Das US-Start-up mit Standort in München sammelt 22 Millionen Euro ein. BMW, Toyota und Osram sind unter den Investoren – sie hoffen auf Technologie für das autonome Fahren.

Das Auto von morgen soll Energie einsparen – und das nicht nur beim Antrieb. Je mehr IT-Prozesse während des Fahrens ablaufen müssen, desto höher wird dort der Verbrauch. Das 2017 gegründete Start-up Recogni setzt hier an: Die junge Firma arbeitet daran, Radar-, Lidar- und Videodaten möglichst ressourcensparend zu verrechnen. In autonom fahrenden Autos helfen Chips und Software dabei, dass das Fahrzeug jederzeit weiß, was um es herum passiert.

Auf diesen Ansatz schaut insbesondere die Automobilbranche mit großer Neugier. Unter den Investoren einer aktuellen 22-Millionen-Euro-Finanzierungsrunde finden sich daher einige Hersteller und Zulieferer. Mit dabei sind etwa Beteiligungsgesellschaften von Toyota und BMW sowie der Lichtspezialist Osram und der französische Zulieferer Faurecia.

Autobranche will beim autonomen Fahren weiterkommen

„Wir sind fest von der Sensorfusion auf Basis von Kamera, Radar und Lidar überzeugt, aber die Rechenanforderungen für diese Algorithmen bleiben bisher einer der kritischen Engpässe beim autonomen Fahren“, sagt Sebastian Stamm, Investment Manager bei Osrams Beteiligungsgesellschaft Fluxunit. Von der Recogni-Lösung erhoffen sich die Gesellschafter entscheidende Fortschritte: „Die Automobilindustrie setzt ihren Weg in Richtung teil- und vollautonomes Fahren fort“, sagt BMW-iVentures-Partner Marcus Behrendt.

Zudem ist noch die Private-Equity-Firma DNS Capital mit in der aktuellen Finanzierungsrunde dabei. Angeführt wird die Finanzierungsrunde jedoch von dem amerikanischen Risikokapitalgeber Great Point Ventures. Dessen Stammsitz ist in San Francisco – nicht allzu weit entfernt von Recognis Hauptquartier in San Diego.

KI kommt aus München

Eine wichtige Niederlassung des US-Start-ups ist jedoch München. Hier ist die Abteilung von Recogni zu Hause, die die Künstliche Intelligenz weiterentwickeln soll. Der bayerische Standort soll wachsen. Geleitet wird er vom KI-Chefentwickler und Recogni-Mitgründer Gilles Backhus, der an der Münchener Start-up-Schmiede Center for Digital Technology and Management ausgebildet wurde.

Das frisch eingeworbene Kapital will das KI-Start-up nutzen, um sein sogenanntes Inferenzsystem weiterzuentwickeln. Das beschreibt ein lernendes System, das bekannte Informationen mit neuen abgleicht und so im Idealfall Schritt für Schritt zu präziseren Ergebnissen kommt. Aktuell, so heißt es von Recogni, sei man bereits in Gesprächen mit „mehreren Automobilherstellern“, die die Technologie einsetzen wollen. Zu einigen davon ist die Verbindung durch die aktuelle Finanzierungsrunde deutlich enger geworden.