Bisher sind Anlage-Roboter in Deutschland aber Zwerge. «Es ist heute einfach, ein Start-up zu gründen», sagt Peter Barkow, Gründer des Analysehauses Barkow Consulting. Doch es sei schwer, beim sensiblen Thema Geldanlage Vertrauen zu gewinnen. Immer mehr der Finanzfirmen bemühen sich daher um eine Lizenz der deutschen Finanzaufsicht Bafin. Sie gilt als Gütesiegel. Der Anbieter Liqid, der sich mit komplexen Strategien auf reichere Kunden spezialisiert hat, bietet neben der automatisierten Geldverwaltung persönliche Betreuung. «Das senkt die Hemmschwelle für Anleger, die ihr Geld nicht alleine einer Digitalplattform anvertrauen wollen», sagt Mitgründer Christian Schneider-Sickert.

In den USA sind Anlage-Roboter schon etabliert. Dort verwalten allein die drei größten mehr als 10 Milliarden Dollar. Hierzulande dürften es insgesamt erst 330 Millionen Dollar (307 Mio Euro) sein, meint Berater Hübner. «Es dürfte einen Nachholeffekt geben.» Bis 2020 könnten Robo Advisor in Deutschland 22 Milliarden Dollar verwalten. Auch das Meinungsforschungsinstitut YouGov sieht Potenzial: Jeder Zehnte könne sich gut vorstellen, wegen der Empfehlung eines Anlage-Roboters Geld zu investieren, heißt es in einer aktuellen Umfrage. Ein weiteres knappes Drittel ziehe es in Betracht.

Wundermittel sind Robo Advisor aber nicht. So ist der Fragekatalog für Sparer am Anfang standardisiert und knapp. Eine auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittene Anlageberatung kann dieser kaum leisten. Es könne sein, dass ein Anlage-Roboter einem Sparer ein bestimmtes Portfolio empfehle, obwohl Schuldenabbau oder das Horten von Bargeld für ihn besser sei, meint Verbraucherschützer Nauhauser. Sagt aber zugleich: Die Beratung von Banken sei auch nicht frei von Fehlern.

Kein Robo Advisor habe den Anspruch, eine umfassende Finanzberatung zu leisten, entgegnet Vaamo-Mitgründer Vins. «Sie können aber einem Kunden auf Basis einer Befragung das passende Risiko-Profil zeigen.» Ob die Anlage-Roboter Sparern langfristig höhere Gewinne bringen, bleibt indes abzuwarten. Viele sind noch jung, eine echte Bilanz lässt sich daher nicht ziehen. Immerhin konnten sie in den turbulenten Tagen nach dem Brexit-Votum im Juni Börsenabschläge dämpfen und leisteten sich auch keine technischen Pannen. Es müsse sich zeigen, wie die Geld-Roboter etwa bei einem Börsencrash abschnitten, sagt Berater Hübner. «Die Feuerprobe steht noch aus.»

 

 

Transparenzhinweis: An Liqid ist die DvH Ventures beteiligt. Die Handelsblatt Media Group ist Teil der DvH Medien, zu der auch DvH Ventures gehört