Rechtsberatung gibt es mittlerweile auch online. 8 Start-ups aus der Legaltech-Szene.

Von Jule Zentek

Mal eben checken, wie die Rechtslage bei einem Bußgeldbescheid aussieht? Das ist längst kein Problem mehr. Im Internet bieten zahlreiche Portale die Online-Beratung durch Experten an. Für Rechtsanwälte heißt das zwar Konkurrenz – doch sie profitieren auch selbst von den Legal-Tech-Angeboten.

In Amerika boomt die Szene mit über 1100 Start-ups. Das deutsche Kartellamt zählte im Sommer 2016 immerhin etwa 40 Angebote. Die Zahl der Portale steigt weiter rasant.

Für Privatpersonen bieten viele Start-ups die Online-Beratung durch qualifizierte Anwälte an. Doch auch Unternehmen wollen mit ihrem Angebot die Rechtswelt unterstützen. Die einen entwickeln Software, mit denen die Verwaltungsarbeit von Dokumenten erleichtert werden soll. Die anderen ermöglichen einen transparenten Überblick über Kosten und Abrechnungen.

Für Nutzer erleichtern die Legal-Techs einiges: Sie müssen bei Fragen nicht mehr direkt zu einem Rechtsanwalt vor Ort. Das spart nicht nur Zeit, sondern auch Kosten: Die meisten Online-Angebote sind günstiger als eine Bearbeitung durch eine Kanzlei. Hilfreich außerdem: Meistens übernimmt die Rechtschutzversicherung die Kosten einer Online-Beratung.

Wie die Rechtsberatung und Verwaltungsarbeit der Zukunft aussehen könnte, zeigen diese acht Start-ups aus der LegalTech-Szene.

Leverton

Eine Plattform zur Auswertung und Analyse von Verträgen – das bietet Leverton. Mithilfe künstlicher Intelligenz werden die Schriftsätze und Portfolios ausgelesen. Software spürt die notwendigen Daten aus hundertseitigen Verträgen einfach und schnell auf. Das Konzept des Berliner Start-ups war schnell erfolgreich: Nach der Gründung 2012 hat das Unternehmen bereits zwei Jahre später einen Umsatz von mehr als einer Million Euro erwirtschaftet. Über die Büros in Berlin, New York und London betreut das Unternehmen mehr als hundert Unternehmen und Kunden.

Legal Base 

Ein fester Preis für eine rechtliche Lösung – so lautet das Angebot des Berliner Start-ups LegalBase. Zwar orientiert sich das Unternehmen am Angebot anderer Online-Beratungen – die Gründer versprechen jedoch im Gegensatz zur Konkurrenz eine deutlichere Preistransparenz und schnellere Leistung. Das Gründerteam um Daniel Biene, Christoph Jenke und Peter Schink bietet Rechtsberatung für Gründer, Unternehmer und Privatpersonen. Unterstützt werden sie dabei von drei Investoren: Dem niederländischen Venture-Capital-Fund Orange Growth Capital, dem norwegischen Investor-Unternehmen Norselab und dem amerikanischen Pendant LegalZoom.

YourXpert

Schnelle und kostengünstige Beratung will das Start-up YourXpert bieten. Seit 2013 können Kunden verschiedene Beratungsbereichen wählen und ihre Fragen an einen Experten stellen – gebührenpflichtig. Antworten folgen per Mail, Live-Chat oder Telefon. In den ersten drei Monaten liefen mehr als hundert Beratung über die Plattform. Auf den ersten Investor musste das Stuttgarter Gründer-Trio Stefan Schütt, Veit Johanning und Bernhard Finkbeiner daher nicht lange warten: Die Forum Media Ventures wurde Kapitalgeber und Partner. Fast vier Jahre nach der Gründung konnten bereits über 7.000 Fragen von den Experten der Plattform beantwortet werden.

Flightright

Ein Flug hat Verspätung oder fällt ganz aus – welche Rechte Fluggäste dann haben, zeigt Flightright. Kunden können auf der Plattform ihre Flugverspätung eingeben, ein Online-Rechner berechnet dann die Entschädigung nach EU-Recht. Nach der Gründung 2010 konnte sich das Start-up als deutscher Marktführer behaupten. Doch Konkurrenz kam schnell, und sie lockte mit besseren Konditionen: Start-ups wie Compensation2Go boten die Sofort-Entschädigung an. Bei Flightright warteten Kunden unterdessen manchmal monatelang auf die Auszahlung – abzüglich der Gebühren für die Arbeit des Start-ups. Das wollten die Flightright-Gründer Sven Bode und Philipp Kadelbach nicht hinnehmen: 2016 erschien Flightcash. Insgesamt über 100 Millionen Euro haben Kunden in den vergangenen sieben Jahren über das Flugrecht-Portal erhalten.

Geblitzt.de

Wer ohne erkennbaren Grund einen Strafzettel erhält, sollte den Bußgeldbescheid anfechten. Dazu rät Jan Ginhold, Gründer und Geschäftsführer des Online-Angebots Geblitzt.de. Über sein Unternehmen Coduka, ein Angebot zur unabhängigen Prozessfinanzierung, gründete er 2013 die Beratungswebseite für Verkehrsrechte. Die Überprüfung der Vorwürfe und auch die Einstellung des Verfahrens sind dort gegebenenfalls möglich. Für Kunden ist das kostenlos: Das Start-up stellt Anwälten eine Software bereit, die Arbeitsabläufe vereinfacht und Zugriff auf die Rechtsgrundlagen gibt. Durch die Einnahmen der Lizenzgebühr wird der Service von geblitzt.de finanziert. Seit er Gründung konnte das Start-up so schon fast 11.000 Fälle bearbeiten und abschließen.

Edicted 

Marco Klock und Philipp Harsleben gründeten das Start-up 2014. Ihr Ziel damals: Eine Plattform, die Kanzleien und junge, angehende Juristen vernetzt. Das Start-up bietet Kanzleien die Möglichkeit zum Outsourcing: Bestimmte juristische Aufgaben wie Rechercheaufträge werden so ausgelagert. Die Aufträge übernehmen dann Studenten, Referendare und Anwälte. Nachdem das Start-up 2015 über die Crowdfunding-Plattform Seedmatch 200.000 Euro einsammeln konnte, gewann es mit der Anschlussfinanzierung den Verlag C. H. Beck als Gesellschafter.

Rightmart

Noch frisch in der Szene ist das Start-up Rightmart. Mit seiner Software zur Rechtberatung in Echtzeit ging das Unternehmen erst im Mai 2016 auf den Markt. Die Gründer Jan Frederik Strasmann und Philipp Hammerich sowie die „Edicted“-Gründer Marco Klock und Philipp Harsleben haben ein Ziel: Eine Beratung auf höchstem Niveau bei geringem Personal. Software soll die Verwaltungsarbeit vor der Beauftragung eines Anwalts übernehmen. Mandanten können zum Beispiel Hartz IV-Bescheide oder ihr Reiserecht im Urlaub automatisch prüfen lassen. Die Ansprüche werden durch die Software geprüft – danach entscheiden Nutzer, ob sie das Mandat bei der Kanzlei einreichen wollen. Einige Anwälte unterstützten die Idee: Sie investierten insgesamt einen sechsstelligen Betrag.

Busylamp

Das Start-up Busylamp richtet sich vor allem an Personen und Unternehmen, die regelmäßig Rechtsberatung brauchen. Das Ziel ist eine transparente Darstellung: Kanzleien und Mandanten können den Stand und die Kosten eines Projekts jederzeit abfragen. Das Controlling-Tool wurde von den Juristen Michael Tal, Manuel Meder und Konstantin Tadrowski entwickelt und 2013 gestartet. In mehr als 60 Ländern nutzen Unternehmen die Software – damit ist das Start-up mittlerweile einer der Marktführer bei den Angeboten für Managementlösungen.