Das Münchener Start-up entwickelt Software, mit der Anwälte Verträge analysieren können. Dank Künstlicher Intelligenz soll das System stetig dazulernen.

Ob Allgemeine Geschäftsbedingungen, Lizenz- oder Geheimhaltungsvereinbarungen: Zum Arbeitsalltag vieler Rechtsanwälte gehört es, Verträge zu prüfen. Diesen bisher weitgehend manuellen Prozess will Rfrnz teilautomatisieren. Das Münchener Start-up hat eine Software entwickelt, die Verträge auf Basis von Künstlicher Intelligenz (KI) durchsucht, relevante Klauseln identifiziert und die Ergebnisse übersichtlich darstellt.

Gegründet vor zwei Jahren, hat das Legaltech nun erste Geldgeber von sich überzeugt. Zusammen über eine Million Euro haben der High-Tech Gründerfonds (HTGF), die UnternehmenTUM Initiative for Industrial Innovators sowie zwei Business Angels investiert. Das Geld wollen die Gründer um CEO Sven von Alemann nutzen, um die Vermarktung voranzutreiben.

Zwar setzen erste Kunden die Technologie des Unternehmens bereits ein, wie Alemann auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer sagte. In den nächsten Wochen will das Start-up aber auch eine Standardversion als Cloud-Software anbieten, die nach dem Abschluss eines Abos sofort genutzt werden kann. Für die technische Weiterentwicklung und den Aufbau des Vertriebs will Rfrnz das aktuell zehnköpfige Team weiter aufstocken. Auch eine Niederlassung in Berlin wird gerade aufgebaut.

Kanzleien und Rechtsabteilungen im Visier

Zwei Anwendungsfälle sieht das Start-up für seine Software: Zum einen können Einzelverträge geprüft werden – etwa daraufhin, ob Klauseln von den Standards des Unternehmens abweichen. Zum anderen können auch mehrere Dokumente zugleich durchforstet werden. Relevant sei das etwa, wenn Unternehmen vor einer Übernahme Risiken prüfen oder Vertragswerke nach Gesetzesnovellen anpassen müssen, sagt Alemann. „Mit der KI-Analyse entlasten wir Anwälte in Kanzleien und Rechtsabteilungen in Unternehmen.“

Alemann, der selbst als Anwalt tätig war, entwickelte die Idee zu Rfrnz 2016 zusammen mit dem Physiker und KI-Spezialisten Adriaan Schakel. Seither haben sie in München mehrere Acceleratoren-Programme durchlaufen, darunter das LMU Lab, den Unternehmertum-Inkubator Xpreneuers und das TU-München-Programm TechFounders. Als GmbH firmiert Rfrnz seit August 2017.

Die Gründer betonen, dass ihre Software nicht einfach nur nach Schlagworten in Vertragsdokumenten sucht. Stattdessen setze man auf Natural Language Processing und maschinelles Lernen. „Das System erkennt Themen und Einzelinformationen kontextbasiert“, erklärt Alemann. Dafür würden die Algorithmen mit einer Vielzahl von Beispielverträgen trainiert – und sollen mit jedem Feedback der Nutzer dazulernen. Aktuell kommt die Software mit deutsch- und englischsprachigen Dokumenten zurecht.