Das Start-up verschafft Unternehmen eine Übersicht über das Durcheinander an abgeschlossenen Software-Abos. Die Gründer kennen das Problem aus eigener Erfahrung.

Willkommen in der Schatten-IT: Hier hat eine Abteilung auf eigene Faust ein Projektmanagement-Programm besorgt, dort kaufte ein Team kurzerhand dutzende Lizenzen einer Kollaborations-Software besorgt – obwohl nur noch wenige Mitarbeiter damit arbeiten. In immer mehr Unternehmen häuft sich die Zahl der Anwendungen, die im Betrieb sind. In aller Regel angeschafft als „Software-as-a-Service“, also als Cloud-Lösung gegen eine Art monatlicher Miete. Diese Art von Programmen sind zügig beschafft und schnell einsatzbereit – doch der Überblick über Nutzer und Rechnungen kann rasch verloren gehen.

„Gerade mit der stark anwachsenden Anzahl der SaaS-Lösungen kommt es zu einem riesigen Chaos in vielen Firmen“, sagt Sven Lackinger, Mitgründer des Start-ups Sastrix. „Am Ende hat niemand mehr einen Überblick, wo was genutzt wird.“ Das junge Tech-Unternehmen bereitet die Informationen aus allen Verträgen übersichtlich auf. So können Firmen feststellen, wenn deutlich mehr Lizenzen als tatsächliche Nutzer bestellt sind. Die Software empfiehlt gebündelte Verträge, wenn etwa mehrere Teams ein Programm unabhängig voneinander gebucht haben.

Mittelständler zahlen hunderttausende Euro für Miet-Software

Oder erinnert an eine kurze Überprüfung des Abonnements, bevor die nächste Rechnung kommt: „Ab einer gewissen Unternehmensgröße macht es Sinn, dass man sich darum kümmert“, sagt Lackinger. „Weil man sonst viel Geld auf der Straße lässt“. Denn die Ausgaben summieren sich, auch wenn die Programme oft nur wenige Euro pro Nutzer und Monat kosten: Zwischen 500.000 Euro und einer Million Euro pro Jahr geben die meisten der etwa 30 Firmen für Miet-Software aus, die Sastrix bereits nutzen.

Perspektivisch will sich das im Frühjahr gegründete Start-up auch als Einkaufsberater etablieren, das den Unternehmen – im Fokus stehen Mittelständler ab etwa 200 Mitarbeitern – vor der Anschaffung des nächsten Programms zur Seite steht. Selbst finanziert sich Sastrix ebenfalls durch eine Abogebühr, die sich nach den Gesamtausgaben eines Kunden für gemietete Software richtet.

Lackinger und sein Co-Gründer Maximilian Messing hatten die Mühen der Verwaltung in ihrem vorherigen Start-up erlebt. Bei Evopark, das den Zugang zu freien Stellplätzen erleichtern sollte, kaufte der eine Software ein, der andere kontrollierte die Ausgabe. Nachdem sie Evopark vor knapp drei Jahren an den Mittelständler Scheidt & Bachmann verkauft hatten, wollen sie nun den damaligen Prozess vereinfachen.

Investoren setzen auf ein Boom der Software-Sortierer

Damit gehören sie zu dem recht neuen, aber stark wachsenden Segment an Tech-Firmen, die mit Software bei der Software-Nutzung weiterhelfen wollen. Dazu zählt beispielsweise das Bonner Start-up LeanIX, das bei der Darstellung des Programm-Wirrwarrs in Unternehmen technisch tiefer einsteigt. Sogenannte No-Code-Spezialisten wie Bryter oder Ninox ermöglichen es mehr Mitarbeitern, eigene kleine Programme zu basteln, ohne die IT-Abteilung zu behelligen. Gleichzeitig lehnt sich Sastrix an Portale wie Volders oder Aboalarm an, die Verbrauchern bei der Verwaltung von Strom- oder Handyverträgen helfen.

Lackinger berichtet, dass Sastrix von der Nachfrage überrascht wurde. In wenigen Monaten ist aus dem Kölner Gründerduo nun ein achtköpfiges Team geworden. Nun kommen auch die ersten Investoren an Bord und stecken knapp über eine Million Euro in das Start-up. Darunter sind zahlreiche Business Angels, die ihr Geld zuvor mit Start-ups verdient haben. Dazu gehören etwa mit CG Partners die Gründer von Kaufda und Cosi sowie mit Discovery Ventures die Köpfe hinter Sumup und Zeitgold. Beteiligt hat sich zudem der Kölner Business Angel Tim Schumacher, Gründer von Sedo und Eyeo. Er spekuliert vor allem auf das zukünftige Potenzial von Sastrix: „Software-as-a-Service ist in Europa nach wie vor nur mäßig vertreten. Wir sehen hier massives Wachstum, so dass eine Lösung wie Sastrix in den nächsten Jahren unabdingbar wird“, sagt Schumacher.