Obgleich erst in diesem Jahr gestartet, hat sich das junge Unternehmen schon einen Millionenbetrag aus einem neuen Schweizer Techfonds gesichert.

Ein Besuch im Bed & Breakfast seines Vaters hat Ari Andricopoulos auf die Idee für sein Start-up gebracht: Das Gasthaus stand angesichts der Konkurrenz durch große Hotels in der Nebensaison oft leer, dafür war es an Festivaltagen schon Monate im Voraus ausgebucht – weil es die mit Abstand günstigste Option war. Andricopoulos machte sich auf der Suche nach einer Software, die seinen Vater bei der Preissetzung unterstützen kann. Doch am Markt fand er nichts passendes. Der ehemalige Hedgefonds-Manager entschloss sich, eine eigene Lösung zu entwickeln, fand mit Marvin Speh und Jörg Siegel zwei Mitstreiter – und gründete RoomPriceGenie.

Das in Zug ansässige Unternehmen verspricht, kleinen Hotels sowie Vermietern von Appartements durch dynamische Preise zu höheren Umsätzen zu verhelfen. Dafür analysieren Algorithmen das Buchungsverhalten der eigenen Gäste, die Preise der Wettbewerber und berücksichtigen Events sowie Ferienzeiten. RoomPriceGenie bekommt im Gegenzug eine Gebühr von fünf Euro pro Zimmer und Monat. Gestartet Anfang des Jahres, hat das Start-up eigenen Angaben zufolge bereits mehr als hundert Kunden für sich gewonnen.

Wingman Ventures konzentriert sich auf die Schweiz

Auch die Suche nach einem ersten Investor ist dem Gründertrio nun geglückt: Wingman Ventures investiert eine Million Franken – rund 910.000 Euro – in das Start-up. Für den Wagniskapitalgeber ist es das erste Investment aus einem neuen Fonds, der in den kommenden zehn Jahren exklusiv in bis zu 30 junge Schweizer Tech-Unternehmen investiert werden soll. Zielvolumen des Fonds sind 60 Millionen Franken, aktuell steht er bei 40 Millionen. Zu den Geldgebern gehören unter anderem die Gründer der Sprachlern-App Duolingo, des Terminfindung-Tools Doodle und des Online-Händlers Digitec.

„Mit RoomPriceGenie setzen wir auf eine innovative Lösung, die in den kommenden Jahren große Auswirkungen auf die Hotelindustrie haben wird und es kleineren Hotels ermöglicht, mittels dynamischer Preise wettbewerbsfähig zu bleiben”, sagt Wingman-Partner Pascal Mathis. Der Mitgründer der inzwischen milliardenschweren Reiseplattform GetYourGuide hatte die Wagniskapitalfirma vor drei Jahren zusammen mit Lukas Weder (Mitgründer von Eat.ch) und Alex Stöckl, einem früheren Investmentmanager bei Creathor Ventures. Das Unternehmen hat sich seither an 16 Start-ups beteiligt.

Start-ups optimierten Prozesse von Hotels

RoomPriceGenie will nun das Team aufbauen und hat dabei eine schnelle Internationalisierung im Visier. „Unsere Kunden verteilen sich von der US-Westküste bis nach Japan, und die Partnerschaften mit etablierten Hotelsoftwareunternehmen helfen uns dabei, bereits heute schon global präsent zu sein“, sagt CTO Siegel. Dank der Software-Anbindungen können die Hotels ihre Preise auch automatisiert bei Portalen wie Booking.com kontinuierlich anpassen.

Nachdem der Markt für Buchungsportale weitgehend abgesteckt ist, konzentrieren sich derzeit auffallend viele Traveltechs auf die Optimierung von Prozessen im Gastgewerbe. Ein direkter Konkurrent von RoomPriceGenie kommt aus Österreich: RateBoard aus Innsbruck hatte vor einem Jahr eine siebenstellige Finanzierungsrunde auf die Beine gestellt. Auch um den Check-in und das Gästemanagement drehen sich viele Lösungen. So hat kürzlich erst Hotelbird für seine Software neue Investoren gefunden. Ähnliches bietet das Thüringer Start-up Betterspace an. Vermieter von Ferienunterkünfte unabhängiger machen von Buchungsportalen will Lodgify mit Sitz in Barcelona.