Der Weg vom Start-up zum digitalen Mittelständler ist anspruchsvoll. Frankfurter Wissenschaftler wollen jetzt einige Hinweise für ambitionierte Gründer identifiziert haben.

Vom kleinen Start-up zum digitalen Mittelständler: In einer aktuelle Studie haben Wissenschaftler versucht, die Erfolgsfaktoren für so eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung zu ergründen. Dafür wurden eine ganze Reihe von akademischen Abschlussarbeiten zusammengefasst und die zugrunde liegenden Interviews mit Gründern und Unternehmern ausgewertet – ergänzt um regionale und internationale Datensammlung.

Hinter der Studie „Scale-ups in Europe: An untapped potential“ stehen dabei die Goethe-Universität Frankfurt und die Innovationsplattform Techquartier – unterstützt wurde das Vorhaben von der Stiftung des chinesischen Internetunternehmers Yi Shi. (die Studie ist nach einer Registrierung hier kostenfrei zugänglich).

Authentizität, Fehlerkultur, Kommunikation

Als Scale-up definieren die Autoren junge Unternehmen, die bereits mehr als zehn Mitarbeiter haben und dann mindestens drei Jahre in Folge bei Mitarbeiterzahl oder Umsätzen um mehr als 20 Prozent zulegen. Diese Indikatoren können als Beleg dienen, dass ein Start-up dabei ist, sich mit Produkt und Marke auf dem Markt zu positionieren – und damit Hürden überwunden hat, an denen Unternehmen scheitern. Als ein Erfolgsbeispiel zitieren die Autoren die im Jahr 2000 in Frankfurt gegründete digitale Devisenhandelsplattform 360T, die nach einer intensiven Wachstumsphase 2015 für mehr als 700 Millionen Euro von der Deutschen Börse übernommen wurde.

Nach der Auswertung der Gespräche kommen die Wissenschaftler zu einer ganzen Reihe von Hinweisen, die Gründer auf dem Weg zu einem größeren Unternehmen helfen könnten. Folgende Punkte gehören dazu:

  • Authentizität: Laut der Studie eine „Basiszutat“, wenn es um das erfolgreiche Aufbauen von Unternehmen geht. Verkörpert das Gründerteam aufrichtig die Werte des Start-ups und das Versprechen des Produkts, hat das entscheidenden Einfluss auf den Verkaufserfolg als auch auf die Mitarbeiterbindung.
  • Fehlerkultur: Gerade in schnell wachsenden Unternehmen stehen viele Gründer vor der Herausforderung, wann und in welcher Form neue Hierarchiestufen eingezogen werden. Ein anfängliches Losstürmen muss häufig in klarerer Prozesse übersetzt werden. Die Studie rät: Wenn Mitarbeiter auch auf dem Weg zu Scale-up weiter Dinge ausprobieren – und damit scheitern – dürfen, hilft das mehr als eine strikte Hierarchie.
  • Kommunikation: Trotz wachsender Mitarbeiterzahl empfehlen die befragten Gründer einen engen Austausch im Team. Transparente Informationen über das Wohl und Wehe des Start-ups, regelmäßige Feedbackrunde in jede Richtung – die Gründer müssen präsent bleiben, anstatt sich in einem Chefbüro zu verstecken.

Auf diese Punkte können Gründer achten – bei manchen anderen Baustellen sind sie hilfloser: So bemängeln viele der befragten Unternehmer erneut, dass in Europa und speziell in Deutschland die entscheidenden Finanzierungen fehlen, um eine erste Phase des starken Wachstums zu ermöglichen. Gerade im Vergleich zu den USA fließen hier kleinere Tickets – auch wenn sich da in den vergangenen Jahren in Deutschland einiges getan hat.

Frankurt werkelt an der Fintech-Hauptstadt

Auf die Ergebnisse werden auch die lokalen Akteure neugierig schauen: Die Region um Frankfurt will die Heimstätte stark wachsender Start-ups vor allem aus dem Finanzbereich sein – in der aktuellen Studie ergänzen die Autoren die relevanten Felder noch um Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit.  Unterstützt von staatlicher Förderung wurden dazu im vergangenen Jahr ehrgeizige Pläne vorgestellt.

Aktuell zählen die Studienautoren fast 400 Start-ups im Rhein-Main-Gebiet. Etwa mehr als die Hälfte davon arbeitet an Produkten für Geschäftskunden (wie es im Finanzbereich etwa Banken sein könnte), knapp 40 Prozent richten sich Endverbraucher, der Rest an beide Zielgruppen. Andere Erhebungen zeigten zuletzt jedoch, dass andere Städte erfolgreicher als Frankfurt um Fintechs werben.