Maxim und Raphael Nitsche mussten das ganz alleine bewältigen – auf Wunsch ihres Vaters: Als die beiden Brüder ihm von ihrer Idee erzählten, eine App zu entwickeln, verlangte er von seinen damals 14 und 15 Jahre alten Kindern einen detaillierten Businessplan. Also fraßen sich die beiden Teenie-Brüder durch Business-Ratgeber und legten ihrem Vater ein halbes Jahr später ein 90-seitiges Konzept für eine App vor, mit der selbst komplexe mathematische Aufgaben zu lösen und nachzuvollziehen sind – ausgehend von den Erfahrungen, die die beiden damals als Nachhilfelehrer gesammelt hatten: „Unsere Schüler stellten einfach immer wieder die gleichen Fragen“, erinnert sich Maxim Nitsche, der mittlerweile in Berlin Wirtschaftswissenschaften, Mathematik und Philosophie studiert. „Die Mathe-App zu entwickeln, war eine logische Folge.”

Das Konzept überzeugte auch Vater Nitsche – bis zur Marktreife der App sollte es allerdings weitere dreieinhalb Jahre dauern. Auf Kosten der Schule ging das nicht: Beide Brüder haben eine Klasse übersprungen, Raphael Nitsche hat kurz vor dem Abitur sogar schon angefangen, zu studieren.

„Wir haben einen Nerv getroffen“

Die Ausdauer zahlte sich aus: Math42 war 2013 zeitweise die meistverkaufte App im deutschen Apple Store und wurde dort als eine der innovativsten Lern-Apps beworben. Mittlerweile sind Maxim und Raphael Nitsche 18 und 19 Jahre alt, beschäftigen acht Mitarbeiter. Math42 gibt es inzwischen in mehreren Sprachen, die App wurde mehr als 26 000 Mal abgerufen. „Wir haben einfach einen Nerv getroffen“, sagt Maxim Nitsche.

Nicht auszuschließen, dass Jochen Maaß auch einmal Geld in das Start-up der Nitsche-Brüder steckt – auch, weil sich der heute 32-jährige Investor an seine eigenen Anfänge erinnert fühlen könnte: Weil er sich in der Schule nicht ausgelastet fühlte, brachte er sich nicht nur das Programmieren selbst bei, er baute auch eine Firma für Suchmaschinenoptimierung auf – da war er 15. Mit der artaxo AG, die er damals gründete, gehört er heute zu den Pionieren des Onlinemarketings in Deutschlands.

Auf einen solchen Bilderbuchstart kann Dominik Habichtsberg aus Lüdinghausen nicht verweisen – sein erster Versuch, ein Unternehmen aufzubauen, ging schief: „Ich habe bei meiner ersten Firmengründung viele typische Fehler von Erst-Gründern gemacht: das Marketing vernachlässigt und kaum Rücklagen gebildet, sodass ich auf Veränderungen des Marktes nicht angemessen reagieren konnte“, sagt er heute.