Die Berliner Gründer-Initiative des Software-Entwicklers SAP stellt jungen Firmen Mentoren zur Seite. Die Start-ups hoffen auf Zugang zu den Konzernkunden. 

Um das eigene Produktangebot zu erweitern, setzt der Walldorfer Software-Entwickler auf Kontakte zu Start-ups. So organisieren mehrere internationale Förderprogramme des Konzerns jeweils für drei Monate Workshops und Mentoren-Treffen für junge internationale Unternehmen, die sich mit Software- und Tech-Innovationen befassen. Seit einer Woche arbeitet die sogenannte SAP.io-Foundry in Berlin mit sechs Start-ups, die speziell für Vielseitigkeit im Gründerteam stehen, wie der Konzern heute bekannt gab.

Konkret kommen die Gründer-Teams wöchentlich an drei Tagen zusammen, um in Workshops etwa über potenzielle Anwendungsfälle für SAP-Kunden, Marktchancen sowie Finanzierungsfragen zu sprechen. Der Softwarekonzern öffnet den Zugang zu seinem Kundennetzwerk und stellt den Start-ups Mentoren zur Seite: Zum Beispiel vermittelt der Konzern den Kontakt zu eigenen UX-Designern, Managern von Partnerunternehmen oder ehemaligen Gründern. Der Austausch zwischen Start-ups und Experten läuft vor Ort in Räumen von SAP, per Telefon oder Videokonferenz. Sieben Mitarbeiter beschäftigt SAP laufend für die Betreuung des dreimonatigen globalen Förderprogramms – fünf bis zehn Start-ups dürfen in jeder Runde teilnehmen.

Insgesamt 200 bis 300 Bewerbungen pro Jahr sichtet dafür jedes der Start-up-Zentren, die der Konzern als Foundries bezeichnet. „Wir ziehen keine Grenze bei der Zahl der Bewerbungen, die wir für unsere Start-up-Programme annehmen. Wir sichten alle Einreichungen“, sagt die Verantwortliche für die SAP.io-Foundries in Europa, Alexa Gorman (im Foto), zu WirtschaftsWoche Gründer. „Falls ein Startup besser zu einem SAP.io-Programm in einer anderen Stadt passen, reichen wir es weiter.“ Weitere Standorte neben Berlin sind unter anderem München, Paris, Tel Aviv und Tokio.

Arbeit an Schnittstellen

Der organisatorische Aufwand dürfte sich für den Software-Entwickler lohnen: Ziel der Förderprogramme ist es, eine künftige Kooperation zwischen den Start-ups und dem Softwarekonzern auszuloten. So werde etwa ZkSystems aus Berlin die Zeit bis August nutzen, um an potenziellen Schnittstellen zu arbeiten, erklärt die Unternehmerin und Geschäftsführerin Diana Rees im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Das Start-up spezialisiert sich darauf, Blockchain-basierte Geschäftsmodelle für die vernetzte Industrie zu entwickeln. Rees und ihre Mitgründerin Amine Uenal hoffen nun darauf, gemeinsam mit SAP die eigene Reichweite zu erhöhen.

Anteile mussten die Unternehmerinnen im Rahmen des Förderprogramms nicht abgeben – für eine künftige Beteiligung durch SAP zeigen sich die beiden jedoch offen. Kurz vor dem Abschluss ihrer aktuellen Finanzierungsrunde erhalten die Gründerinnen somit Zugang zu einem potenziellen strategischen Investor. Ein Investment in Start-ups aus den Förderprogrammen komme zwar vor, das primäre Ziel sei aber, gemeinsame Innovationen anzubieten, sagt Gorman. Unter der Marke SAP.io bündelt der Softwarekonzern sowohl die Innovationszentren als auch einen Investmentfonds, dessen Mittel in den kommenden fünf Jahren zu 40 Prozent an Start-ups mit Frauen und Minderheiten im Gründerteam fließen sollen. Mit dem sogenannten No-Boundaries-Programm will SAP das Thema Inklusion auch konzernweit stärken.

Fokus auf HR

„Wir haben in den vergangenen Jahren gelernt, dass es für Gründerinnen sowie Angehörige von Minderheiten schwieriger ist, Zugang zu Kapital und Mentoren zu bekommen“, sagt die SAP-Managerin Alexa Gorman. „Deshalb haben wir zunächst in San Francisco sowie New York einen Fokus auf diese Zielgruppen gelegt und tun das jetzt in Berlin.“ Innerhalb der kommenden drei Monate durchlaufen das Programm neben ZkSystems auch das Berliner Start-up Moberries, das mit einer Job-Matching-Plattform die Kandidatensuche für Unternehmen vereinfachen will. Hardskills, ebenfalls mit HR-Tech in Berlin unterwegs, entwickelt eine digitale Lernplattform für die Personalentwicklung. Zudem nimmt die Online-Recruiting-Plattform Jobful aus der rumänischen Hauptstadt Bukarest teil sowie Scantrust aus Lausanne. Die Schweizer haben SAPs Interesse geweckt mit einer cloud-basierten Software, die Lieferketten für Pharma- und Chemieunternehmen überwacht. Augmania aus San Francisco konnte mit einem Augmented-Reality-Werkzeug für das digitale Marketing überzeugen.

Bei der Zusammenarbeit mit Start-ups sieht eine aktuelle Studie den Softwarekonzern als eines der aktivsten Unternehmen im deutschen Leitindex Dax. Zehn Millionen Euro investierte SAP erst Ende April in das Start-up Ruum, das 2016 mit einem Tool für die Teamarbeit im internen Inkubator entstanden ist. Als Geldgeber steht SAP auch hinter dem Risikokapitalgeber Sapphire Ventures. Rivale Salesforce positioniert sich nah an Start-ups mit der Beteiligungsgesellschaft Salesforce Ventures, die der Software-Entwickler erst vor wenigen Tagen mit umgerechnet 112 Millionen Euro ausstattete.