Adil und Bilal Zafar sorgten unter den Löwen mit einem Drogen-Witz für Aufregung – dennoch willigte Carsten Mascheyer in einen Deal ein. Wie ging es weiter?

Der heutige Auftritt von Bilal und Adil Zafar in der Höhle der Löwen glich einer Achterbahnfahrt. Während ihre Geschäftsidee in den ersten Minuten des Pitches für Wohlwollen bei den potentiellen Geldgebern sorgte, katapultierten sich die beiden Düsseldorfer nur kurz darauf mit einem Witz über die hohen Margen im Drogengeschäft beinahe selbst ins Aus. Carsten Maschmeyer jedoch ließ Milde walten und stellte seinen Geschäftssinn in den Vordergrund. Er willigte ein 100.000 Euro in das Start-up zu investieren und im Gegenzug zehn Prozent Anteile am Unternehmen zu erhalten. Wie es nach der Aufzeichnung weiterging und warum der ersehnte Vertrag noch nicht unterschrieben ist, erzählt Bilal Zafar im Interview.

Bilal, eigentlich lief es für Sie und Ihren Bruder bei Ihrem Auftritt in „Die Höhle der Löwen“ ziemlich gut – bis sie plötzlich einen kleinen Beutel mit weißem Pulver aus der Tasche zogen und eine Anspielung auf die hervorragende Marge bei Drogenverkäufen machten. Plötzlich schien sich die Stimmung gegen Sie zu wenden. Was war da los?
Kurz vor Beginn unserer Aufzeichnung unterhielten wir uns mit einem anderen Gründer darüber, dass wir mit unserem Geschäftsmodell eine ungewöhnlich hohe Marge einstreichen können. Fast wie beim Drogenhandel scherzten wir und ehe wir uns versahen stand plötzlich diese Idee im Raum: Wir bekamen von dem anderen Gründer ein kleines Plastiktütchen, in dem er zuvor Schrauben aufbewahrt hatte, und ich lief in die Küche um Zucker einzufüllen. Wir hielten das in dem Moment für einen gelungenen Scherz, der dann aber leider bei den Löwen nicht so gut ankam, wie erhofft. 

Nico Rosberg fand es so unseriös, dass er an dieser Stelle sogar spontan ausstieg. Carsten Mayschmeyer dagegen ließ sich so leicht nicht schocken und schrieb die Aktion Ihrem jugendlichen Leichtsinn zu…
Darüber waren wir mehr als erleichtert, denn Herr Maschmeyer war von Anfang an unser Favorit. Tatsächlich hat unser Witz die Stimmung aber merkwürdig werden lassen, wir hatten in diesem Moment echt Angst, dass wir unseren Pitch total vergeigt hätten. 

Carsten Maschmeyer entscheid sich bei Ihnen zu investieren. Wie ging es nach dem Aufzeichnungen weiter? Kam es zum Deal?
Tatsächlich war unsere Aufzeichnung im März und noch ehe wir uns mit Herrn Maschmeyer und seinem Team zusammensetzen konnten, wurden die Verhandlungen durch Corona auf Eis gelegt. Wir sind also aktuell noch in Verhandlungen zu Vertragsdetails.

In der Sendung haben Sie gesagt, dass Sie bis zu dem Zeitpunkt des Pitches aus eigenen Mitteln gewachsen seien. Warum dann also der Wunsch nach einem Investor?
Das stimmt, wir haben von Beginn an mit den Geldern gearbeitet, die wir über das Schreiben unserer Bewerbungen eingenommen haben und waren ziemlich schnell profitabel. Wir hatten nie eine Finanzspritze von anderen bekommen, nicht mal von unserer Familie und mussten auch kein eigenes Erspartes in das Unternehmen stecken. Bei unserem Auftritt ging es uns darum auch mehr darum einen Löwen an unsere Seite zu bekommen, der uns mit seinem Wissen und seinem Netzwerk hilft als mit seinem Geld. Und Carsten Maschmeyer ist ja ein echter Experte für Online-Unternehmen – oftmals mit Tech-Bezug – und hatte außerdem schon Erfahrung mit Bewerbungs-Start-ups.

Letzteres wäre Ihnen allerdings fast zum Verhängnis geworden, weil Carsten Maschmeyer bereits 2017 in einer Folge der Sendung in die Recruiting-App Talentcube investiert hatte, die auf Bewerbungen per Video setzt.
Glücklicherweise konnten wir ihn davon überzeugen, dass dieser Ansatz zwar spannend ist, aber nach wie vor nicht die Norm. Die meisten Firmen glauben immer noch an die klassische Bewerbung mit Anschreiben und Lebenslauf. 

Sie sind nicht das einzige Start-up, das auf dieses Geschäftsmodell setzt. 
Das stimmt, aber der Markt ist riesig, da können auch mehrere Unternehmen nebeneinander bestehen. Wir haben bisher 15000 Bewerbungen geschrieben, da ist noch viel Luft nach oben. Einige unserer Kunden nutzen uns auch immer wieder, weil sie beim ersten Ausprobieren Erfolg hatten oder sie buchen uns für jemanden aus der Familie oder dem Freundeskreis.

Eine Bewerbung sagt ja viel über einen potentiellen Angestellten aus. Finden Sie es nicht auch ein wenig unfair, dass Sie deren wahres Ich durch Ihre Mithilfe verschleiern?
Nein, gar nicht. Wir helfen den Bewerbern ja nur einen Fuß in die Tür zu bekommen, den Rest müssen sie selbst bewältigen und dann ja vollkommen alleine im Gespräch überzeugen. Es ist ja auch nicht verboten sich Hilfe beim Verfassen der Bewerbungsunterlagen zu holen. Manche haben Eltern, die das übernehmen, andere Freunde, die einem unter die Arme greifen – und wenn man niemanden fragen kann, kommt man eben zu uns. Es gibt Berufe, da ist es nicht so wichtig, dass man einen Satz schön formulieren kann, sondern es geht um die Fähigkeiten, die man mitbringt. Aber die Person könnte ihr Können ohne unsere Unterstützung gar nicht vor den Personalern unter Beweis stellen, weil sie auf Grunde einer weniger guten Bewerbung nicht eingeladen würde  – das fände ich am Ende unfairer.

Fühlen sich Personaler nicht betrogen?
Unserer Erfahrung nach überhaupt nicht. Manche fragen die Bewerber auch, ob sie die Bewerbung selbst geschrieben haben und sogar diejenigen, die darauf ehrlich antworten, bekommen nicht etwa zu hören, dass das nicht in Ordnung sei. Im Gegenteil: Es zeigt doch, dass man sich wirklich einsetzt, um die Stelle zu bekommen. Und sich bestmöglich verkaufen zu wollen, ist definitiv nichts Verbotenes. 

Wie weit würden Sie denn gehen, um den Lebenslauf zu pimpen?
Wir pimpen gar nicht, denn wir arbeiten nur mit den Informationen, die uns die Bewerber zukommen lassen. Und wir sagen auch ehrlich, wenn wir den Eindruck haben, dass Bewerber sich eine Stelle ausgesucht haben, die weit über ihren Anforderungen liegt. Beispielsweise wollte sich einmal jemand, der gerade mit seiner Ausbildung in der Baubranche fertig geworden war für eine Stelle als Diplom-Ingenieur bewerben. Das war ja eine Stelle für einen Hochschulabsolventen mit Berufserfahrung. Da haben wir direkt gesagt: Lass das sein, das lohnt sich nicht, denn die Qualifikation muss natürlich ebenso stimmen wie das Äußere einer Bewerbung. 

Wo sehen Sie Ihr Start-up in zehn Jahren?
Auch wenn es sich merkwürdig anhört und unser Unternehmen damit überflüssig würde: Wir hoffen, dass es in ein paar Jahren die klassische Bewerbung wie wir sie für unser Kunden schreiben in dieser Form nicht mehr gibt, sondern dass sich die Ansprüche der Personaler weiterentwickeln. 

Wenn es soweit kommt: Müssten Sie am Ende dann gar auch eine Bewerbung verschicken?
Niemals. Mein Bruder und ich bezeichnen und selbst als kapitalistische Hippies, das heißt wir wollen zwar Geld verdienen, aber vor allem unabhängig sein. Ein Angestelltenverhältnis käme nie in Frage, wir wollen unsere eigenen Chefs sein und würden uns dementsprechend auch nicht bewerben. Und natürlich haben wir schon eine Idee im Hinterkopf, wie wir richtiggutbewerben.de weiterentwickeln würden: Wir kümmern uns schon jetzt auf Wunsch für unsere Kunden darum ihnen Profile auf Karrrieseiten zu erstellen und diese zu pflegen. Das ist zwar für uns nicht so lukrativ wie das Schreiben einer Bewerbung, aber es ist eine interessante Möglichkeit für die Zukunft.