Der ehemalige Vize-Kanzler ist in der Wirtschaft gut vernetzt – jetzt will er dem schnell wachsenden Start-up bei der internationalen Expansion helfen. 

Es waren keine leichten Monate für die Coworking-Branche. Im Zuge der Pandemie klagten zahlreiche Anbieter über teils massive Umsatzrückgänge; Mieter kündigten ihre Verträge, Neukunden blieben aus, Veranstaltungen mussten auf Grund der Kontaktbeschränkungen abgesagt werden. Eine schlechte Nachricht jagte die nächste. Auch für Robert Bukvić waren die letzten Wochen eine Herausforderung. „Aber das ist jetzt vorbei“, verkündet der Unternehmer optimistisch. Der Berliner hat 2015 Rent24 gegründet und betreibt seine Coworking-Spaces mittlerweile an 70 Standorten weltweit.

Um sein Unternehmen für die Zeit nach Corona fit zu machen, hat sich Bukvić nun prominente Unterstützung an Bord geholt. Wie WirtschaftsWoche Gründer exklusiv erfuhr, wurde Philipp Rösler, ehemaliger Gesundheits-, Wirtschaftsminister und Vizekanzler, Anfang des Monats zum ersten Beiratsmitglied des Unternehmens ernannt. 

Bukvic und Rösler lernten sich vor einigen Monaten auf dem jährlichen Ski-Event von Cornelius Boersch, dem Gründer des Schweizer Frühphasen-Investors Mountain Partners, kennen. Rösler soll Rent24 bei der weiteren strategischen Ausrichtung helfen: „Ich will das Unternehmen nicht nur bei der Internationalisierung unterstützen, sondern auch ein Sparringspartner sein, um zum Beispiel Innovationen zu diskutieren und auszuprobieren“, so Philipp Rösler auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer.

Auch als Investor aktiv

Rösler galt schon während seiner Zeit als Wirtschaftsminister als aktiver Förderer der Start-ups-Szene: 2013 legte er mit dem „Investitionszuschuss Wagniskapital“ ein millionenschweres Förderprogramm für Business Angel auf, die in Start-ups investieren wollen. Auch nach seinem Rückzug 2013 aus der Politik engagierte sich der Hannoveraner, der mittlerweile mit seiner Familie in der Schweiz lebt, nicht nur in etablierten Unternehmen wie Siemens Healthineers und Brainloop als Aufsichtsrat, sondern auch in jungen Firmen: Seit 2019 sitzt der promovierte Mediziner im Beirat des Schweizer FinTech Numbrs.

Daneben ist er auch als Investor aktiv: Im Frühjahr 2018 stieg er als Geldgeber beim deutsch-französischen Start-up Wingly ein – voraussichtlich nicht das letzte Mal, das er sich als Business Angel versucht: „Wenn das Gründerteam stimmt, weil Neugierde, Kreativität und Unternehmertum da sind, und darüber hinaus das Geschäftsmodell spannend ist, dann bin ich gerne mit dabei, schließlich sind die Start-ups von heute der Mittelstand von morgen.“ 

Für Rent24 blickt er optimistisch in die Zukunft „Ich bin sicher, dass das Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. Die Einstellung zu Home-Office, klassischem Büro-Arbeitsplatz und flexiblen Lösungen wie eben Coworking Spaces wird sich weiterentwickeln. Und anders als manches Unternehmen aus der Coworking-Branche hat Rent24 gezeigt, wie solide und seriös deutsche und europäische Unternehmen sind. Diese ‘ehrbarer Kaufmann’-Mentalität wird sich durchsetzen.“