Die Hauptstadt zählt mit 179 Fin-Techs mehr solcher Firmen als Frankfurt, München und Hamburg zusammen. „Berlin ist in einer anderen Liga“, sagt Comdirect-Chef Arno Walter. Auch das meiste Wagniskapital von Investoren fließt an die Spree. Seit 2012 haben sie 734 Millionen Euro in Berliner Fin-Techs gesteckt, fünf Mal mehr als in München.

An die hippe Hauptstadt kommen andere Städte nicht heran – trotz zahlreicher Gründer-Zentren mit Kicker-Tischen und Backsteinwänden. Das liegt auch daran, dass Gründer in Berlin noch immer niedrigere Mieten und billigere Programmierer finden als anderswo. Und in München oder Frankfurt haben junge Talente mit Jobs bei Großkonzernen sichere Alternativen zum Wagnis Gründung. Dass in Berlin kaum große Firmenkunden für Start-ups sitzen, scheint kein Hindernis zu sein.

Bundesregierung stärkt Investoren

Doch selbst mit Berlin kann Deutschland nicht mit der globalen Fin-Tech-Konkurrenz mithalten. Weltweit führen die USA. Den Markt allein in Kalifornien beziffern Experten auf 6,3 Milliarden Euro und rund 74 000 Mitarbeiter. Die hiesige Fin-Tech-Szene kommt auf rund 2,4 Milliarden Dollar (2,3 Mrd Euro) und etwa 13 000 Beschäftigte. Ein Problem: Wachstumsfirmen in Deutschland kommen schwer an Kapital zur Expansion. Große Investoren für Start-ups gibt es relativ wenige.

Nun springt die Bundesregierung ein. Sie erlaubt Investoren, die mit Risikokapital bei Wachstumsfirmen einsteigen, entstandene Verluste steuerlich geltend zu machen. Ein entsprechendes Gesetz brachte der Bundestag auf den Weg. Kosten: bis zu 600 Millionen Euro jährlich.

Steueranreize für Großanleger, die auf Gewinne mit Start-ups setzen? Kritiker halten das für den falschen Weg. Wolfgang Steiger, Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats, sieht das anders. „Gerade für junge Unternehmen und Start-ups in der Wachstumsphase wird es nun leichter, frisches Geld zu bekommen und zu expandieren“, sagt er.