Mit einem digitalen Marktplatz möchte das Münchner Start-up bei Immobilienbesitzern punkten. Die Investoren konnten die Gründer bereits überzeugen.

Anfang des Jahres sorgte der der Düsseldorfer Immobiliendienstleister JLL für Schlagzeilen, als er in einer Marktbilanz das abgelaufene Jahrzehnt als “Jahrzehnt der Immobilie“ bezeichnete. Die Investitionssummen, die in den vergangenen Jahren in deutsche Gebäude und Grundstücke geflossen seien, wären enorm. Alleine 2019 hätten in- und ausländische Großinvestoren hierzulande Immobilien in Höhe von insgesamt 91,3 Milliarden Euro erworben – ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch für 2020 prognostizierten die Experten kein Ende des Booms. 

Die Gründer von Scoperty dürften diese Nachrichten freuen. Das in München ansässige Start-up bietet Immobilienbesitzern und potentiellen Käufern eine Art digitalen Vormarkt für Transaktionen. Mit Hilfe von Big Data und künstlicher Intelligenz können diese dort den Wert von Wohnungen und Häuser schätzen lassen, Interessenten können unverbindliche Kaufangebote abgeben.

Finanzspritze von ING und Sprengnetter

Sollte es zu einem Besitzwechsel kommen, unterstützen Mitarbeiter des Start-ups  die Eigentümer gegen eine Gebühr bei der Vermarktung des Objektes und helfen Käufern beim Erwerbsprozess, etwa bei der Finanzierung. Bei Bedarf stellt Scoperty außerdem eine Verbindung zu einem geprüften Makler her, falls Käufer oder Verkäufer ihre Transaktion professionell vor Ort begleiten lassen möchten.  

Mit dem Service wollen wir den Immobilienmarkt transparenter und agiler machen“, so Co-Gründer und CEO Michael Kasch gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Gerade verkündete das Unternehmen den Abschluss einer zweiten Finanzierungsrunde bei der es sich einen siebenstelligen Kapitalbetrag sichern konnte. Zu den Investoren gehören erneut die niederländische Großbank ING, die nun 36 Prozent des Start-ups hält, und das Immobilienwirtschafts-Unternehmen Sprengnetter mit 32 Prozent Anteilen.

Deutschlandweiter Rollout geplant

Das eingeworbene Geld fließe in den deutschlandweiten Rollout, so CEO Michael Kasch gegenüber WirtschaftsWoche Gründer: „Bis Ende des Jahres soll Scoperty national verfügbar sein mit fast 40 Millionen Wohnimmobilien.“ Aktuell ist Scoperty bereits in den fünf Großstädten München, Frankfurt am Main, Hamburg, Berlin, Köln sowie in der Metropolregion Nürnberg unterwegs und liefert eigenen Angaben zufolge indikative Schätzwerte für mehr als acht Millionen Immobilien. 

Doch nicht nur die Großstädte seien für Scoperty ein interessanter Markt, sagt Michael Kasch: „Es zeigt sich gerade, dass Corona Themen wie Landlust und Leben am Stadtrand neu beflügelt. Auch hier wollen wir Licht ins Dunkel bringen, indem wir den Markt abseits der Metropolen sichtbarer machen. Schaut man  aktuell in Kleinstädten nach Inseraten, findet man mitunter nicht einmal ein Dutzend Objekte online, obwohl es tausende Objekte gibt und der potenzielle Markt viel größer ist.”