Das Start-up verkauft Smartphones und Laptops, die nach dem ersten Gebrauch aufgearbeitet werden. Das Konzept müssen sie manchmal noch erklären. Investoren setzen jetzt auf den Trend.

Neu kostet das iPhone 8 bei Apple 529 Euro. Bei Refurbed ist das Gerät für knapp 320 Euro erhältlich. Der Unterschied: Das günstigere Smartphone war bereits im Einsatz – wurde dann jedoch überarbeitet. Nur beim Akku kann es leichte Abstriche geben, verspricht der Online-Marktplatz. Und verkauft das frisch gemachte iPhone mit zwölf Monaten Garantie.

„Refurbished“ nennen sich diese generalüberholten Geräte, die häufig etwa Leasing-Rückläufer aus Firmenverträgen sind. Refurbed mit Sitz in Wien will zum bedeutenden Marktplatz für vollständig erneuerte Elektronik aufsteigen. Neben Smartphones hat das 2017 gegründete Start-up Laptops, Tablets, aber auch Küchengeräte oder E-Bikes im Angebot. Nach eigenen Angaben hat Refurbed im vergangenen Jahr bereits Ware im Wert von 40 Millionen Euro vermittelt – die etwa 80 Refurbisher, die ihre Produkte auf dem Marktplatz anbieten, zahlen pro Verkauf eine Provision.

Der Marktplatz muss ins Marketing investieren

Jetzt will das Start-up den Wachstumskurs beschleunigen. 100 Millionen Euro Außenumsatz sind für 2020 anvisiert. Dafür muss der Marktplatz viel ins Marketing investieren – und Erklärungsarbeit leisten. „Viele Kunden kennen neu oder gebraucht – aber von refurbished haben viele noch nicht gehört“, sagt Mitgründer Kilian Kaminski gegenüber WirtschaftsWoche Gründer.

Bei diesem Vorhaben hilft eine jetzt abgeschlossene Finanzierungsrunde. Risikokapitalgeber aus Finnland, Spanien und den USA stecken etwa 16 Millionen Euro in Refurbed. „Es ist sehr selten, dass Unternehmen so schnell wachsen und dabei nachhaltig wirtschaften“, sagt Charlie Ryan, Partner des US-Investors Almaz. Das Refurbed-Team von aktuell 80 Mitarbeitern wird wachsen, zudem wird einiges an Geld in Werbung fließen – online wie offline.

Nachhaltig einkaufen liegt im Trend

Denn eigentlich passt das Geschäftsmodell in die Zeit: Zu einem nachhaltigen Konsumverhalten gehört auch das Second-Hand-Shopping bei Elektronikartikeln. Aus Befragung wisse man, das 40 Prozent der Käufer vorwiegend aus Nachhaltigkeitsgründen zuschlagen, sagt Kaminski. Smartphones werden etwa häufig nach zwei Jahren ausgemustert – damit wird aus seltenen Erden erst einmal Elektroschrott.

Als Marktplatz will Refurbed dem entgegenwirken. Dafür muss das Start-up nun an Bekanntheit gewinnen – und Vertrauen herstellen. „Das große Problem ist, dass es keine gesetzliche Grundlage für das Label refurbished gibt“, sagt Kaminski. Refurbed setzt auf ein ausgewähltes Netzwerk an Unternehmen. Bis zu 40 Renovierungs-Schritte, so heißt es auf der Homepage, durchlaufe ein Gerät, bevor es auf der Handelsplattform landet. Auch die einjährige Garantie, die die Verkäufer mitgeben, soll die Akzeptanz erhöhen. Damit will man sich von Plattformen wie Ebay absetzen, auf der sich vor allem private Gebraucht-Artikel ohne Garantie finden.

Den Markt haben jedoch bereits andere für sich entdeckt. Rebuy, groß geworden mit dem An- und Verkauf von ausgelesenen Büchern und durchgeschauten DVDs, arbeitet selbst Elektronikprodukte auf und verkauft diese wieder. Auch auf Amazon finden sich aufgearbeitete Produkte. Kaminski, der diese Sparte bei dem Online-Händler vor einigen Jahren in Deutschland mit aufgebaut hat, sieht jedoch keine Ernsthaftigkeit bei dem Tech-Giganten: „Amazon ist eine Plattform für Neuware – die würden ihr Geschäft ein Stück weit kannibalisieren“.