Welche Rolle spielt Alter und Erfahrung? Können sich junge Gründer, die beispielsweise gerade aus dem Studium kommen, leichter von Status-quo-Effekten lösen?

Je älter und erfahrender Menschen sind, desto stärker wirken Status-quo-Effekte. Aber unsere Untersuchungen zeigen, dass auch Studenten stark davon betroffen sind. Deshalb ist es wichtig, dass sie diese Mechanismen in ihren Entscheidungen erkennen. Droht ein Status-quo-Effekt, hilft es nicht mit dem Gründerkollegen darüber zu sprechen. Vergleicht man zum Beispiel neue Büroräume mit den bisherigen, hilft nur der Rat von jemand, der selbst nicht in der gleichen Situation steckt. Eine gute Entscheidung ist im Übrigen nicht nur rational. Intuition ist häufig ein guter Ratgeber.

Hat sich die Art wie wir Entscheidungen treffen in der modernen Zeit geändert?

Die grundlegenden Entscheidungskomponenten haben sich bei Menschen nicht geändert. Aber es sind immer mehr Informationen verfügbar, die man gar nicht mehr verarbeiten kann, und die Geschwindigkeit, mit der sich Märkte und Bedingungen verändern, hat zugenommen. Das führt zu einer Informationsüberlastung des Menschen und zu einer immer größeren Neigung, Daumenregeln anzuwenden. Schnelle Entscheidungen sind aber nicht immer die besseren. Informationsüberlastung führt nachweislich zu schlechteren Entscheidungen, und die Zeit, sich in Ruhe in eine Entscheidung und ihre Konsequenzen hineinzuspüren nimmt man sich nicht mehr.

Entscheiden sich Frauen und Männer genauso häufig für eine Unternehmensgründung?

Weltweit gründen laut Global Entrepreneurship Monitor ungefähr doppelt so viele Männer wie Frauen. Das liegt zum Teil auch an der Art wie Frauen die Welt wahrnehmen und ihre Entscheidungen treffen. Denn Gründungsentscheidungen sind nicht nur ökonomisch, sondern häufig auch psychologisch determiniert. Es geht darum, wie man Gelegenheiten wahrnimmt, ob man Angst vorm Scheitern hat und ob man glaubt über die Fähigkeiten zu verfügen, ein Unternehmen zu gründen. Dabei unterscheiden sich Männer und Frauen stark. Frauen, wenn sie denn gründen, scheitern nicht häufiger als Männer. In der Gesamtbevölkerung wiederum glauben Frauen nicht so häufig wie Männer an ihre unternehmerischen Fähigkeiten. Vermutlich handelt sich hier vor allem um ein Wahrnehmungsphänomen. Das ist für die Politik interessant. Wenn sie Frauen beim Gründen unterstützen möchte, sollte sie sich weniger auf Rahmenbedingungen konzentrieren, stattdessen eher auf Coachingangebote setzen. Coaching brauchen Männer im Übrigen auch: Die überschätzen sich nämlich gerne.