Die Industrie freut sich über die Ideen der Start-ups. Wandelbots beispielsweise kooperiert seit März 2018 mit Volkswagen. Mit dem Greifarmroboter tüftelt Püschels Team im zweiten Stock der Gläsernen Manufaktur Dresden. Nur wenige Meter neben ihnen verläuft eine der Produktionsstraßen. Bandarbeiter müssen hinter eine Sicherheitslinie zurücktreten, bevor der e-Golf von einer Maschine die Reifen verpasst bekommt.

Bis Ende dieses Jahres testet Wandelbots hier verschiedene Anwendungsfälle. Das Einsetzen der Lautsprecherboxen in eine Tür könne der Roboter bereit imitieren und so den Mitarbeitern diesen Arbeitsschritt abnehmen. Der Arbeiter muss sie nun nicht länger mit der linken Hand halten, während er sie mit einer Nietenpistole fixiert. „Typische Montagearbeit”, sagt Püschel: „Und bisher sehr unergonomisch“.

Noch braucht es einige Anläufe, bis der Lautsprecher richtig sitzt. Auch, weil der ferngesteuerte Roboter etwas zeitverzögert reagiert. Keine Sorge, meint Püschel. Er steuert mit einem Tablet die Wandelbot-App, die den optimierten Handgriff ermittelt. „Die Maschine lernt selbst, welcher Versuch gut und welcher schlecht war.“

Die Produktion ist ein logischer Einsatzort für Start-ups – zudem finden sich in der deutschen Unternehmenslandschaft viele Firmen, die als Pilotkunden bereitstehen. Doch auch für den Einsatz in der Logistik, in kleineren Handwerksbetriebe und im Haushalt machen schlau programmierte Roboter Sinn, sagt Forscher Weitschat. „Der Einsatz von Robotern scheiterte bislang oft daran, dass es keine intuitive Roboterprogrammierung gab“.

Wandelbots will das ändern. Kein Zufall, dass die fünf Gründer ihre Idee während ihrer Zeit am Lehrstuhl für Softwaretechnologie an der TU Dresden entwickelten. Sie überzeugten im Wettkampf um den Kuka Innovation Award – und erhielten einen Industrieroboter, um zu testen, inwiefern sich dieser mit Sensorik ausgestatteter Kleidung anleiten ließe. Das Start-up gründeten sie im November 2017, nachdem der Berliner Risikokapitalgeber Atlantic Labs investierte. 90.000 Euro steuerte die Stadt Dresden bei und ab Mitte des Jahres kooperieren sie mit dem Chiphersteller Infineon. Bis Ende des Jahres will Wandelbots von derzeit 7 auf etwa 15 Mitarbeiter anwachsen.

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