Die Gründer von Scorable wollen mit Hilfe von KI das Kreditrisiko von Anleihen analysieren und Vermögensverwalter vor einer möglichen Krise warnen.

Als im Jahr 2008 die Finanzkrise die Welt erschütterte, wurden in der Finanzindustrie Forderungen nach mehr Transparenz und verbesserten Datenanalysemethoden laut. Die Hoffnung: Krisen in Zukunft besser voraussehen zu können.

Mit dem Anspruch dies möglich zu machen, ist jetzt das FinTech Scorable an den Start gegangen. Dessen Gründer Philippe Padrock und Oliver Kroll, die zuvor bei Deloitte Digital und als Portfoliomanager bei der Talanx Asset Management gearbeitet haben, wollen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) aktive Vermögensverwalter und institutionelle Investoren in Europa bei der Risikobewertung von Anleihe-Investments unterstützen. Dazu nutzen sie verschiedene Datenquellen, wie zum Beispiel Finanznachrichten, tagesaktuelle Unternehmensnachrichten, Geschäftszahlen, Marktpreise und Kredit-Ratings  und ermitteln deren Einfluss auf die Bonität eines Unternehmens.

Grundlage für Veränderung im Score

„Asset Manager verwalten allein in Deutschland Summen in Milliardenhöhe und tragen eine entsprechende Verantwortung bei der Risikobewertung. Künstliche Intelligenz kann hier mit der Analyse relevanter Daten einen echten Mehrwert bei der täglichen und langfristigen Entscheidungsfindung bieten”, erklären die Gründer Philippe Padrock und Oliver Kroll. „Bisher fokussierte sich die Kreditrisikoanalyse vorrangig auf quantitative Daten und enthält ein hohes Maß an persönlicher Intuition und Bias.”

Damit neben quantitativen auch qualitative Daten ausgewertet werden können, arbeitet die Applikation mit der Methode des Natural Language Processing (NLP), die die Analyse von textbasierten Quellen ermöglicht. Durch die Methode der explainable AI schafft Scorable Transparenz und ermöglicht es den Anwendern, Modellinformationen zu verfolgen und zu verstehen. So soll für die Anwender jederzeit nachvollziehbar sein, auf welcher Grundlage Veränderungen im Score entstanden sind.

Deloitte als Company-Builder, Talanx als Investor

Zum Start konnten sich die Gründer prominente Unterstützung – in Form ihrer alten Arbeitgeber – sichern: Der Versicherungskonzern Talanx ist mit seiner Tochtergesellschaft Ampega Asset Management GmbH als Investor eingestiegen und wird das Angebot auch als einer der ersten Kunden im Management der Anlagen selbst einsetzen. Wie hoch die Summe ist, wollten Padrock und Kroll auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer nicht verraten. Bekannt gegeben wurde allerdings, dass das Wirtschaftsprüfung-und Finanzberatungsunternehmen Deloitte Scorable als Company Builder begleitet: “Deloitte hat von Beginn an Personal gestellt, das sowohl die Unternehmens- und Produktstrategie plante als auch das Unternehmen operativ aufbaute.Über das letzte Jahr haben wir eigene Mitarbeiter eingestellt, so dass Deloitte in Zukunft vorrangig als Advisor fungieren wird,” so Philippe Padrock. Aktuell wird die Software-as-a-Service-Technologie von einigen Early Adopters genutzt. Bis Ende 2020 planen die Gründer mehrere Dutzend Kunden unter Vertrag zu haben.