Obgleich erst drei Jahre alt, stemmt das Grazer Start-up bereits die Übernahme eines Kölner Konkurrenten – und sichert sich EU-Fördermittel.

Alte Kupferkabel, Bleibatterien, Sanitärarmaturen, Alufelgen: Die Güter, um die Alexander Schlick und Jan Pannenbäcker den digitalen Marktplatz Schrott24 aufgebaut haben, sind wenig glamourös. Doch das Geschäft mit dem Altmetall lohnt sich – und das Start-up wächst schneller als manch anderer Marktplatzbetreiber. Die Idee: Die Gründer bringen online private und gewerbliche Verkäufer, Altmetallhändler sowie Recyclingunternehmen zusammen. Bei Bedarf wird ein Transport organisiert.

Gegründet 2016 in Graz, verstärkt sich das bisher 15 Mitarbeiter große Start-up nun in Deutschland – und übernimmt den Konkurrenten Metalsale. Das Kölner Unternehmen, das Jochen Kuritz und Gerrit Mewes 2017 gegründet hatten, war eigenen Angaben zufolge bisher Europas größte Handelsplattform für Nichteisenmetalle. Der Monatsumsatz lag zuletzt über einer Million Euro. Einen Kaufpreis nannten die beiden Unternehmen nicht.

Uber-Investor an Bord

Mit der Fusion bauen die Österreicher vor allem ihr Netzwerk von Schrotthändlern und Schmelzwerken weiter aus. Der Handel mit großen Mengen werde damit deutlich ausgebaut, kommentierte Mitgründer Pannenbäcker. „So können wir beispielsweise von Schrotthändlern zukünftig noch größere Volumen erwerben und ihnen bessere Konditionen anbieten.“

Aktuell gibt Schrott24 auf seiner B2B-Seite an mit knapp tausend Verwertern sowie 258 Logistikunternehmen in Europa zusammenzuarbeiten. Die rund 5000 Kunden kommen demnach aus Deutschland und Österreich. Seit der Gründung habe man mehr als 8.000 Transaktionen umgesetzt.

Attraktiv ist das Geschäftsmodell offenbar auch für Investoren: 2017 hat Schrott24 neben anderen bereits FJ Labs als Investor gewonnen. Der in New York ansässige Wagniskapitalgeber ist für Investments in Digitalunternehmen wie Uber, Lime, Lieferheld und Wish bekannt. Bei Metalsale war unter anderem die 10x Group beteiligt – dahinter steckt eine Gruppe von Seriengründern.

1,2 Millionen Euro von der EU

Der weltweite Markt für Metall-Recycling ist milliardenschwer, auch wenn in Deutschland zuletzt fallende Preise und konjunkturelle Unsicherheiten zugesetzt haben. In der Digitalisierung von Prozessen wittert auch der Recyclingriese Alba Geschäftschancen: Im vergangenen Jahr hat der Konzern mit Scrappel einen eigenen Online-Marktplatz lanciert.

Schrott24 rüstet sich außer mit der Übernahme auch mit frischem Kapital für den Konkurrenzkampf. Wie das Start-up mitteilte, hat es gerade von der EU eine Zusage über Förderung von insgesamt 1,2 Millionen Euro bekommen. Der Bewerbungsprozess für das KMU-Segment des Forschungs- und Innovationsprogramm „Horizont 2020“ habe über ein Jahr gedauert. Die Förderung solle genutzt werden, um die Plattform EU-weit auszuweiten, so Pannenbäcker. Auf der Expansionsliste stehen unter anderem die Niederlande, Italien und Frankreich.