Das Start-up hilft Bauprofis, schneller an Kies und Schotter zu kommen. Mit Speedinvest steigt nun ein Geldgeber mit Industrie- und Marktplatz-Expertise ein. Das nächste Ziel: Den deutschen Markt vollständig zu erschließen.

Mit einem Fingertipp zum richtigen Abladeort: In der Schüttflix-App können Bauleiter auf einem Satelliten-Bild exakt markieren, wo die nächste Ladung Kies oder Schotter hin soll. In unübersichtlichen Baugebieten, wo häufig noch Straßenschilder oder Hausnummern fehlen, reduziert das die Suche des Lastwagenfahrers. Und, ein Nebeneffekt in Corona-Zeiten: Es macht den Austausch auf Distanz auch auf Baustellen zumindest ein wenig leichter.

Das Beispiel zeigt: Das Gütersloher Start-up setzt auch in der analogen Baustoffbranche digitale Details. „Entscheidend ist, dass wir extrem niederschwellig sind und gerade digitalen Novizen eine gelungene User-Experience bieten“, sagt Gründer Christian Hülsewig. Über die App des 2018 gegründeten Unternehmens können Immobilienentwickler und Bauleiter notwendiges Schüttgut bestellen. Schüttflix kümmert sich im Hintergrund um Spediteure, die die Ladung dann zur Baustelle bringen – und verdient an jeder Transaktion mit. Nach eigenen Angaben werden mittlerweile bereits Baustoffe im Wert von einer halben Million Euro pro Monat über die Plattform gehandelt.

Speedinvest steigt bei Schüttflix ein

Jetzt holt das Start-up, das der umtriebige Bauunternehmer Thomas Hagedorn mit ins Leben gerufen hat, einen ersten institutionellen Investor an Bord. In einer aktuellen Finanzierungsrunde erhält Schüttflix insgesamt acht Millionen Euro. Hagedorn und Hülsewig beteiligen sich. Angeführt wird die Runde jedoch vom in Wien gestarteten Risikokapitalgeber Speedinvest.

Die Venture-Capital-Gesellschaft bringt einiges an Industrie-Expertise mit: Sie sind in Deutschland unter anderem an Batteriespeicher-Spezialist Twaice oder der Roboter-Software drag&bot beteiligt. Außerdem investiert Speedinvest häufig in junge Unternehmen, die B2B-Marktplätze aufbauen. So ist der Investor im vergangenen Herbst bei der Maschinenbau-Plattform Remberg eingestiegen. Erst im Februar hatte Speedinvest einen neuen Fonds mit 190 Millionen Euro offiziell geschlossen.

Schwierige Suche nach den Sandgruben

Der Markt für Schüttgut sei heute regional sehr fragmentiert und intransparent, sagt Mathias Ockenfels von Speedinvest, daher eigne er sich perfekt für eine Geschäftskunden-Plattform. Genau darin liegt jedoch auch die Herausforderung für Schüttflix: Das Start-up muss parallel für Angebot und Nachfrage auf seiner Seite sorgen. Dafür müssen die Vertriebler zum einen die zahlreichen Sand- oder Kiesgruben erreichen und überzeugen, die ihr Geschäft bislang häufig noch mit Telefon und Lieferzetteln organisieren.

Zum anderen muss die App auf den Smartphones möglichst vieler Bauleiter installiert sein. „Wie komme ich in die Köpfe der Jungs vom Bau“, beschrieb Hülsewig diese Herausforderung vor einigen Wochen im Gespräch mit der WirtschaftsWoche. Hilfreich dabei ist auch Gesellschafterin und Schauspielerin Sophia Thomalla. Gemeinsam produzierten Start-up und Influencerin beispielsweise rund um den Jahreswechsel einen Foto-Kalender. Das Ziel der Bemühungen: Bis Ende des Jahres will Schüttflix deutschlandweit ein enges Netz an Lieferanten aufgebaut haben, so dass Besteller ihre Ware zügig erhalten.