Mit ihrer Logistikplattform wollen die Schüttflix-Gründer die Digitalisierung der Schüttgutbranche vorantreiben – und erhalten nun prominente Unterstützung.

Sophia Thomalla ist bekannt als Schauspielerin und Moderatorin – als Investorin ist die gebürtige Berlinerin bisher noch nicht in Erscheinung getreten und dass, obwohl es, so die 30-Jährige gegenüber Wirtschaftswoche Gründer, immer wieder Anfangen gegeben habe.

Gereizt hatten diese sie bisher allerdings nicht – erst Schüttflix, ein 2018 gegründetes Start-up, das Baustoffproduzenten und Spediteure auf einer digitalen Plattform mit Kunden aus dem Tief- sowie dem Garten- und Landschaftsbau verbindet, weckte ihr Interesse. 

Beteiligung in sechsstelliger Höhe

Sophia Thomalla und das Thema Schüttgut, diese Kombination scheint auf den ersten Blick so gar nicht zusammenzupassen – und erregt gerade darum Aufmerksamkeit. Sophia Thomalla findet ihre Begeisterung für das Thema allerdings gar nicht so verwunderlich: „Zur Hälfte bin ich ja ein ´Pott-Kind´”, sagt sie, die als Kind und Jugendliche zusammen mit ihrer Mutter und deren damaligem Lebensgefährten Rudi Assauer, in Gelsenkirchen gelebt hat. “Bau, unter Tage und Jungs die anpacken können und wollen – damit bin ich groß geworden, das ist mir vertraut.“

Zuerst sollte Sophia Thomalla nur das Werbegesicht der Firma werden – sie und Co-Gründer Thomas Hagedorn kennen sich über einen gemeinsamen Bekannten – doch dann investierte Thomalla eine Summe „in sechsstelliger Größenordnung“, in das Start-up, als erste externe Geldgeberin überhaupt. „Ich gehöre zur digitalen Generation und Apps sind da für mich normal und interessant. Dafür zu werben passte daher schon einmal. Aber als ich dann wirklich verstanden hatte, was die Jungs da gebaut hatten – dafür muss ich nicht BWL studiert haben um zu sehen, dass das geil ist. Am Ende war es dann so, dass nicht die Jungs mich überzeugen mussten, sondern ich sie, dass ich mich beteiligen darf.“

Digitalisierung der Branche

Seit der Gründung konnte Schüttflix eigenen Angaben zufolge mit Unterstützung von mehr als 200 Sand- und Kieserzeugern sowie 220 Spediteuren mehr als 50.000 Tonnen Sand- und Kiesbestellungen von über 400 Kunden koordinieren und abrechnen. Die durchschnittliche monatliche Wachstumsrate liege bei über 50 Prozent, der Gesamtumsatz bei rund einer Million Euro.

Die beiden Gründer, der Logistikmanager Christian Hülsewig und Thomas Hagedorn, Geschäftsführender Gesellschafter der auf Abriss-, Tiefbau und Stoffstrommanagement spezialisierten Hagedorn-Gruppe, wollen mit ihrer Plattform die in ihren Augen längst überfällige Digitalisierung der Branche vorantreiben. Bisher sei der Schüttgutmarkt extrem regional und intransparent gewesen, Lieferungen seien über eine Anfrage beim Baustoffhändler gelaufen, man habe manchmal tagelang auf ein Angebot warten müssen. Mit Schüttflix sollen Kunden innerhalb von Sekunden mehrere Angebote von Lieferanten im Umkreis von 150 km erhalten, binnen vier Stunden werden Sand, Schotter und Split geliefert, so das Versprechen.

Schwerpunkt liegt aktuell auf NRW

Christian Hülsewig sieht in der Digitalisierung der Branche ein großes Potential: „Der Markt für Schüttgut in Deutschland verfügt über ein deutlich größeres Volumen als beispielsweise der Taxi- oder Fernbusmarkt, wo derzeit digitale Player das Geschäftsmodell revolutionieren. Hierzulande sind 150.000 Lkw mit einem durchschnittlichen Tagesumsatz von 1.500 Euro unterwegs. Zum Vergleich: Die rund 95.000 Taxen und Mietwagen begnügen sich mit durchschnittlich 300 Euro am Tag, es gibt etwa 5.000 Fernbusse mit im Schnitt 700 Euro Tagesumsatz.“

 Aktuell konzentriert sich das Start-up vor allem auf Nordrhein-Westfalen, bis Ende 2020 soll der deutsche Markt erschlossen sein, so die beiden Gründer gegenüber WirtschaftsWoche Gründer: „Danach ist theoretisch alles möglich. Ob neue Produkte oder weitere Länder – unsere App ist extrem skalierbar.“