Der SAP-Konkurrent füllt den Geldtopf, um schnell wachsende Digitalunternehmen in Europa zu unterstützen. Vom Vorgänger-Fonds profitierten bereits deutsche Start-ups.

Kapital für Cloud-Start-ups: Der weltweit tätige Softwarekonzern Salesforce stellt 125 Millionen Dollar (umgerechnet 112 Millionen Euro) bereit, um sich an jungen Digitalunternehmen in Europa zu beteiligen. Das erfuhr WirtschaftsWoche Gründer vorab. „Überall in Europa sehen wir Start-ups, die mit globalen Ambitionen antreten“, sagt Alex Kayyal, verantwortlich für die Investments in dieser Region. „Und wir können den Start-ups bei der weltweiten Reichweite helfen.“

2015 hatte das US-Unternehmen erstmals einen solchen Topf speziell für Europa gefüllt, damals mit 100 Millionen Dollar. Das Geld habe man seitdem in 50 verschiedene Start-ups in 13 Länden investiert, sagt Kayyal. Drei davon stammen aus Deutschland: Das digitale Versicherungsunternehmen Wefox, das Content-Marketing-Start-up Contentful sowie den Salesforce-Dienstleister Empau aus Berlin.

Anwendung egal, Cloud zentral

In anderen Lädern beteiligte sich Salesforce Ventures auch an Zahlungsdienstleisten oder Konstruktions-Software. Die Gemeinsamkeit: Wesentliche Teile des Geschäftsmodells oder der Daten laufen über die Cloud, also ausgelagerte Rechen- und Serverkapazitäten. Auf dieses Modell setzt auch Salesfore selbst.

Der Konzern investiert mit seinem „Trailblazer Fonds“ in verschiedenen Phasen in jungen Unternehmen – das Kapital erlaubt auch die Beteiligung an späteren und teureren Runden. „Wir sind ein geduldiger Investor – aber wir müssen auch nicht warten, wenn sich eine Gelegenheit ergibt“, sagt Kayyal. Der Investment-Arm der Amerikaner soll strategisch arbeiten.

Oberstes Ziel ist es, das sogenannte Ökosystem rund um die eigenen Softwareanwendungen zu stärken. Die Progamme der Portfolio-Start-ups sollen auch den Salesforce-Kunden weiterhelfen – und erleichtern umgekehrt den Start-ups den Kundenzugang. Je nach Start-up will sich das Ventures-Team daher um die passende Vernetzung mit Technikern oder Vertriebsexperten kümmern.

Investor mit viel Geld und Geduld

Als Investor bleibt Salesforce durchaus langfristig an Bord. „Wir haben keinen Ausstiegszeitpunkt im Hinterkopf, wenn wir uns beteiligen“, sagt Kayyal. In den USA war der Konzern unter anderem an der Videokonferenz-Plattform Zoom beteiligt, die in diesem Jahr an die Börse ging.

Eine solche Herangehensweise ist typisch für sogenannte Corporate-Venture-Capital-Unternehmen. Die müssen nicht zwingend nach einigen Jahren das investierte Kapital vervielfachen, sondern unterstützen auch andere Ziele des Mutterkonzerns. Der deutsche Konzern SAP, der bei einigen Programmen mit Salesforce um Marktanteile ringt, hat dafür Sapphire Ventures gegründet. 2016 wurde das Vehikel für weltweite Investments mit einer stolzen Milliarde Dollar ausgerüstet.