Die einstige Konzerntochter positioniert sich nach der Neuausrichtung der Familienholding als Firmenschmiede für das Ruhrgebiet – und kooperiert dazu mit Mantro.

Beim Hygenie-Spezialisten CWS ist ein Online-Shop für Schutzfang-Matten entstanden, beim Geschäftsausstatter Takkt eine Cloudsoftware für Prüfungen von Betriebsmitteln und beim Metall-Recyler ELG eine Online-Plattform für den Schrotthandel: Knapp 60 Digitalisierungsprojekte bei Unternehmen der weit verzweigten Familienholding Haniel hat „Schacht One“ seit dem Start 2016 umgesetzt, entstanden sind so teils neue Geschäftsfelder.

Offiziell ist Haniel hochzufrieden mit dieser Bilanz. Trotzdem zog das Duisburger Familienunternehmen, das sich kürzlich eine Neuausrichtung verordnet hatte und sich unter anderem von seinen Anteilen am Metro-Konzern trennt, nun den Stecker. Die Mission sei erfüllt, hieß es zur Begründung: „Die Haniel-Beteiligungen sind nun in der Lage, ihre digitale Transformation eigenständig voranzutreiben.“ Schacht One versucht deswegen nun als selbständiges Unternehmen einen Neustart – und baut dazu einen neuen Company Builder für das Ruhrgebiet auf.

Dirk Müller. Foto: Schacht One

„Wir haben uns auch über Haniel hinaus ein exzellentes Netzwerk aufgebaut und uns einen Namen gemacht“, sagt Geschäftsführer Dirk Müller, der Schacht One nun zusammen mit Tobias Grün leitet. Statt ausschließlich für Haniel-Beteiligungen soll das Unternehmen nun für andere Konzerne und Mittelständler neue Digitalunternehmen aufbauen. Müller geht dabei auch persönlich ins Risiko: Bisher war er auch IT-Chef bei Haniel, scheidet mit der Selbständigkeit aber aus dem Unternehmen aus. Das bestätigte Müller im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Zeche Zollverein wird zum Standort für die Digitalwirtschaft

Die neue Firmenschmiede entsteht zusammen mit Mantro – einem in München ansässigen Company Builder, der aus einer IT-Beratung hervorgegangen ist. Schacht One versteht sich dabei als Betreiber von Mantro Ruhr, will darüber hinaus aber auch andere Innovations-Initiativen in der Region vorantreiben und potenziell in passende Start-ups investieren. Für den Company Builder rechnet Müller mit 15 bis 20 Mitarbeitern bis zum Jahresende. Zum Vergleich: Unter Haniel-Führung arbeiteten neun bis zwölf Mitarbeiter für Schacht One.

Unverändert bleiben die Büros auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen. Das bis 1986 aktive Steinkohleberwerk hatte einst den Grundstein für Haniels wirtschaftlichen Aufstieg gelegt. Nun soll sie zu einem Epizentrum der Digitalisierung in der Industrie werden. Seit September ist dort auch der von der Essener Wirtschaftsförderung initiierte Digital Campus Zollverein angesiedelt, der Start-ups, Forscher und Unternehmen zusammenbringen soll. Zu den Gründungsmitgliedern gehören neben anderen Haniel, RAG, Thyssen-Krupp, Eon und Accenture.

Beteiligung statt Beratung

„In das hier entstandene Ökosystem fügt sich eine Firmenschmiede gut ein“, sagt Müller. Mit Gründer-Zentren wie München und Berlin könne das Ruhrgebiet inzwischen mithalten. „Gerade im B2B-Bereich zahlt sich die Nähe zu zahlreichen Konzernen und Mittelständler aus.“ Für eine Belebung der Start-up-Szene habe zuletzt unter anderem der im Dezember 2016 gegründete Ruhr Hub beigetragen.

Potenzielle Kunden will Mantro Ruhr auch dadurch überzeugen, dass der Company Builder –anders als eine klassische Digitalberatung – selbst mit bei den entwickelten Spin-Offs als Gesellschafter einsteigt. So werde das frühe Risiko geteilt, sagt Müller. Die Ventures könnten zudem unabhängiger agieren und die Suche nach Investoren für die Wachstumsphase werde erleichtert. Nach dem Modell hat Mantro in München bisher 15 Firmen aufgebaut. Zu den jüngsten zählt das zusammen mit Audi Business Innovation entwickelte Mobilitäts-Start-up Mobiko.