Investoren setzten große Hoffnungen in den noch nicht erschlossenen Scooter-Markt. Eine Studie zeigt jetzt: Die Wette könnte zumindest für einige Start-ups aufgehen.

In vier Monaten zum Profit: Zu diesem optimistischen Ergebnis kommt eine Kurzstudie der Beratungsgesellschaft McKinsey, die den sogenannten Mikromobilitätsmarkt untersucht haben – dazu rechnen die Berater das Geschäft mit dem Verleih von Elektrofahrräder, -Rollern und – Tretrollern. Bei durchschnittlichen Anschaffungskosten von 400 Dollar und etwa fünf Ausleihen pro Tag könnte sich etwa ein Scooter nach etwa mehr als 110 Tagen rentieren, kalkuliert McKinsey (hier geht es zum PDF) – trotz hoher Kosten für das Warten und Laden der Fahrzeuge.

Eine Information, die viele Mobilitäts-Start-ups und deren Investoren neugierig vernehmen werden. Denn gerade in den noch kaum erschlossenen Scooter-Markt waren zuletzt hohe Millionensummen geflossen. Vor wenigen Wochen vermeldete das in Berlin ansässige Start-up Flash 55 Millionen Euro Risikokapital, im vergangenen Herbst hatten junge Angreifer wie Wind, Tier oder Voi vorgelegt.

Wette auf ein neues Mobilitäts-Segment

Gemeinsam ist den meisten Start-ups: Bis auf einzelne Testmärkte sind ihre Roller noch nicht im Einsatz. Doch die McKinsey-Berater sind überzeugt, dass sich das schnell ändern wird: Sie prognostizieren, dass sich bis 2030 diesen Micromobility-Angeboten in Europa bis zu 150 Milliarden Dollar umsetzen lassen. Dieses Segment wachse zwei oder drei Mal so schnell wie das der Car- oder Ridesharing-Dienste, heißt es in der Studie.

Auf dieses Potenzial wetten vor allem die Geldgeber – wahrscheinlich ist, dass nur wenige Marken sich tatsächlich durchsetzen werden. Neben den expliziten Scooter-Start-ups könnten zudem auch andere Mobilitäts-Start-ups in das Segment vorstoßen. Die mit dem Verleih von Fahrrädern gestarten Start-ups Bird oder auch Lime sind beispielsweise auch im Scooter-Markt aktiv.

Der US-Anbieter Lime verkündete heute etwa eine Finanzierungsrunde über 310 Millionen Dollar, vermeldet eine Unternehmensbewertung von 2,4 Milliarden Dollar – und sieht dennoch einen weiten Weg vor sich: „Obwohl der Bereich der Mikromobilität rasant wächst, befindet sich die Branche noch am Anfang”, heißt es in einer Pressemitteilung. Lime ist in Deutschland in Frankfurt und Berlin aktiv.

Blinker und Führerschein könnten Pflicht werden

Denn damit die kleinen elektroangetriebenen Roller und Räder tatsächlich auf die Straße kommen, muss noch einiges passieren. So fordern die McKinsey-Berater mehr Anstrengungen von den Kommunen. Dort könnten etwa ausgebaute Stationen für den Wechsel zwischen Nahverkehr und Scooter gehören. Im Moment werden die Roller für den Weg durch die Innenstadt eher noch durch gesetzliche Regelungen ausgebremst. „Damit dieses Angebot funktioniert, sollte jetzt auch in Europa schnell ein einheitlicher gesetzlicher Rahmen für alle Formen der Mikromobilität geschaffen werden”, sagt Berater Kersten Henke.

Zur Zeit hinkt hier auch Deutschland hinterher: Im Frühjahr soll eine Verordnung für sogenannte Elektrokleinstfahrzeuge kommen – aktuell kursiert ein Referentenentwurf des Bundesverkehrsministeriums (hier geht es zum PDF). Hier sind aber noch einige Vorschriften enthalten, die manches Scooter-Start-up gerne noch loswerden würde: Etwa die Verpflichtung, Blinker an den kleinen Fahrgeräten zu installieren – oder auch die Vorgabe, dass die Nutzer mindestens einen Mofaführerschein haben müssen.