigene langjährige Erfahrung oder auf die von Analysten – und oft tun sie dies noch auf analoge Art und Weise.

Boris Hardi und Philipp Berger wollen diesen Prozess einfacher und digital machen. Dazu haben sie im Oktober 2018 Capmatcher gegründet. Die Plattform will das Screening in der ersten Phase standardisieren, damit Investoren den Markt besser überblicken können. Für monatlich 250 Euro können Investoren  zehn Start-ups anfragen. Für die Start-ups ist der Service hingegen kostenlos. Bislang haben sich eigenen Angaben zufolge rund 600 Start-ups mit einer Kapital-Nachfrage von insgesamt 650 Millionen Euro registriert. Bis Ende 2019 will Capmatcher 1.500 bis 2.000 Start-ups in der Plattform aufnehmen.

Doch was sagen Investoren? Brauchen sie einen Service wie Capmatcher überhaupt – oder vertrauen sie lieber auf ihre Erfahrung und ihr Bauchgefühl?Eckhardt Weber ist Gründer und Managing Director der Start-up-Schmiede Heartbeat Labs, die 2017 vom Company Builder Ioniq Group (ehemals Hitfox Group) gestartet wurde. Heartbeat Labs will mit seinen Beteiligungen und Start-ups die Gesundheitsbranche digitalisieren, bislang hat das Unternehmen fünf eigene Start-ups gegründet und ist an neun weiteren beteiligt. WirtschaftsWoche Gründer hat Weber und Capmatcher-Gründer Hardi in einem Doppelinterview diskutieren lassen.

WirtschaftsWoche Gründer: Herr Hardi, was macht Capmatcher?
Boris Hardi: Gemeinsam mit über 60 Wagniskapitalgebern, Business Angels und Corporates haben wir ein objektiviertes 50 Punkteset entwickelt, das 89 Prozent aller Punkte abdeckt, die für eine Erstentscheidung wichtig sind. Wir wollen den Prozess digitalisieren und damit den Matching-Prozess optimieren und effizienter machen. Der Punkteplan führt zu einem Score, den wir allerdings nicht veröffentlichen. Das Start-up bemerkt diesen Score nur, wenn wir es ablehnen. Sollte das passieren, bekommen sie auch Feedback von uns, damit sie wissen, woran sie arbeiten müssen. 

Was fällt unter diese 50 Datenpunkte? 
Boris Hardi: Zum Beispiel die Frage nach dem Gründerteam. Das ist eine von fünf Gruppen mit jeweils zehn Unterpunkten und wiederum jeweils eins bis fünf Bewertungspunkten. Optimal wäre also überall die Punktzahl fünf – das ist aber fast nicht erreichbar. Wenn jemand eine gute Idee hat, aber ist alleine, bekommt derjenige beim Thema Team eigentlich nie fünf Punkte. Zwei Gründer sind das Minimum, um vier Punkte zu erreichen. Dann gibt es noch den Markt: Wenn jemand einen Markt targetiert, der super klein ist, kann er keine fünf Punkte bekommen. Fünf Punkte bekommt derjenige, der ein skalierbares Produkt hat. 

Herr Weber, mit Heartbeat Labs investieren Sie in digitale Gesundheits-Start-ups. Wie kämpfen Sie sich durch die Informationsflut? 
Eckhardt Weber: Wir sind ebenfalls frühphasig unterwegs, da ist es am Anfang nicht anders: Auch wir haben einen Kriterienkatalog, ansonsten ist es viel manuelle Arbeit. Wir entwickeln schnell unseren eigenen Score und wollen bei Interesse auch so rasch wie möglich die treibenden Personen dahinter kennenlernen. Ich glaube, Capmatcher kann diesen Prozess vereinfachen und verbessern, aber die letzte Meile sollte meiner Ansicht nach immer analog bearbeitet werden. Insgesamt ist unser analytischer Prozess dem von Capmatcher sehr ähnlich, nur eben Mitarbeiter getrieben.  

Wer vergibt die Punkte bei Capmatcher, Herr Hardi?
Boris Hardi: Das ist ein zweistufiger Prozess. Aktuell sind wir schon in zwölf Ländern aktiv, daher gibt es erst einmal unsere Start-ups-Scouts: Das sind mittlerweile zwölf Mitarbeiter, die alle aus dem Start-up-Business kommen. Alles was danach kommt, sehen mein Mitgründer Philipp Berger und ich. Wir geben letztendlich frei, ob jemand in die Insights-Datenbank aufgenommen wird oder nicht. Vorher füllen die Start-ups allerdings noch unseren Fragebogen aus. Den überstehen 70 Prozent nicht – und das ist auch genauso gewollt. In die nächste Runde schaffen es nochmal 40 bis 50 Prozent nicht. Die Daten der Start-ups, die die vorangegangenen Runden gemeistert haben, erhalten Investoren schließlich anonymisiert.

Warum anonymisieren Sie die Daten?
Boris Hardi: Wir haben Frauenteams, die keine Bilder mehr durch die Gegend schicken wollen. Die sagen: Wir werden nur eingeladen, weil die Bilder so schick aussehen. Bei uns steht im Exposé darum nur “40 Jahre, Betriebswirt“ oder “38 Jahre, Anwalt“, nicht, ob Mann oder Frau, schwarz oder weiß. Deswegen bekommen wir eine hohe Qualität an Start-ups rein. Denn die wollen Kontrolle darüber haben, wer sie sieht. Die haben sie aber nicht, wenn sie 20 Pitchdecks durch die Gegend schicken.

Nächste Seite: Würde Heartbeat Labs für den neuen Service zahlen?