Der Maschinenbau hustet. Doch ein Münchener Start-up bleibt unbesorgt: Mit einer herstellerübergreifenden Serviceplattform will man der Branche zu neuen Umsätzen verhelfen.

Die Produktion ist bereits um 1,6 Prozent zurückgegangen, die Auftragseingänge gar um neun Prozent. Und die Prognosen für den Rest des Jahres sind ähnlich düster: Der deutsche Maschinenbau ist nach Jahren des Erfolgs in schweres Fahrwasser geraten. Die aktuellen Zahlen des Branchenverbands VDMA unterlegten das in dieser Woche noch einmal.

Damit ändern sich auch die Vorzeichen für viele Start-ups, die sich mit ihren Produkten und Dienstleistungen an die Industrie richten. Wenn die Konzerne und Mittelständler damit beschäftigt sind, ihre Umsätze und Belegschaft durch eine Krise zu steuern, könnte die Zeit für die Beschäftigung mit jungen Dienstleistern fehlen.

Hoffen auf die Helferrolle

Gleichzeitig hoffen viele der Industrie-Start-ups, die sich häufig mit der Auswertung von Maschinendaten befassen, auf einen Bedeutungszuwachs. Im ersten Schritt helfen viele Digitallösungen dabei, die Effizienz zu erhöhen – das dürfte im Abschwung noch relevanter werden. Auch das Start-up Remberg blickt daher optimistisch voraus: Die Münchener, die erst 2018 gestartet sind, entwickeln eine digitale Serviceplattform. Über die können Maschinenhersteller etwa die Wartung und die Instandhaltung ihrer Anlagen digitalisieren. Zugleich soll es durch die Cloud-Lösung einfacher werden, den Kunden Zusatzleistungen oder Ersatzteile anzubieten.

In diesem sogenannten After-Sales-Markt sehen die Gründer eine deutlich höhere Marge als im Neugeschäft mit den Maschinen. Auch sei in der vergangenen Krise dieses Zusatzgeschäft deutlich wiederstandsfähiger gewesen als der Verkauf von neuen Maschinen. Es sei daher eine Chance, den Maschinenherstellern zu helfen, die Wichtigkeit von Services in Zeiten des Abschwungs zu verstehen, sagt Mitgründer David Hahn gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. Wer jetzt in die Digitalisierung des Servicegeschäfts investiere, der könne als „Gewinner aus dieser Phase“ hervorgehen.

Zwei Millionen von Investoren

Zwei Investoren stützen diese Argumentation jetzt. Fly Ventures und Speedinvest (mit Geldern aus einem spezialisierten Industrie-Fonds) führen eine Anschub-Finanzierung über zwei Millionen Euro an, wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfuhr. Auch private Geldgeber beteiligen sich an dieser Kapitalerhöhung. Das Geld soll nun dabei helfen, den oft mühsamen Vertrieb in der Industrie voranzutreiben. Anfang des Jahres startete das sogenannte „Asset-Relationship-Management“-System des Start-ups bei den ersten Kunden, aktuell nutzen sieben Maschinenbauer das Produkt, teilt Remberg mit. Die Finanzierungsrunde sei nun ein wichtiger Meilenstein, so Hahn.

Dabei müssen sich die Münchener mit ihrem Produkt auch gegen etablierte Wettbewerber behaupten. Viele der großen Maschinenbaukonzerne entwickeln mit großem Aufwand eigene Software, die ähnliche Effekte verspricht. Diese seien jedoch mehrheitlich darauf angelegt, nur die eigenen Maschinen zu verwalten, sagt Remberg-Mitgründer Hahn.

Man fokussiere daher auf „mittelständische Maschinenhersteller zwischen zehn und 500 Millionen Umsatz, die keine eigenen digitalen Ressourcen oder das nötige Know-how haben“, sagt der Unternehmer. Das gesammelte Feedback der verschiedenen Anlagenbauer helfe dann, die Lösung schneller zu verbessern – und kostengünstiger anzubieten. In Zeiten der Krise dürfte das ein gewichtiges Argument in vielen Verhandlungen sein.