Wie schneidet das Modell mit Nachrangdarlehen im Vergleich ab?
Das Nachrangdarlehensmodell hat der HTGF für die Seed-Phase entwickelt. Der HTGF erhält eine Beteiligung von 15 Prozent am Start-up und gewährt ein verzinstes Nachrangdarlehen über 600.000 Euro. Dieses Modell passt gut für die frühe Phase, in der der HTGF schwerpunktmäßig investiert. Aber einige Beteiligungsgesellschaften bieten diesen Weg auch für spätere Phasen an. Hier ist mitunter Vorsicht geboten, weil sich die Firmenbewertung dadurch zum Nachteil verändern kann. Gründer müssen sich deshalb immer fragen: Was bedeutet ein Nachrangdarlehensmodell für unsere Bewertung? Ist der Wert anderen Investoren künftiger Runden vermittelbar?

Kommt man aus einem ungünstigen Vertrag wieder raus?
Wenn nicht optimal verhandelt worden ist, kommt man nur schwer von den vereinbarten Vertragsstandards wieder weg. Deshalb empfiehlt es sich aus Gründersicht, von Anfang an einen Standard zu verhandeln, der auch für zukünftige Finanzierungsrunden akzeptabel ist. Hier ist unsere Erfahrung übrigens, dass die Professionalisierung der Gründerszene immer weiter zunimmt. Durch den Austausch mit anderen Gründern haben die Start-up-Teams oft schon ein deutlich breiteres Wissen als mancher Stratege, der sich nur selektiv an Start-ups beteiligt.

Wenn sich Bund und Länder als Geldgeber einmischen, wollen sie Gründern in erster Linie den Start erleichtern. Wie gut klappt das insgesamt?
Bund und Länder leisten einen wichtigen Beitrag zur Belebung des Start-up-Standortes Deutschland. Und zwar auf unterschiedlichen Ebenen: Über Direktinvestments per HTGF oder Coparion, über die Förderung der Business-Angels-Szene durch den sogenannten Invest-Zuschuss bis hin zur Aufstockung von VC-Fonds. Insgesamt wird es dadurch in Deutschland zwar inzwischen einfacher, Finanzierungsrunden auf die Beine zu stellen. Trotzdem bleibt zu konstatieren, dass der VC-Standort international noch deutlich zurückliegt.

Welche Veränderungen beobachten Sie bei der Strategie des Bundes aktuell?
Bemerkenswert finde ich, dass der Staat stärker als in der Vergangenheit in private VC-Fonds investiert – also eine sogenannte Fund-of-Funds-Strategie fährt. So fließen öffentliche Gelder in europäische VC-Fonds. Dahinter steht die Erwägung, dass nicht der Staat Investmententscheidungen treffen soll, sondern die Manager privater VC-Fonds.

Finden Sie den neuen Fokus gut oder schlecht?
Aus meiner Sicht ist das eine positive Entwicklung. Die Wahrscheinlichkeit, dass Start-ups europäische VC-Fonds für sich gewinnen können, steigt dadurch. Der Staat konzentriert sich mit seinen Direktinvestments auf Phasen, in denen es zu wenig privates Kapital gibt – also etwa auf Phasen, in denen der VC-Markt nicht lebendig genug ist. Das gilt zum Beispiel für die Seed-Phase. Da spielt der Staat mit seinen Direktinvestments weiterhin eine ganz entscheidende Rolle.

Herr Jellinghaus, vielen Dank für das Gespräch.