Hellofresh soll noch in diesem Jahr an die Börse: Das Berliner Start-up wäre das erste Unternehmen, das Rocket Internet nach dem eigenen Börsengang an den Kapitalmarkt bringt.

Hellofresh habe die US-Investmentbanken Morgan Stanley und Goldman Sachs mit den Vorbereitungen für die Emission beauftragt, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Morgan Stanley, Goldman Sachs und Rocket wollten sich dazu nicht äußern.

Hellofresh ist ein Online-Lieferservice. Das 2011 gegründete Start-up verschickt Rezeptboxen, in denen sich nicht nur die Kochanweisung, sondern auch die Zutaten für das jeweilige Gericht finden. Hellofresh liefert seine Boxen in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Australien aus. Das Unternehmen zählte 2014 nach Rocket-Angaben 172.000 Abonnenten weltweit. Das waren mehr als fünf Mal so viele wie im Vorjahr.

Hellofresh ist eines der ersten Unternehmen, bei dem Rocket Internet auf eine Mehrheitsbeteiligung aufgestockt hat, wie es der Strategie seit dem Börsengang entspricht. Rocket hatte im Februar weitere 100 Millionen Euro in Hellofresh gesteckt und hält nun 52 Prozent. Insgesamt wurde das Unternehmen damals mit 624 Millionen Euro bewertet. Im Zuge des Börsengangs könnte der Firmenwert auf rund eine Milliarde Euro steigen, sagte einer der Insider. Hellofresh gibt seinen Umsatz mit 120 Millionen Euro im Jahr an, das Ergebnis hat das Unternehmen bisher nicht beziffert. Der US-Rivale Blue Apron („Blaue Schürze“), der auf drei Millionen Mahlzeiten pro Monat kommt, wurde bei seiner jüngsten Finanzierungsrunde mit mehr als zwei Milliarden Dollar bewertet.

Durch das Beispiel Hellofresh wird auch immer klarer, dass die Samwers auf das Wachstum des immer noch kleinen Anteils virtueller Einkaufsdienste im Netz bauen. In einer Präsentation hieß es Anfang des Jahres dazu: „Lebensmittel sind die nächste Grenze im E-Commerce.“

Möglicherweise wolle HelloFresh den Börsengang gleich nach der Sommerpause ankündigen, sagte einer der Insider. Im Herbst drängen zahlreiche Firmen auf das Frankfurter Börsenparkett, darunter der Kleinanzeigen-Portalbetreiber Scout24 , der Lkw-Zulieferer Jost-Werke, die Bayer -Kunststoff-Tochter Covestro und die Zugsparte von Bombardier. Auch im Rocket-Imperium gibt es weitere Börsenkandidaten: der Online-Lieferdienst Delivery Hero (Lieferheld), der Mahlzeiten aus Restaurants frei Haus liefert, die Möbelhändler Westwing und Home24 sowie die Global Fashion Group, die – nach dem Vorbild von Zalando in Deutschland – in Schwellenländern Mode versendet.

Umsatzmäßig zählte HelloFresh 2014 zu den großen Gewinnern des Rocket-Imperiums. Das Start-up verfünffachte seine Einnahmen im vergangenen Jahr nahezu. Kam es 2013 gerade einmal auf einen Umsatz von 15 Millionen Euro, waren es 2014 schon 70 Millionen Euro.

Auch die EBITDA-Marge hat sich verbessert. Lag sie 2013 noch bei minus 45 Prozent, sank sie im vergangenen Jahr auf minus 21 Prozent. Das deutet aber auch schon die Probleme von HelloFresh an: Profitabel ist das Unternehmen noch lange nicht. Nach einem Minus von 6,5 Millionen Euro im Vorjahr verdoppelte der Lebensmittellieferant seine Verluste 2014 auf 15 Millionen Euro.